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Der Tod der kleinen Charlotte bleibt ungesühnt

Brandenburg an der Havel Der Tod der kleinen Charlotte bleibt ungesühnt

Ohne in die Beweisaufnahme einzutreten stellte das Amtsgericht in Brandenburg an der Havel am Donnerstag das Verfahren gegen zwei Heizungsmonteure ein. Die Staatsanwaltschaft Potsdam hatte beide angeklagt, durch fehlerhaftes Arbeiten den Erstickungstod der kleinen Charlotte am 19. Februar 2011 in ihrem Gollwitzer Elternhaus verursacht zu haben.

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Torsten Jankwitz und Jeanett Gusche sind die Eltern der kleinen Charlotte, deren Bild der Vater mit ins Gericht gebracht hatte.

Quelle: Jürgen Lauterbach

Brandenburg an der Havel. Sechs Jahre warten und dann ist plötzlich alles vorbei. Ohne in die Beweisaufnahme einzutreten, stellte das Amtsgericht in Brandenburg an der Havel am Donnerstag das Verfahren gegen zwei Heizungsmonteure ein. Die Staatsanwaltschaft Potsdam hatte beide angeklagt, durch fehlerhaftes Arbeiten den Erstickungstod der kleinen Charlotte in ihrem Gollwitzer Elternhaus verursacht zu haben.

Fassungslos haben die Eltern und anderen Angehörigen am Donnerstagmorgen im Amtsgericht Brandenburg an der Havel das unerwartet rasche Ende eines Verfahrens miterlebt, das sich seit den ersten Polizeiermittlungen über mehr als sechs Jahre hingezogen hatte. Es ging um den Vorwurf der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung.

Charlotte Jankwitz, damals drei Jahre alt, schlief in der Nacht des 19. Februar 2011, als sie im Haus Schlossallee 119 im Brandenburger Ortsteil Gollwitz eine tödliche Kohlenmonoxidvergiftung erlitt. Nur mit Glück überlebten vier weitere Bewohner das Unglück.

Ursache der tödlichen Katastrophe war eine falsch verbaute Heizungsanlage, wie sich aus den Fachgutachten ergibt. Daher standen zwei langjährige Mitarbeiter einer Heizungsbaufirma aus Magdeburg als Angeklagte vor Gericht.

Doch gleich nach der Verlesung der Anklage mussten die Angehörigen und die Zeugen den Gerichtssaal wieder verlassen, damit ein so genanntes Rechtsgespräch stattfinden konnte. Amtsrichterin Karin Eichmann-Hoormann regte hinter verschlossenen Türen an, das Strafverfahren gegen die angeklagten Heizungsmonteure einzustellen.

Deren Verteidiger und der Staatsanwalt stimmten diesem Vorgehen zu, so dass kurzer Prozess gemacht wurde. Die beiden Heizungsbauer, die die Tatvorwürfe bestritten haben, erklärten sich dem Gericht gegenüber bereit, im Gegenzug für die Verfahrenseinstellung jeweils 2000 Euro an die hinterbliebenen Eltern von Charlotte zu zahlen. „Ein Kinderleben ist also 2000 Euro wert“, kommentierte Charlottes Vater Torsten Jankwitz den Ausgang des Prozesses.

Unter aller Kanone, so bewertet der Vater das ganze Verfahren, in dem er wiederholt versucht hatte, die Verantwortung des Schornsteinfegermeisters deutlich zu machen, der die Anlage im 2009 neu gebauten Einfamilienhaus als einwandfrei abgenommen hatte. Die Staatsanwaltschaft Potsdam hatte die Ermittlungen gegen den Schornsteinfeger im Jahr 2014 aber eingestellt.

Dass beim Einbau der Heizungsanlage gleichwohl gepfuscht wurde, ist kaum noch zu bestreiten. Nach dem Erstgutachter kommt auch der zweite Sachverständige, Professor Ulrich Busweiler aus Darmstadt, zu dem haarsträubenden Befund: „Die Kohlenmonoxidvergiftung der Nacht vom 18. zum 19. Februar 2011 wurde durch das fehlerhaft installierte Abgasrohr der Gastherme verursacht.“ Durch die fehlerhafte Installation habe sich ein Teil des Abgasrohres gelöst. Bei der Verbrennung in der Gastherme bildete sich Kohlenmonoxid, das der damals herrschende Ostwind vom Drempel über den Hauswirtschaftsraum in die Wohn- und Schlafräume trieb. Das Gift erreichte Charlottes Bett und erstickte das Kind.

So klar der Sachverhalt im Nachhinein erscheint, so unklar bleibt, wer welche Fehler gemacht hat. Die Juristen sahen sich jedenfalls außerstande, den Angeklagten Schuld nachzuweisen. Die Eltern hatten als Nebenkläger nicht das Recht, die Verfahrenseinstellung zu verhindern. Somit bleibt die menschliche Tragödie juristisch unaufgeklärt, der Tod des Mädchens ungesühnt.

„Sehr ernüchternd“, nennt Jeanett Gusche als Mutter den Verlauf des Vormittags im Gericht. Charlottes Onkel Klaus-Peter Jankwitz spricht von einer „Farce“. Er findet es unangemessen, die ganze Familie all die Jahre in einem ständigen Spannungsfeld zu belassen statt aufzuklären, was sich als Sachlage klar herausgestellt habe.

Von Jürgen Lauterbach

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