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Der enttarnte Weihnachtsmann

Brandenburg an der Havel Der enttarnte Weihnachtsmann

Vorsichtig vor aufmerksamen Kindern: Das freundliche Lächeln hat den Mann mit dem Rauschebart verraten. Eine Erinnerung aus Brandenburg an der Havel an das Weihnachtsfest 1944 und Großvaters glänzendes Gold.

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Weihnachtszeit im Kriegsjahr 1942: Schlittenpartie am Huck in der Brandenburger Altstadt

Quelle: Bärbel Engler

Brandenburg/H. Ich war damals vier Jahre alt und wir wohnten in der Fouquéstraße in Brandenburg an der Havel. In der Wohnung lebte ich mit meiner drei Jahre älteren Schwester, meiner Mutter und den Großeltern. Vater war noch im Krieg und es war eine schwere Zeit.

Die Vorweihnachtszeit erkannte man an dem Versuch meiner Mutter, uns für das Plätzchenbacken zu begeistern. Dann war es endlich Heiligabend. Der Baum wurde gemeinsam mit Mutter, Großmutter und meiner Schwester geschmückt. Ein paar silberne Kugeln und viel Lametta gaben dem Baum den nötigen Glanz und sorgten für die weihnachtliche Atmosphäre. Damals erleuchteten noch richtige Kerzen den Baum, auch wenn sie immer nur für die kurze Zeit während der Bescherung angezündet wurden. Ihr Lichtschein spiegelte sich in den Kugeln und dem silbernen Lametta.

Mit Mantel, Kapuze und Rauschebart

Als der Baum in vollem Licht erstrahlte und ich und meine Schwestern minutenlang auf die Lichter starrten, klopfte es. Der Weihnachtsmann war da. Mit Mantel, Kapuze und Rauschebart ertönte ein tiefes „ho, ho, ho“. Eigentlich mussten immer die älteren Geschwister ihr Gedicht zuerst aufsagen, doch wo war nur meine Schwester? Sie hatte sich ängstlich hinter der Großmutter versteckt. So kam ich in den ungewollten „Genuss“, mein Gedicht als Erste aufsagen zu müssen.

Wochenlang waren die Gedichte von meiner Mutter abgefragt worden, bis wir sie auch wirklich auswendig konnten. Ich wusste nicht, warum meine Schwester vor dem lieben Weihnachtsmann so viel Angst hatte. Nachdem ich brav mein Gedicht aufgesagt hatte, lächelte der Weihnachtsmann und lobte mich.

Ich stellte den Weihnachtsmann zur Rede

In diesem Augenblick wurde ich doch recht misstrauisch, denn der Weihnachtsmann hatte an genau der gleichen Stelle wie mein Großvater vergoldete Zähne, die mir bei seinem Lächeln entgegenblitzten. Mit voller Überzeugung stellte ich den vermeintlichen Weihnachtsmann zur Rede und sagte: „Weihnachtsmann, du bist ja mein Großvater!“

Sekundenlang herrschte Stille im Raum. Mutter und Großmutter verkniffen es sich laut loszulachen. Der Weihnachtsmann war wohl etwas geschockt. Er brabbelte etwas von „wenig Zeit“ und „andere Kinder, die auf mich warten“ und verließ die Wohnung. Meine Schwester musste ihr Gedicht nun nicht mehr aufsagen.

Großmutter und Mutter schmunzelten noch des Öfteren

Mein Weihnachtsgeschenk, eine Holzeisenbahn mit Hänger, hatte der Weihnachtsmann dagelassen. Mit ein paar Süßigkeiten. Beim Spielen mit den Geschenken vergaßen wir das Erlebnis schnell. Nachdem Großvater wieder „aus dem Keller“ kam, sangen wir gemeinsam Weihnachtslieder. Großmutter und Mutter schmunzelten an diesem Abend noch des Öfteren.

Die Holzeisenbahn habe ich viele Jahre gepflegt, geachtet und geliebt. Ein schönes Geschenk vom Weihnachtsmann, oder?

Info: Die Geschichte ist der Weihnachts-Ausgabe der Heimatkundlichen Blätter entnommen. Das Heft des Arbeitskreises Stadtgeschichte hat 56 Seiten und kostet 4 Euro.

Von Bärbel Engler

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