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Der Schatz hinter der Marienkapelle

Kirchenbibliothek in St. Katharinen Der Schatz hinter der Marienkapelle

Von 1634 bis 1951 beherbergte St. Katharinen in Brandenburg an der Havel eine der bedeutendsten Kirchenbibliotheken im Märkischen. Als jüngste der drei großen Kirchenbibliotheken der Stadt wurde die Katharinenbibliothek 1634 dadurch begründet, dass der Magistrat die Privatbibliothek von Joachim Garcäus ankaufte.

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Hineinspaziert: Pfarrer Jonas Börsel öffnet die Tür zur Bibliothek.

Quelle: Heiko Hesse

Brandenburg/H. In der Marienkapelle „führen einige Studen zu einer höher gelegenen Türe mit einem mittelalterlichen Schlosse“, schreibt Katharinenpfarrer Kurt Holtz in seinem Beitrag für die „Blätter für Heimatpflege“, erschienen im August 1925. „Ein ebenso alter Schlüssel öffnet sie uns, und wir stehen in der alten Bücherei.“ *Jonas Börsel, heute Pfarrer von St. Katharinen in Brandenburg, steigt fünf Stufen hinauf, steckt ein uralten, wuchtigen Schlüssel in ein uraltes Schloss, öffnet und tritt ein – in einen leeren Raum. Nichts erinnert daran, dass hier über Hunderte von Jahren einer der bemerkenswertesten Buchsammlungen der Mark Brandenburg lagen und bis in die Mitte des 20. Jahrhundert auch noch genutzt worden ist.

Ein Schornstein ragte in den 80er Jahren aus dem Bibliotheksraum der Katharinenkirche

Ein Schornstein ragte in den 80er Jahren aus dem Bibliotheksraum der Katharinenkirche.

Quelle: Salge

Zur Zeit von Pfarrer Holtz, er wirkte von 1916 bis 1928 in der Katharinenkirche, führte man offensichtlich ab und an kleine Gruppen in diesen besonderen Raum. „Wenn ihr in geringer Anzahl seid“, notiert Holtz in seinem Beitrag, „dürft ihr euren Lehrer schon mal bitten, dass er euch diese Kirchenbücherei zeigt; wenn ihr nicht mehr als zehn oder zwölf seid, habt ihr Platz darin.“ An allen Wänden waren da noch Regale voller Bücher. „Dass sie alt sind, sieht man ihren Einbänden auf den ersten Blick an.“

„Die Bibliothek dokumentiert in erster Linie die Entwicklung der evangelischen Theologie durch das gesamte 16. Jahrhundert hindurch“, heißt es in einem Bericht von Anneliese Schmitt über die Katharinen-Bibliothek, den sie 2007 vor dem Historischen Verein gehalten hat. Und weiter: „Die einzige, aber sehr wertvolle mittelalterliche Handschrift besteht aus Makulaturfragmenten eines gegen Ende des 14. Jahrhunderts entstandenen niederdeutschen Osterspieles.“ In Zahlen listet der aktuelle Katalog den Bestand auf: Die Bibliothek umfasst in rund 1550 Bänden insgesamt 3598 Werke. Davon sind 74 Inkunabeln oder Wiegendrucke. Pfarrer Holtz will 1925 noch sehr viel mehr dieser Werke gezählt haben: „Da sind zunächst etwa 200 Werke, die man Wiegendrucke nennt. Sie stammen aus der Zeit vor der Erfindung des Buchdruckes, als dieser also noch gleichsam in der Wiege lag.“

Einzige Kirche mit Heizung

2707 Werke stammen aus dem 16. Jahrhundert (75 Prozent), 449 aus dem 17. Jahrhundert, 96 aus dem 18. Jahrhundert, 219 aus dem 19. Jahrhundert und schließlich 53 aus dem 20. Jahrhundert, geht aus dem Katalog hervor. Im Jahre 1951 zog die Bücherei um ins Domstiftsarchiv, wo sie mit Sicherheit besser aufgehoben ist als in dem Raum hinter der Marienkapelle. Klamm ist es darin, die Sonne fällt durch das große Südfenster hinein, wahrlich keine guten Bedingungen für die Aufbewahrung von Literatur. Spuren an den Wänden verraten, dass die evangelische Jugend hier eine Zeit lang zu Gast war. „Auch als Proberaum für Bands wurde er genutzt“, erzählt Pfarrer Börsel. Einen Vorteil hat der Raum indes, sagt Börsel und zeigt auf eine großen Kasten: „Er ist der einzige in der Kirche mit einer Heizung.“ Wie ein Foto aus den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts zeigt, ragte einst ein Schornstein aus dem Raum auf das Dach heraus.

Wiegendrucke

Als Inkunabeln (lateinisch incunabula für Windeln, Wiege, Ursprung) oder Wiegendrucke werden die zwischen der Fertigstellung der Gutenberg-Bibel im Jahr 1454 und dem 31. Dezember 1500 mit beweglichen Lettern gedruckten Bücher und Einblattdrucke bezeichnet, schreibt Wikipedia.

Wiegendrucke waren in Format, Typographie und Illustration zunächst vom Erscheinungsbild mittelalterlicher Handschriften geprägt. Das Bild wandelte sich seit Beginn des 16. Jahrhunderts zum modernen Buchdruck.

„Auf mehreren Büchern sind Luther und Melanchthon, auf anderen biblische Geschichten, und auf allen eine Menge von Zieraten aufgepresst zu sehen“, beschreibt Pfarrer Holtz 1925. „Schlägt man sie auf, wundert man sich oft über das gute, feste Papier. Aber es gibt auch Bücher mit brüchigem, schlechtem Papier.“ Das hohe Alter der meisten Werke in der Bücherei verrät ihre Sprache: 2133 oder knapp 60 Prozent der Titel sind in lateinischer Sprache, 1461 in deutscher, drei in griechischer und einer in hebräischer, geht es der heutigen Bestandsliste hervor.

Bibliotheksfenster über dem Portal

Bibliotheksfenster über dem Portal.

Quelle: Hesse

Als jüngste der drei großen Kirchenbibliotheken der Stadt Brandenburg wurde die Katharinenbibliothek 1634 dadurch begründet, dass der Magistrat die Privatbibliothek von Joachim Garcäus ankaufte. „Diese reiche Sammlung ist nach Ausweis der Auszählung später nur noch unbedeutend vermehrt worden“, heißt es im Handbuch der historischen Buchbestände. Joachim Garcäus (1567-1633) war in Brandenburg geboren, wirkte als Professor der griechischen Sprache in Frankfurt/Oder, später als Superintendent in Sorau (Niederlausitz, heute Polen). Als 1618 die Stelle eines Superintendenten an der Katharinenkirche in der Neustadt Brandenburg wurde, bewarb sich Garcäus mit Erfolg und kehrte in seine Geburtsstadt zurück.

„Endlich“, schließt Kurz Holtz seine Betrachtung 1925, „enthält die Bücherei auch Handschriften von berühmten Männern der Lutherzeit, leider keine Zeile von Luther selbst“.

Von Heiko Hesse

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