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Der Zoff im Theater geht weiter

Brandenburg an der Havel Der Zoff im Theater geht weiter

Kein Frieden in Sicht am Brandenburger Theater: Die Künstlerische Leiterin Katja Lebelt hat vor dem Bühnenschiedsgericht Recht bekommen, sie will sogar einen Trennungsvorschlag annehmen. Auch ihr Gegenpart, der Geschäftsführer Klaus Deschner. Das verhindert der Aufsichtsrat: So reich sei das Theaterhaus auch nicht für eine teure Trennung.

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Da geht es zur Sache: Szene aus der Aufführung „Die Räuber“ vom Brandenburger Jugendtheater.

Quelle: Rüdiger Böhme

Brandenburg/H. Vor dem Bühnenschiedsgericht in Berlin trafen sich jetzt die Rechtsvertreter von Katja Lebelt, künstlerische Leiterin des Theaters, und die der Theater GmbH, weil dort die seit Monaten erkrankte Lebelt gegen Abmahnungen Deschners geklagt hatte. Vereinfacht gesagt, hatte der Theatergeschäftsführer Klaus Deschner (72) Lebelt abgemahnt, weil sie sich direkt an den Aufsichtsrat gewandt hatte.

Die künstlerische Leiterin verlieh per Brief ihrer Sorge Ausdruck, dass der im Vorjahr überraschend für zwei Jahre zum Geschäftsführer bestellte frühere Kämmerer Klaus Deschner (SPD) das in finanzielle Nöte geratene Haus in Richtung „Stadthallenbetrieb mit kommerziell erfolgreichen Gastspielen bei denen der künstlerische Anspruch eher nebensächlich sei“, entwickeln wolle. Die Stadt als Gesellschafter und der Theateraufsichtsrat hatten Lebelt erst ein Jahr zuvor für fünf Jahre als neue Chefin geholt, um dem Haus endlich wieder mehr Kunst zu verordnen.

Geld hatte Lebelt aber noch gar nicht ausgegeben, die Schieflage des Brandenburger Theaters war in der Vergangenheit verursacht worden. Nun ist Deschner durch und durch Finanzmann. Sein Ziel, die Rettung der Theater-GmbH, war ein anderes als der Anspruch Lebelts. Sie hatte zum Jahresende 2016 erfolgreiche Produktionen für wenig Geld auf die Bühne gebracht und vorsichtig begonnen, neue Strukturen aufzubauen.

Der Konflikt mit Deschner eskalierte dennoch. Lebelt bekam Unterstützung aus dem Aufsichtsrat, der Deschners Umgang mit Lebelt als „Mobbing“ bezeichnete und als groben Unfug. Aber Deschner blieb und bleibt eisern. Er habe sich „korrekt verhalten“ und war um Ausgleich bemüht, sagte der aus dem Ruhestand reaktivierte Manager jetzt.

Lebelt sah und sieht das anders, wie ein Schreiben an den Aufsichtsrat zeigt: Alle Versuche, zur vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Deschner zurück zu finden, hätten „keine Früchte getragen“. Sie empfinde „das Verhältnis leider als tief und unwiderruflich zerrüttet“.

Zu diesem Schluss schien nach der Beratung auch das Bühnenschiedsgericht zu kommen, das man mit einem Arbeitsgericht für die Kunst vergleichen kann.

Da die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses offenkundig nicht in Betracht komme, schlug das Gericht als Vergleich vor, das Theater solle ein Jahresgehalt von 60 000 Euro an Lebelt überweisen und dann solle man sich trennen. Dem Vernehmen nach gab Lebelt entnervt auf und stimmte dem Vergleich zu. Und auch Deschner unterbreitete dem Theateraufsichtsrat am Dienstag bei einer Sondersitzung den Vorschlag, das Geld zu bezahlen. Doch der Theateraufsichtsrat dachte gar nicht daran.

Nachdem man Deschner vor die Tür geschickt hatte, wurde hinter verschlossenen Türen Klartext geredet. Wenn das Haus sich finanziell in derart desolatem Zustand befinde, wie es Deschner sage, dann habe man auch nicht das Geld, Lebelt zu Lasten des Programmetats auszuzahlen. Dass der Aufsichtsrat im übrigen Deschners Art und Weise im Umgang mit Lebelt ablehne, wurde erneut klar.

Am Ende stand einstimmig fest: Der Aufsichtsrat stimmt der Zahlung nicht zu. Deschner soll eine andere Lösung finden. Aber nicht durch Reduzieren oder Vergrößern der Abfindungssumme. Aufsichtsratschef Wolfgang Erlebach bedauerte am Donnerstag gegenüber der MAZ die jetzt eingetretene Situation. Ausdrücklich stärkte er Lebelt den Rücken, als er „ihre guten Ansätze zur Profilierung“ des Theaters lobte und hoffte, dass „die begonnene Arbeit fortgesetzt wird.“ Wie das passieren soll, ist offen. Es gibt innerhalb des Gremiums auch die Überlegung, nun bereits eine Nachfolgelösung anzuschieben.

Sollte Lebelt entnervt kündigen und Deschners Vertrag im kommenden Jahr auslaufen, wäre Platz für ein neues Team an der Theaterspitze. Wobei offen ist, ob man ein Team braucht. Sollte man aus der GmbH wieder einen städtischen Eigenbetrieb machen, würde ein Intendant an der Theaterspitze genügen. Das könnte auch eine Lösung sein, die Deschner bevorzugt, wie er einräumt.

Er werde, so Deschner, Lebelt jetzt auffordern, wieder zur Arbeit zu kommen. Dann werde man weiter sehen. Für die kommende Spielzeit stehe der Spielplan bereits – auch ohne die Mitarbeit von Lebelt, so Deschner.

Von Benno Rougk

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