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Der Spielzeug-Erfinder von Brandenburg

Nachruf auf den Designer Manfred Schindler Der Spielzeug-Erfinder von Brandenburg

Sein Clown am Lenker, eine Figur am Steuer eines Autoscooters, stand zu DDR-Zeiten wohl in tausenden Kinderzimmern. Geschaffen hat ihn der Spielzeug-Designer Manfred Schindler, der Jahrzehnte in Brandenburg an der Havel lebte und jetzt gestorben ist. Eines seiner bekanntesten Entwürfe hat mit plätscherndem Wasser zu tun. Auch das ein Kindertraum.

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Der Clown im Autoscooter, gefertigt nach einer Idee Manfred Schindlers.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. Es gibt Menschen, deren Namen nur wenigen bekannt sind. Doch das, was sie geschaffen haben, das kennen viele Tausende. Manfred Schindler, der Jahrzehnte in Brandenburg lebte, war ein solcher Mann gewesen. Sein Name ist selbst Brandenburg-Experten nicht auf Anhieb ein Begriff. Doch das, was Manfred Schindler entworfen und gestaltet hatte, bewegte sich durch Kinderhände durch viele Spielzeugwelten. Einzelne Kreationen Manfred Schindlers sind sogar im städtischen Heimatmuseum zu bestaunen. Manfred Schindler, der am Montag in Brandenburg an der Havel im Alter von 80 Jahren an Krebs gestorben ist, war ein bekannter Spielzeug-Designer der DDR. Zudem entwarf er Spielplätze für viele ostdeutsche Städte. In Brandenburg war es unter anderem der Spielplatz an der heutigen Grimm-Grundschule in Hohenstücken.

An einer seiner bekanntesten Kreationen flanierten Brandenburger an ihren Sonntagsausflügen jahrzehntelang vorbei: Manfred Schindler hat den Rosenbrunnen am Südaufgang des Marienberges entworfen. Nach der Wende wurde dieser abgerissen, um zur Bundesgartenschau in veränderter Form wieder neu zu entstehen.

Manfred Schindler, 1970

Manfred Schindler, 1970.

Quelle: Emil Futur

Thomas Seide, Inhaber der Brandenburger Metallbau Rysiok, kam als Kind häufig an dem Rosenbrunnen vorbei. Seine Firma erhielt den Auftrag, den Brunnen anlässlich der Bundesgartenschau 2015 nachzubauen. So kam er mit Manfred Schindler in Kontakt: „Er brannte für diese Aufgabe“, erinnert sich Seide. Schindler berichtete dem Jüngeren, welchen Weg das Wasser nehmen sollte und welche Geometrie dem zugrunde lag.

Bei der „Wiederauferstehung des Kunstwerkes“ konnte Manfred Schindler, erschöpft und schon schwer krank, nicht dabei sein. „Als er hörte, dass das Wasser noch nicht richtig plätscherte, gab er uns vom Krankenhaus aus Tipps“, erzählt Thomas Seide.

Vater dreier Söhne

Manfred Schindler kam 1960 als Industrieformgestalter mit künstlerischem Hochschulabschluss zum Volkseigenen Betrieb Mechanische Spielwaren in Brandenburg. Dort entwarf der spätere Vater dreier Söhne „typisches Jungenspielzeug“. So sagt es sein Sohn Gerd, der 1963 geboren wurde. „Wir bekamen an Weihnachten immer das schönste Spielzeug.“

Ein Polar-Fahrzeug, geschaffen von Manfred Schindler, ausgestellt im Stadtmuseum Brandenburg

Ein Polar-Fahrzeug, geschaffen von Manfred Schindler, ausgestellt im Stadtmuseum Brandenburg.

Quelle: JACQUELINE STEINER

In der DDR war Brandenburg der bedeutendste Hersteller von mechanischen Blechspielwaren. Manfred Schindler gestaltete Raupenfahrzeuge, Gabelstapler und Sattelschlepper in Spielzeugformat. Jeeps und Polarmobile. Legendär fast schon war sein kleiner Autoscooter-Fahrer, der lange produziert wurde. Den Clown am Lenker wertet Bernd Havenstein, Autor des Buches „DDR Spielzeug“, als Beweis für Manfred Schindlers Humor. Verspielt und knallbunt, so rollten Schindlers Blech-Spielzeug-Fahrzeuge vom Band. Dabei aber optisch so, als würden sie, wären sie nur deutlich größer, auch auf Autobahnen und Landstraßen rollen können.

