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Der Weinmeister von der Sandschelle

Erste Lese in Radewege Der Weinmeister von der Sandschelle

Es sind 33 Stufen auf den Weg zur Sonne. Joachim Gaentikow (68) steht am Fuße einer Treppe, die einen Hang hinaufführt und dabei fünfeinhalb Höhenmeter überwindet. Zu beiden Seiten des Weges hat der Radeweger durch Mauerwerk abgestützte Terrassen in die schiefe Ebene gegraben und mit Rebstöcken bepflanzt. „Das ist mein Weinberg“, sagt Gaentikow stolz

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Die Rebstöcke auf der Radeweger Sandschelle hängen voller Trauben. In wenigen Tagen beginnt die Weinlese.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Radewege. Es sind 33 Stufen auf den Weg zur Sonne. Joachim Gaentikow (68) steht am Fuße einer Treppe, die einen Hang in bester Südlage hinaufführt und dabei fünfeinhalb Höhenmeter überwindet. Zu beiden Seiten des Weges hat der Radeweger durch Mauerwerk abgestützte Terrassen in die schiefe Ebene gegraben und mit Rebstöcken bepflanzt. Ohne Zweifel eine Schufterei. Oberhalb des Schmiedeweges befand sich früher die Sandschelle, wo sich die Leute aus dem Dorf mit feinem Kies versorgten. „Seit ein paar Jahren ist das mein Weinberg“, sagt Gaentikow stolz.

In Werder abgeschaut

Der Weinanbau ist Joachim Gaentikow nicht in den Schoß gefallen. Vor über zehn Jahren pflanzte er die ersten Rebstöcke auf seinem Grundstück.

Praktische Kenntnisse erwarb der Radeweger bei Winzer Manfred Lindicke in Werder. Seinen allerersten Wein kelterte er vor zwei Jahren. Inzwischen ist Gaentikow Mitglied im Werderaner Weinbauverein.

Vielleicht noch zwei Wochen. Dann wird der Hobby-Weinmeister seinen ersten großen Jahrgang produzieren. Bisher war das Wetter den Rebstöcken gewogen. Weder die Maifröste noch die Sommerhitze konnten den roten Sorten Regent und Baccolo Noir etwas anhaben. Ihre Früchte werden etwa zur selben Zeit reif. Zusammen ergeben sie als Cuvée Gaentikows „Märkischen Landwein Trocken“ Auch die weiße Sorte Saphira ist gut übers Jahr gekommen. Ihr Ertrag bleibt dem ersten Produkt der Weinlese vorbehalten. Saphira wird zum Federweißer. Aber so weit ist es noch nicht. Zunächst gilt es, den optimalen Zeitpunkt für die Lese abzupassen, bevor sich Wespen und Stare über die vollen Trauben hermachen.

Süß müssen die Trauben sein

Die dunklen Früchte sollten so süß wie möglich sein. Der Winzer von der Sandschelle prüft regelmäßig ihren Saft mit einem zigarrenförmigen Werkzeug – dem Refraktometer. Gaentikow hält das mit wenigen Tropfen gespickte Gerät in die Sonne und liest den Zuckergehalt ab. Noch sind es weniger als 80 Oechsle, wie es in der Fachsprache heißt. „Bei knapp 70 Oechsle geht noch was. Ich schätze in zehn Tagen ist es soweit“, meint der Radeweger, der 2013 seinen ersten Wein kelterte. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre Dauerregen der größte Feind der Trauben. Sie könnten faulen. Doch danach sieht es derzeit nicht aus.Warum der Wein auf Gaentikows Grundstück so prächtig gedeiht, hat offenbar mit den Standortbedingungen zu tun.

Mit dem Refraktometer prüft Joachim Gaentikow  den Zuckergehalt der Trauben

Mit dem Refraktometer prüft Joachim Gaentikow den Zuckergehalt der Trauben.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Ganz entscheidend ist dabei die nach Süden ausgerichtete Hanglage. Den ganzen Tag über wird die Anlage von der Sonne verwöhnt. Außerdem kommen die Rebstöcke gut mit dem vom Beetzsee geprägten Mikroklima und dem lehmig-sandigen Boden zurecht. Ihre tief reichenden Wurzeln brauchen keine künstliche Bewässerung. Zur Nährstoffversorgung düngt Gaentikow mit Dolomitkalk und Kuhmist. Im zeitigen Frühjahr, wenn sich die Weinblätter beginnen zu entfalten, ist ein Schwefelpräparat gegen die gefürchteten Pockenmilben erlaubt. Die Schädlinge würden das Blattwerk aussaugen und gelb werden lassen.

Rund 80 Flaschen Wein

Geht alles gut, rechnet der Freizeit-Winzer am Ende mit rund 60 Liter Rotwein. Damit lassen sich etwa 80 Flaschen für den privaten Gebrauch füllen. Zu erkennen an dem vom bekannten Zeichner Paul Pribbernow entworfenen Etikett „Sandschelle“. Auch die Verarbeitung der Trauben nach der Lese übernimmt Gaentikow in Eigenregie. Im sogenannten Entrapper werden die Trauben von ihren Stängeln befreit, und danach unter Zusatz von Hefe zum Gären gebracht. Nach der Pressung nimmt ein Eichenfass das rote Gold auf, das im nächsten Sommer in Flaschen abgefüllt wird. Erst dann kann sich Gaentikow ganz sicher sein, dass der 2015er-Sandschelle ein guter Jahrgang ist.

Von Frank Bürstenbinder

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