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Der Tod kommt in Alleen

Seit 2010: 59 Opfer bei Baumunfällen in Mittelmark/Havelland Der Tod kommt in Alleen

Im Land Brandenburg starben in den letzten 20 Jahren 3180 Menschen bei Baumunfällen in Alleen. In den letzten fünf Jahren kamen in Potsdam-Mittelmark 24 Menschen bei solchen Unfällen ums Leben, im Havelland endete seit 2010 für 32 Menschen ein solcher Unfall in Alleen tödlich. Unterdessen fordern die Bündnisgrünen im Land eine Aufforstung der Alleen. Zurecht?

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Allee in Potsdam-Mittelmark: In der Region gibt es unzählige von Bäumen gesäumte Straßen.

Quelle: B. Gartenschläger

Brandenburg an der Havel. Allein voriges Jahr starben im Havelland zehn Menschen, als ihre Autos an Bäume prallten. Das sind so viele wie seit 2010 in keinem Jahr zuvor. Unterdessen fordern die Bündnisgrünen im Land eine Aufforstung der Alleen.

Michael Jungclaus, verkehrspolitischer Sprecher der Landtagsfraktion, kritisiert das „magere Ergebnis bei Alleenachpflanzungen“. Brandenburg habe sein Ziel, pro Jahr 30 Kilometer Alleen an Bundes- und Landesstraßen nachzupflanzen, 2014 weit verfehlt. Nur 5,1 Kilometer Alleebäume wurden nachgepflanzt. Jungclaus spricht von einer „klaffenden Lücke“.

Angelika Mitschka, Sprecherin des Landesbetriebes für Straßenwesen (LS), verteidigt das: „Wir haben ein großes Problem jedes Jahr, dieses Ziel zu erreichen.“ Es müssten passende Alleeabschnitte gefunden werden. „Es muss ein Sicherheitsabstand von 4,50 Metern eingehalten werden zur Fahrbahnkante. Wir müssen deswegen Land dazu kaufen.“ Das gestalte sich häufig schwierig. „Der Grunderwerb darf nicht zu teuer sein.“

Unfallforscher gegen Aufforstung

Eine im Sprachgebrauch der Verkehrsexperten „abgängige Allee“ ist die entlang der Bundesstraße 1 zwischen Schmerzke und Paterdamm. Mehr und mehr Bäume werden dort gefällt, „weil sie ihr Alter erreicht haben“, sagt Frank Schmidt, LS-Dezernatsleiter für Planung. Im Zuge des geplanten dreispurigen Ausbaus der Straße werden zudem weit über 20 der Eichen und Ahornbäume der Säge zum Opfer fallen. Neupflanzungen sind nicht geplant. „Die Allee wird es so nicht mehr geben“, sagt Schmidt.

Für Siegfried Brockmann ist das eine gute Nachricht. Der leitende Unfallforscher der Versicherer (UDV) sagt, „Neuanpflanzungen: No!“ Jeder Verkehrsexperte sei grundsätzlich gegen Neuanpflanzungen von Alleebäumen. „Ohne ein Hindernis verdoppeln sich die Überlebenschancen der Insassen bei einem Autounfall.“ Neuanpflanzungen seien aus Sicht von Verkehrsexperten nur mit einer Schutzplanke davor statthaft. Schon bei einem Aufprall gegen einen Baum von acht Zentimeter Durchmesser sei dieser hart genug, um tödliche Verletzungen der Autoinsassen zu verursachen. „Ein solcher Anblick ist furchtbar.“ Auch ein Abstand von 4,50 Metern sei kein wirksamer Schutz.

Brandenburg war trauriger Spitzenreiter

Brockmann lobt indes die jahrelangen Anstrengung der Landesregierung, die Zahl der tödlichen Alleeunfälle zu senken. Starben 1995 noch 409 Menschen im Land Brandenburg bei einem solchen Unfall, waren es 2014 nur noch 54 Männer, Frauen und Kinder. „Brandenburg war anfangs trauriger Spitzenreiter im Bundesvergleich. Diese Rolle gibt es langsam ab. Jetzt kommen West-Länder wie Niedersachsen und schauen, wie Brandenburg seine Unfallzahlen so gesenkt hat.“

Seit 1998 gilt auf Alleen im Land Brandenburg Tempo 80. Das führte annähernd zu einer Halbierung der Todeszahlen. Die Reaktionszeit verlängerte sich, Autofahrer kamen seltener von der Fahrbahn ab durch das etwas weniger schnelles Fahren.

Zuletzt erließ das Land die Tempo-70-Regelung an Unfall-Schwerpunkten an Alleen. „Die Aufprallenergie des Fahrzeugs kann durch eine Tempobeschränkung von 100 Stundenkilometer auf 70 um bis zu 50 Prozent reduziert werden“, sagt Susann Fischer, stellvertretende Sprecherin des Innenministeriums. Es sei noch zu früh für eine Auswertung der neuen Tempo-Regelung, aber es deute sich an, „dass die Zahl der bei Baumunfällen getöteten Menschen weiter sinkt“. Pralle ein Auto seitlich gegen einen Baum, sei schon Tempo 50 tödlich wegen der fehlenden Knautschfläche, sagt Brockmann, aber generell lobt er die Tempo- 70-Regelung.

Schon Tempo 50 kann tödlich sein

In diesem Jahr werden nach Angaben des Infrastruktur-Ministeriums entlang der Bundesstraße 102 rund 450 Meter einer Allee zwischen Rhinow und Altgarz aufgeforstet. Auf 600 Metern werden entlang der B107 zwischen Rottstock und Görzke Bäume gepflanzt und auf 355 Metern zwischen Brück und Gömnigk entlang der B246. Das teilte Ministeriumssprecher Steffen Streu mit.

Entlang von Land- und Bundesstraßen innerhalb der Stadt Brandenburg fiel kein Alleebaum und wurde keiner gepflanzt. In Potsdam-Mittelmark wurden 780 Meter neu gepflanzt und im Havelland 1730 Meter.

Von Marion von Imhoff

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