Manfred Schindler

Manfred Schindler wurde am 23. Februar 1935 in Grimma geboren. Im sächsischen Colditz wuchs er auf. Später studierter er in Heiligendamm an der Fachschule für gestaltende Technik. Von dort wechselte er an die Kunsthochschule Berlin-Weißensee.

1960 kam Schindler zum VEB Mechanische Spielwaren in Brandenburg an der Havel. Liebhaber aus aller Welt sammeln heut das Blechspielzeug des nach der Wende abgewickelten Betriebes. Manfred Schindler schuf die Fahrzeugwelt auf Baustellen und Straßen in der für Kinderhände gerechten Form. Er war befreundet mit Claus Dietel, der Mitte der 60er Jahre für das Werk in Eisennach den neuen Wartburg 353 entwickelt hatte. Gegenseitig befruchtend war diese Freundschaft wohl, der eine schuf Autos für die Straße, der andere für Kinderzimmer.

Manfred Schindler ist am 18. Januar in Brandenburg an der Havel nach langer Krankheit gestorben.

„Er war ein unglaublicher Charmeur und Lebemann“, so beschreibt Hannah Bauhoff Manfred Schindler. Die 41-jährige Hamburgerin hat – wie Jahrzehnte vor ihr Manfred Schindler – an der Kunst-Hochschule in Berlin-Weißensee studiert. Sie drehte mit dem Team der Berliner Produktionsfirma Emil Futur einen Film über Manfred Schindler. Sie stellt darin den DDR-Designer für Industrie- und Alltagskultur vor. „Es war mir ein Anliegen, das wertvolle Wissen dieses Mannes über Design zu dokumentieren. Es darf nicht vergessen werden.“

Noch im Sommer vorigen Jahres besuchte Hannah Bauhoff Manfred Schindler. Der lebte bis fast zuletzt in einem Gartenhaus auf der Eigenen Scholle und spielte seiner Design-Kollegin zur Ehren ihres Besuches auf dem Klavier vor.

Manfred Schindler kam  1960 nach Brandenburg an der Havel an den Volkseigenen Betrieb Mechanische Spielwaren

Manfred Schindler kam 1960 nach Brandenburg an der Havel an den Volkseigenen Betrieb Mechanische Spielwaren.

Quelle: Stadtmagazin BRB

Zum Filmteam zählte auch die heute 36-jährige Karin Steger. Während der Dreharbeiten 2010 wurde ihr bewusst, das sie als Kind in Erfurt so oft auf einem Klettergerüst gespielt hatte, das aus den Zeichnungen und Ideen Manfred Schindlers stammte. „Es sind die Kletterpyramiden, die er in Erfurt auf dem ega-Park gebaut hat in den 80er-Jahren“, schreibt Karin Steger. Der Tod Manfred Schindlers geht auch ihr sehr nahe.

Detailverliebter Blick in Spielzeugwelten

Was Kindern Spaß machte, Manfred Schindler wusste es. Für den Mann, der einen solch detailverliebten Blick auf das hatte, was sich Kinder in ihrer Spielwelt wünschen, war es wichtig gewesen, sich vom VEB Spielwaren auch zu lösen. Sehr früh entschied er sich für die Selbstständigkeit. Zu DDR-Zeiten eher die Ausnahme, denn die Regel.

Der von Manfred Schindler entworfene Brunnen am Fuße des Marienberges in Brandenburg

Der von Manfred Schindler entworfene Brunnen am Fuße des Marienberges in Brandenburg.

Quelle: Heiko Hesse

Schindlers Fahrzeuge stehen noch heute in den Vitrinen der Spielzeugausstellung des Stadtmuseums im Freyhaus. 2009 wurde ihnen eine eigene Ausstellung gewidmet.

So wie sie da stehen hinter Glas, könnten sie auch über Baustellen, Landstraßen und Autobahnen rollen, wären sie nur größer, die Planierraupen, Jeeps, Lastwagen und Schneemobile. Allesamt Werke von Schindlers Gedankenwelt.

Von Marion von Imhoff

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