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Brandenburg/Havel Seminar: So soll Demokratie in Deutschland funktionieren
Lokales Brandenburg/Havel Seminar: So soll Demokratie in Deutschland funktionieren
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19:30 10.10.2018
Seminarleiter Chadi Bahouth (l.) erklärt, wie das deutsche Grundgesetz in Theorie und Praxis funktioniert. Quelle: Christine Lummert
Brandenburg/H

„Dagegen sein ist viel witziger“, animierte Seminarleiter Chadi Bahouth die Kursteilnehmer. Als Geflüchteter selbst in die Rolle eines Pegida-Anhängers oder AfD-Politikers zu schlüpfen, klingt erst einmal nicht nach Spaß. Da das Ganze aber im Rahmen eines Seminars zur politischen Bildung stattfindet und in verschiedenen Rollenspielen unterschiedliche Perspektiven des deutschen Meinungsspektrum dargestellt werden sollen, lassen sich einige auf das Experiment ein.

Im Interkulturellen Bildungs- und Begegnungszentrum „Gertrud von Saldern“ nahmen Menschen mit Fluchterfahrung, aber auch einige interessierte Einheimische über zwei Tage an einem Seminar teil, das von der Friedrich-Ebert-Stiftung veranstaltet wurde. Unter der Überschrift „Demokratische Bildung“ setzten sich die 14 Kursteilnehmer in Theorie und Praxis mit den Werten des deutschen Grundgesetzes auseinander.

Chadi Bahouth hat das Demokratie-Seminar für die Friedrich-Ebert-Stiftung entwickelt. Quelle: Christine Lummert

„In dieser relativ kurzen Zeit können wir natürlich nicht jedes Detail erörtern, aber die Grundrechte wie Gleichberechtigung, Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit aber auch das Recht auf die Unverletzlichkeit der Wohnung oder das Briefgeheimnis sind Themen, die die Flüchtlinge unmittelbar betreffen“, sagte Bahouth. Er selbst kam als Kind nach Deutschland, hat aber längst einen deutschen Pass und das Seminarkonzept in Zusammenarbeit mit der Ebert-Stiftung entwickelt hat.

„Als 2015 vor allem zahlreiche Flüchtlinge aus Syrien nach Deutschland kamen, entstand der Gedanke, diese Menschen quasi abzuholen und ihnen zu erklären, wie sie sich hier zurechtfinden und welche Rechte, aber auch Pflichten sie jetzt haben“, sagte Bahouth. Anfangs liefen die Kurse ausschließlich auf Arabisch. „Mit zunehmenden Deutschkenntnissen äußerten viele Flüchtlinge den Wunsch, dass sie gerne mehr Kontakt zu Einheimischen hätten“, so der Seminarleiter.

So laufen die Kurse inzwischen in deutscher Sprache und stehen einem größeren Personenkreis an Interessierten offen. Dazu erhält jeder am Ende eine Zertifikat für die Teilnahme. „Darüber freuen sich die Geflüchteten ganz besonders“, weiß Bahouth.

Interkulturelles Zentrum "Gertrud von Saldern". Quelle: Christine Lummert

Dafür setzen sich die Neu-Brandenburger aber auch mit Themen auseinander, die die eigenen Fluchtgründe wieder aufwühlen. Dass beispielsweise in Deutschland die Polizeibeamten zur Neutralität verpflichtet sind, das Versammlungsrecht für jeden bei Demonstrationen schützen und nur mit einem Durchsuchungsbeschluss in die Wohnung gelassen werden müssen, haben viele in ihren Heimatländern anders erlebt.

„Und mit ein bisschen Bakschisch für ein überfahrenes Stopp-Schild kann man bei deutschen Beamten auch nicht landen“, versuchte Bahouth die Situationen immer wieder aufzulockern. Interaktiv wurde es, als die Kursteilnehmer unter anderem Demonstranten mit unterschiedlichen Meinungen zur Flüchtlingsfrage in Deutschland darstellten.

Bei Shahla Hamidi weckte das schlechte Erinnerungen an ihr Leben im Iran. „Ich gehöre zur arabischen Minderheit, die dort unterdrückt wird und habe mich bei Demonstrationen immer wieder für Frauenrechte eingesetzt.“ Vor drei Jahren musste sie deshalb flüchten. „Mit dem Seminar wollen wir den Menschen aber vermitteln, dass in Deutschland jeder offen sprechen darf, es gleichzeitig aber auch dazugehört, die Meinungen anderer zu akzeptieren“, sagte Bahouth.

Von Christine Lummert

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