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Brandenburg/Havel Der Ginkgo-Meister aus Marzahne
Lokales Brandenburg/Havel Der Ginkgo-Meister aus Marzahne
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02:16 24.09.2015
Auf den Ginkgo gekommen: Eigentlich ist Edwin Pekrul für seine Bonsai-Bäume bekannt. Seit ein paar Jahren züchtet er in seine Baumschule auch Ginkgos. Quelle: Josefine Sack
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Marzahne

Trostspender, Hoffnungsträger, Überlebenskünstler: Kaum ein Gehölz wird so verehrt wie der Ginkgo (botanisch: Ginkgo biloba). Er ist der älteste Baum der Erde, überlebte all seine Verwandten und Abkömmlinge, hat die Drift der Kontinente, die Entstehung der Gebirgsketten und sogar die Dinosaurier überstanden. Nicht ohne Grund bezeichnete Charles Darwin (1809-1882), Begründer der Selektionstheorie, den Ginkgo seinerzeit als „lebendes Fossil“.

Dass es die asiatische Baumart heute noch gibt, ist für uns Menschen wie eine Botschaft von einem anderen Stern. Vor mehr als 900 Jahren entdeckten buddhistische Tempelmönche den Ginkgo wieder und bepflanzten ihre Palastgärten und Heiligtümer mit dem seltenen Baum.

Harmonisch wie Yin und Yang

Durch seine Zweihäusigkeit – es gibt männliche und weibliche Bäume – entspricht der Ginkgo dem philosophischen Weltverständnis des chinesischen und japanischen Kulturkreises: Nord und Süd, Ost und West, Leben und Tod, Gut und Böse, Yin und Yang. Bis in die Gegenwart werden Ginkgonüsse in Asien traditionell bei Familienfeiern und Hochzeiten gereicht – in dem Glauben, dass Ginkgo sowohl die bösen Geister als auch Einfluss auf die „chens“, die wohlgesinnten Götter, Einfluss nimmt.

In den Tempelanlagen wurde Ginkgo stets paarweise gepflanzt. Er diente er aber längst nicht nur zur Zierde. Als Heilmittel fanden seine Blätter und Nüsse auch in der Volksmedizin Verwendung.

Ein Wanderer zwischen den Zeiten: Ginkgo. Quelle: Josefine Sack

Für Edwin Pekrul (75) aus Marzahne bei Brandenburg an der Havel (Potsdam-Mittelmark) ist Ginkgo nicht einfach nur ein Baum mit faszinierender Geschichte. „Ginkgo hat Zukunft“, ist er überzeugt. Seit einigen Jahren züchtet der pensionierte Gartenbau-Ingenieur Ginkgo. An die 40 Sorten wachsen in seiner Baumschule und seinem Garten unter Plane. Die neueste Sorte, den Straßenbaum BP41, hat er nach seinem fünf Jahre alten Enkel benannt: Pekrul wird seinen Ginkgo „Arthur“ samt 20 weiteren Sorten Anfang Oktober zur letzten Blumenschau in der Johanniskirche auf der Bundesgartenschau präsentieren. Ginkgo-Bäume mit brandenburgischen Wurzeln – so etwas gibt es nicht alle Tage zu sehen. In deutschen Baumschulen werden jedenfalls nur wenige Ginkgo-Bäume herangezogen. Schuld ist das Wetter: Bei Kälte, Wind und übermäßig trockenen Böden wachsen sie nur schlecht. Die meisten der hier gepflanzten Bäume stammen daher aus Holland und Italien.

Ein robuster Baum mit Potenzial

So kommt es, dass der Ginkgo hierzulande insgesamt wenig verbreitet ist. Edwin Pekrul will das ändern. „In japanischen Großstädten und den USA säumen Ginkgos ganze Straßenzüge“, weiß Pekrul aus Erfahrung. In deutschen Städten hingegen werde das Potenzial der schadstoffresistenten Bäume noch verkannt. Auch wenn sich Ginkgo zunehmend etabliere, besonders in Dresden und Weimar zieren schon viele Bäume den Straßenrand, will Pekrul weiter aufklären und die Werbetrommel rühren für den Wunderbaum aus Asien. Dazu hat der Gartenbauer eigens Erklärtafeln anfertigen lassen, die er zur Hallenschau auf der Buga aufstellen will.

Fakt ist, Ginkgo eignet sich nicht nur wegen seines exotischen Blätterkleides als Park- und Straßenbaum. Er hat den heimischen Baumarten auch einiges voraus: Bäume, die in Städten wachsen, haben mit dem Mangel an Bodenluft, Wasser und Nährstoffen zu kämpfen. Dazu kommt die Belastung durch Streusalze und Abgase. „Der Klimawandel wird die Bedingungen in Zukunft noch verschärfen“, ist Pekrul überzeugt. Für die städtischen Umweltämter könnte der Ginkgo dann die letzte Rettung sein. Er ist resistent gegen Schädlinge, Auto- und Industriegase und erträgt Temperaturen bis zu -30 Grad Celsius – eben ein echter Überlebenskünstler.

Goethe und der Gingo

Im September 1815 gab Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) seiner geliebten Freundin, Marianne von Willemer, ein Blatt des Ginkgo-Baums als Symbol seiner Zuneigung.

Der vermutlich aus Linz stammenden Schauspielerin und Tänzerin (1784–1860) widmete er sein Gedicht „Gingo Biloba“. Goethe verewigte sie in seinem Buch „Suleika“.

Die Schreibung „Gingo“ wählte Goethe in der Erstfassung bewusst, um dem Titel den harten Konsonanten „k“ auszusparen.

Gingo biloba

Dieses Baums Blatt, der von Osten

Meinem Garten anvertraut,

Giebt geheimen Sinn zu kosten,

Wie’s den Wissenden erbaut,

Ist es Ein lebendig Wesen,

Das sich in sich selbst getrennt?

Sind es zwei, die sich erlesen,

Daß man sie als Eines kennt?

Solche Frage zu erwidern,

Fand ich wohl den rechten Sinn,

Fühlst du nicht an meinen Liedern,

Daß ich Eins und doppelt bin?

Von Josefine Sack

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