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Kunstobjekt Stasi-Akte „Sharing the Meeting“

Der New Yorker Stefan Roloff eröffnet seine Ausstellung Kunstobjekt Stasi-Akte „Sharing the Meeting“

„Sharing the meeting“, die wohl bisher ungewöhnlichste Ausstellung in der Kunsthalle Brennabor wurde am Wochenende zum zweiten Mal eröffnet. Bei der ersten Vernissage vor etwa zwei Wochen war der Künstler Stefan Roloff noch in New York, jetzt war Eröffnung mit ihm. Die Gäste mussten sogar ihre Stühle selbst mitbringen.

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Gisela Freimark (r.) spricht mit der westdeutschen Autorin Andrea Schütte. Ihr Mann Wolf Bubenik hört zu.

Quelle: A. Brünink

Brandenburg an der Havel. Als Christian Kneisel, Kurator der Kunsthalle Brennabor, den Maler, Videokünstler und Filmemacher Stefan Roloff einlud, seine Werke in Brandenburg an der Havel auszustellen, träumte er von den großformatigen, wunderbaren Malereien des Künstlers. Doch der gebürtige Berliner Stefan Roloff, der in New York lebt, zeigt nicht seine eigene Kunst, sondern hat stattdessen eine gesellschaftspolitische Aktion angestoßen. Damit ist „Sharing the meeting“ wohl die bisher ungewöhnlichste Ausstellung in der Kunsthalle Brennabor.

Nun fand die zweite Vernissage statt, nachdem bereits vor zwei Wochen die Ausstellung schon einmal eröffnet wurde, obwohl lange zuvor bekannt war, dass Roloff zu diesem Termin nicht teilnehmen konnte. Jetzt verweigerte das Brandenburger Theater als Träger der Kunsthalle die Unterstützung zu dieser zweiten Eröffnung, so dass Roloff sogar die Stühle für die Gäste selbst mitbringen musste. Anders, als ursprünglich geplant, will Roloff nun doch keine Kunstwerke von Brandenburger Bürgern ausstellen und öffentlich darüber sprechen. Dennoch haben die beiden einfachen Holzstühle auf dem roten Teppich in der Kunsthalle Brennabor nichts an Bedeutung verloren. Im Gegenteil: Roloff lädt ehemalige DDR-Bürger dazu ein, miteinander zu sprechen. Seine Aufforderung wendet sich sowohl an Menschen, die zu DDR-Zeiten von der Stasi verfolgt und gepeinigt wurden. Außerordentlich viel liegt ihm daran, dass auch ehemalige SED-Mitglieder, die nach der Wende zu Amt und Würden gekommen sind, auf einem der Stühle Platz nehmen und sich dem Gespräch mit Verfolgten stellen.

Dazu gehöre Mut, den wohl die wenigsten aufbrächten, sagt die Publizistin Vera Lengsfeld in ihrer Eröffnungsrede. Selbst der kleine Mann mit der großen Klappe – gemeint ist Gregor Gysi – sei ein Feigling, wie sie aus persönlicher Erfahrung wisse. Er rede nicht mit Leuten, vor denen er Angst habe. An Fernsehredaktionen, die ihn zu Talkshows einladen, schicke Gysi eine Liste mit Namen von Personen, wie beispielsweise Freya Klier, Hubertus Knabe und anderen, mit denen er auf keinen Fall konfrontiert werden wolle. Auch ihr Name stehe auf dieser Liste, so Vera Lengsfeld. In Diskussionen zwischen SED-Machern und Verfolgten gehe es nicht um Schuld und die Verurteilung früherer Taten, sondern darum, dass die Betroffenen Verantwortung für das eigene Tun übernehmen, erläutert Roloff. „Wer ewig seine Vergangenheit verleugnet, in dem baut sich ein enormer Druck auf.“

Ein Gespräch mit ehemals Verfolgten könne dazu beitragen, dass dieser Druck nachlasse und Vergebung möglich werde. Dass so etwas funktioniert, habe man am Beispiel von Südafrika erleben können, sagt Roloff. Dort hatte seinerzeit Nelson Mandela Opfer und Täter an einen Tisch gebeten und so dafür gesorgt, dass die Folgen der Apartheid aufgearbeitet werden konnten.
Die Wände der Kunsthalle sollen nicht weiß bleiben, erklärt Roloff. Er lädt dazu ein, hier Stasi-Akten Blatt für Blatt anzupinnen. Drei ehemals Verfolgte sind seiner Aufforderung bereits gefolgt.

Kontakt: Kunsthalle Brennabor, Mittwoch bis Sonntag jeweils von 13 bis 19 Uhr, Stefan Roloff unter chair-brennabor@web.de

Von Ann Brünink

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