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Denkmalschützer: Der Elefantenkäfig muss weg

Brandenburg an der Havel Denkmalschützer: Der Elefantenkäfig muss weg

Der große Müllkäfig vor einem Wohnhaus in Brandenburg an der Havel ist nicht nur hässlich. Er steht dort ohne korrekte Genehmigung. Denn das gesamte Gebäudeensemble ist denkmalgeschützt. Die städtischen Denkmalschützer haben dem Metallkäfig keineswegs zugestimmt. „So wie gebaut wurde, wird es nicht bleiben“, versichert die Fachgruppenleiterin.

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So geht es nicht. Dem Müllkäfig vor der denkmalgeschützten Maerckerstraße 9 fehlt die denkmalrechtliche Genehmigung.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. Der große Müllkäfig vor dem Wohnhaus Maerckerstraße 9 ist nicht nur potthässlich. Er steht dort auch ohne korrekte Genehmigung. Denn das gesamte Gebäudeensemble ist denkmalgeschützt. Die städtischen Denkmalschützer haben dem Metallkäfig keineswegs zugestimmt. „So wie gebaut wurde, wird es nicht bleiben“, versichert Fachgruppenleiterin Katrin Witt.

Unter der Überschrift „Brandenburgs schlimmste Aussicht“ berichtete die MAZ diese Woche über den etwa 6,50 mal 4,50 Meter großen Metallkäfig, den die Vermieterin im Januar direkt vor dem Wohnzimmerfenster von Hochparterre-Mieterin Petra Nagel aufgestellt hat. Dort soll die gesamte Nachbarschaft die Abfalltonnen befüllten und ihre Müllsäcke abstellen.

Die Mieterin stößt sich verständlicherweise an dem schrecklichen Ausblick direkt vor ihrem Wohnzimmer- und Küchenfenster. Zudem fürchtet sie, dass der ganze Müll in den wärmeren Jahreszeiten stinken und sie belästigen wird. Die betroffene Mieterin ist nicht die einzige, die etwas gegen das eigenwillige Abfallbauwerk hat.

Inzwischen sind die Denkmalschützer auf dem Plan. Zwar hatte die Stadtverwaltung der Eigentümergemeinschaft aus Linthe am 23. Juni 2016 die „Genehmigung zur Errichtung eines Müllstandplatzes“ aus Basis einer Ausnahmeregelung erteilt. Doch das reicht nicht aus.

Sozialer und künstlerischer Anspruch

Die Märkische Wohnungsbau GmbH hat die viergeschossigen Wohnzeilen in den Jahren 1929 und 1930 errichtet. Die Siedlung ist laut der Brandenburger Denkmaltopographe Teil des 1928 von Stadtbaurat Karl Erbs aufgestellten Wohnungsbauprogramms zur Bekämpfung der damaligen Wohnungsnot.

Karl Erbs und Kurt Schlegel haben die Wohnanlage in der Wilhelmsdorfer Vorstadt städtebaulich geplant.

Die betreffenden Straßen – Maerckerstraße, Baebenrothufer und Reimerstraße – sind nach Brandenburger Stiftern benannt.

Die abgerundeten Eckbauten und die geschwungene Führung der beiden Nord-Süd-Straßen verleihen der Wohnanlage ihre besondere Eleganz, schreibt Achim Krekeler in seinem Architekturführer Brandenburg an der Havel.

Die Mehrfamilienhäuser sind laut Krekeler ein herausragendes Beispiel der Neuen Sachlichkeit und künden von dem sozialen und künstlerischen Anspruch, mit dem die Stadt unter der Regie von Karl Erbs die Lösung der Wohnungsfrage in der Weimarer Republik vorantrieb.

Denn die Maerckerstraße 9 ist wie die benachbarten Häuser denkmalgeschützt. Die Gebäude dürfen also nicht verschandelt werden, schon gar nicht ohne die Genehmigung der unteren Denkmalschutzbehörde.

Eine solche Zustimmung wurde nicht eingeholt, wie Fachgruppenleiterin Katrin Witt auf Anfrage bestätigt. Ihre Behörde sei gerade dabei herauszufinden, was schief gelaufen ist, um dann eine Lösung zu finden, die aber nicht identisch sein werde mit dem Ist-Zustand.

Der bekannte Brandenburger Architekt Achim Krekeler, der auf denkmalgerechtes Sanieren spezialisiert ist, hat den „Elefantenkäfig“ ebenfalls schon moniert und die gleiche Information erhalten wie die MAZ: Der Metallkäfig vor der Hausnummer 9 sei denkmalrechtlich nicht genehmigt worden.

Das Ensemble Maerckerstraße – Reimerstraße – Bebenrothufer steht einschließlich der Vorgärten und dem Innenhof unter Schutz.

Alle Bauprojekte sind daher denkmalrechtlich genehmigungspflichtig. „Der völlig unsensible Käfig-Bau stößt auf mein völliges Unverständnis und muss beseitigt werden“, fordert Achim Krekeler, dessen Büro gerade die Maerckerstraße 4 bis 6 unter Erfüllung hoher denkmalpflegerischen Anforderungen saniert hat.

Das Architektenbüro hat für die Vorgärten und den gemeinschaftlich genutzten Innenhof eine aufwendige Planung erarbeitet und mit der Denkmalpflege abgestimmt. Krekeler bestätigt, dass es nicht einfach gewesen sei, für die Aufstellung der Mülltonnen eine gute Lösung zu finden. Doch er kommt zu dem Schluss: „Mit etwas Feingefühl findet man eine Lösung.“ In den nächsten Wochen kann jedermann sehen, wie sich Innenhof und Vorgärten dort denkmalgerecht gestalten lassen. Was der Vize-Vorsitzende des städtischen Denkmalbeirats nicht akzeptiert: Sein Büro musste die Planung kleinteilig abstimmen, während die Eigentümer der Maerckerstraße 9 „machen können was sie wollen“.

Soweit bekannt waren die einzelnen Häuser des geschützten Ensembles an verschiedene Eigentümer verkauft worden, im Falle der Hausnummer 9 an Geschäftsleute aus Linthe, die offenbar ihre liebe Not haben, das Müllproblem zufriedenstellend zu regeln.

In dieser Hinsicht äußert Katrin Witt sogar Verständnis für die Hauseigentümer. Aus andernorts habe der „Mülltourismus“ dazu geführt, dass sich Hauseigentümer nicht anders zu helfen wussten, als den Mülltonnenplatz einzuhausen, damit fremde Leute ihren Abfall dort nicht abladen.

Die Eigentümer der Maerckerstraße 9 hatten Teile der Stadtverwaltung davon überzeugt, dass es bei ihnen keine geeigneten privaten Flächen gebe für Abfallbehälter.

Von Jürgen Lauterbach

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