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Brandenburg/Havel „Der Baum braucht die Schere“
Lokales Brandenburg/Havel „Der Baum braucht die Schere“
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10:20 02.10.2015
Gärtner in dritter Generation und Meister des Obstbaumschnitts: Jörg Schneider. Quelle: privat
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Berlin/Brandenburg/H.

Jörg Schneider (Jahrgang 1965) ist am Sonnabend, 3. Oktober, zu Gast im Haus der Landschaft auf dem Packhof. Dort verrät er, was Gartenbesitzer beim Obstbaumschnitt alles beachten müssen.

MAZ: Sie haben 2013 die Übungs-DVD „Obstbaumschnitt – Der Kurs“ herausgebracht. Warum?

Jörg Schneider: In meinen Baumschnittkursen hat sich in der Vergangenheit immer wieder herauskristallisiert, dass das Schneiden von Obstbäumen ein dringendes Thema bei Gartenbesitzern ist. Es gibt zwar viele Fachbücher, die hilfreich sind. Aber nur die Theorie allein reicht nicht. Wie man richtig schneidet – das muss man mal gesehen haben. Da ist so ein Kurs schon hilfreich und wer das Gelernte noch mal auffrischen will oder keine Zeit für einen Schnittkurs hat, kann mit der DVD üben.

Warum kann man Obstgehölze nicht einfach der Natur überlassen, wieso müssen sie überhaupt geschnitten werden?

Schneider: Der Baum braucht die Schere. Das hat schon mein Vater, der ebenfalls Gärtnermeister war, gesagt. Überlässt man den Obstbaum der Natur, wird er wurmstichig, bekommt eine dichte Krone, die Äste reiben ineinander und das Obst bekommt zu wenig Sonne ab. Deshalb haben Bäume, die nicht geschnitten werden, zwar viele, dafür aber ganz kleine Früchte. Ohne Schnitt wächst das Obst zeitverzögert. Ein richtiger Schnitt bringt auf lange Sicht mehr Qualität statt Quantität. Gartenbesitzern gebe ich gern den Merksatz mit auf den Weg: Am Ende eines gelungenen Obstbaumschnitt muss man einen Hut durch die Baumkrone werfen können. Gemeint ist damit, dass alle Äste genug Sonne abbekommen. Nur dann gibt es am Ende schöneres Obst.

Was ist der schlimmste Fehler, den Hobbygärtner beim Schneiden machen können?

Schneider: Es kommt auf ein gesundes Mittelmaß an. Gleichzeitig braucht man für einen gesunden Obstbaumschnitt auch Mut. Viele sind beim Schneiden zu zögerlich. Man muss auch mal sagen: Dieser Ast kommt jetzt weg. Falsch wäre aber auch, die Hut-Regel wortwörtlich zu nehmen und Fruchtholz komplett wegzuschneiden.

Wann ist die beste Jahreszeit für den Baumschnitt?

Schneider: Die Schnittsaison beginnt mit dem Laubfall, dann wenn der Garten Winterruhe hält. Die Monate November bis Februar sind der beste Zeitpunkt für einen Obstbaumschnitt. Allerdings darf nicht geschnitten werden, wenn die Temperaturen unter -5 Grad Celsius fallen. Dann besteht die Gefahr, dass das Holz durch die Kälte splittert. Das Holz darf beim Schneiden nicht reißen, sonst fügt nimmt der Baum Schaden.

Wie lauten die drei goldenen Regeln des Obstbaumschnitts, die Anfänger unbedingt beherzigen sollten?

Schneider: Wichtig ist es, gezielt die Außenknospen zu schneiden. Die zweite Regel lautet: Beim Schneiden auf die Saftwaage achten! Äste, die in gleicher Höhe entspringen, sollten in etwa auf der gleichen Ebene enden. Und drittens noch eine Faustregel: Ein starker Rückschnitt erzeugt einen starken Austrieb.

Und wie ist es bei alten Bäumen? Brauchen die besondere Pflege?

Schneider: Für vergreiste Bäume gibt es den sogenannten Verjüngungsschnitt. Um alten Bäumen neues Leben einzuhauchen, müssen sie stark zurückgeschnitten werden. Im Jahr darauf bildet der Baum dann Wasserschosser. Aus dem alten Holz entwickeln sich viel Triebe, an denen aber noch kein Obst wächst. Wichtig ist, die Triebe stehen zu lassen. Es gilt die 50-50-Regel: Die Hälfte der Wasserschosse bleibt stehen, die Triebe werden aber um 50 Prozent gekappt.

Klingt kompliziert. Der Obstbaumschnitt zählt zur Königsdisziplin. Nicht einmal ausgebildete Gärtner beherrschen den Schnitt fehlerfrei. Was zeichnet einen guten „Obstbaumschneider“ aus?

Schneider: Die Erfahrung. Es braucht viel Zeit, bis man versteht, wie ein Baum physiologisch funktioniert. Wie einen Hund erzieht man sich den Baum, bis er so wächst, wie er soll. Dazu gehört viel Übung, aber auch Feingefühl.

Herr Schneider, Sie beherrschen die Kunst des richtigen Baumschnitts quasi im Schlaf. Liegt es an Ihrem Namen, dass Sie ein Händchen dafür haben.

Schneider: Vielleicht (lacht). Der Name ist bei uns Programm. Schon mein Opa war Baumschulgärtner.

Gärtnermeister mit Tradition

Die Gartenbaumschule Schneider hat eine lange Tradition: Gegründet hat sie 1963 der Gärtnermeister Karl-Heinz Schneider.

Dessen Sohn, der Gartenbauingenieur Jörg Schneider (50), leitet die Baumschule heute in dritter Generation.

Schon sein Großvater betrieb in den 1930er Jahren eine Baumschule in Nauen (Havelland).

Heute befindet sich die Baumschule zwischen dem Groß Glienicker See und dem Sakrower See am Rande von Berlin.

Die DVD „Obstbaumschnitt – der Kurs“ brachte Schneider 2013 im Jahr des 50. Firmenjubiläums heraus. Schritt für Schritt erklärt er in dem professionellen 60-Minuten-Film, den er mit einem befreundeten Regisseur gedreht hat, alles rund um den perfekten Obstbaumschnitt. Die DVD kostet 19,90 Euro und kann telefonisch bei der Gartenbaumschule Schneider angefordert werden: 030/36 89 28 0. Viermal im Jahr können sich Gartenbesitzer auch zum Baumschnitt-Kurs anmelden. Infos unter: www.gartenbaumschule-schneider.de

Am Samstag, 3. Oktober, 11 Uhr, informiert Schneider auf dem Packhof am Haus der Landschaft.


Von Josefine Sack

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