Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Heimlicher Rekordhalter: Aleksandar Novakovic ist Sportler aus Leidenschaft
Lokales Brandenburg/Havel Heimlicher Rekordhalter: Aleksandar Novakovic ist Sportler aus Leidenschaft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:20 27.07.2018
Aleksandar Novakovic Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

Was ist schon normal, wenn man behindert ist?“ fragt Aleksandar Novakovic, wenn er nach seinem Lebenslauf gefragt wird. Dass der 47-Jährige mit nur einem Arm geboren wurde, scheint nur eine Randnotiz dieser alles anderen als normalen Lebensgeschichte zu sein. Nicht, dass diese Geschichte dadurch nicht weniger beeindruckend wird. Ganz im Gegenteil.

Integration, Inklusion, Inspiration

Der in Brandenburg an der Havel wohnende gebürtige Serbe überlebte nicht nur die Jugoslawienkriege, sondern feierte trotz seiner Einschränkung immense sportliche Erfolge. Aleksandars Leben ist eine Geschichte von Inklusion, Integration und vor allem eines – Inspiration.

Aleksandar Novakovic gewann 2013 mit der 2. Herrenmannschaft der Baskets Brandenburg die Landesligameisterschaft Quelle: Facebook

Aleksandar wurde im Dezember 1970 in Zrenjanin geboren, etwa 75 Kilometer nordwestlich der serbischen Hauptstadt Belgrad. „In eine ganz normale Kindheit“, sagt er.

Contergan am eigenen Leib erfahren

Dabei war Aleksandar eine der letzten Generation von Kindern, die die Nebenwirkungen des Beruhigungsmedikaments Contergan buchstäblich am eigenen Leib zu spüren bekamen. Das Medikament, welches unter anderem auch gegen die typische Übelkeit in der frühen Schwangerschaftsphase half, wurde von 1957 bis 61 vertrieben und aufgrund von möglichen Nebenwirkungen auf das Nervensystem ab dem 1. August 1961 rezeptpflichtig.

In der Folge kam es zu einer Häufung von schweren Fehlbildungen oder gar dem Fehlen von Gliedmaßen und Organen bei Neugeborenen, bevor der Zusammenhang zwischen Contergan und Fehlbildungen erkannt und das Medikament vom Hersteller vom Markt genommen wurde. Weltweit etwa 5000 bis 10.000 geschädigte Kinder kamen auf die Welt.

Er ging seinen Weg

Erst als Spieler, dann als Trainer: Aleksandar Novakovic ist Basketballer aus Leidenschaft. Quelle: Facebook

Doch Aleksandar ging seinen Weg. Er besuchte die Schule und schloss das Fachabitur als Fachverkäufer für Nahrungsmittel in Serbien ab. Seine wahre Liebe hatte er da jedoch bereits gefunden: „Ich habe schon immer Sport gemacht“, so Aleksandar.

Als Schwimmer schaffte er gar die Qualifikation für die Paralympischen Spiele 1992 in Barcelona. Und brach dabei im Training in Belgrad die bestehenden Rekorde für 50 Meter Brustschwimmen und 50 Meter Kraulen. „Die Rekorde wurden jedoch nie anerkannt“, sagt der Sportler, „denn diese müssen bei einer offiziellen Veranstaltung geschehen, oder unter Aufsicht eines Offiziellen.“ Der Schwimmer war somit bestens vorbereitet auf die Spiele in Barcelona. Doch es sollte alles anders kommen.

Die Schrecken des Balkan-Krieges erlebt

Nach dem Zerfall der Sowjetunion wendeten sich in Osteuropa mehrere Staaten von ihrem kommunistischen Staatssystem ab. Es kam zu einer Reihe von Konflikten. Serbien als Teilrepublik Jugoslawiens wollte die jugoslawische Aufteilung durch Unabhängigkeitsbestrebungen der anderen Teilrepubliken wie Slowenien, Kroatien und Bosnien/Herzegowina gewaltsam verhindern – es folgten der Kroatienkrieg zwischen 1991 und 1995 sowie der Bosnienkrieg zwischen 1992 und 1995.

Inoffizieller Rekord bei den Vorbereitungen auf die Paralympics

Damit waren nicht nur Aleksandars Träume von der Teilnahme bei den Paralympischen Spielen in Barcelona begraben, auch seine Familie wurde Opfer des Krieges. Der Vater fiel als Reservist 1992 im Kampf gegen Kroatien. Ansonsten möchte Aleksandar nicht über diese Zeit sprechen. „Man kann Krieg nicht beschreiben“, sagt er. „Ein Wort trifft es jedoch ganz gut: Angst“. Noch immer verfolgen ihn die Bilder in seinen Träumen, schließlich könne „man nicht alles wegdrücken“.

Schwimmen und Basketball als Hobbys

Trost fand er beim Sport. Neben der Schwimmerei interessierte sich der großgewachsene Mann schon immer für den Basketball. Und spielte sogar in der Zweiten Serbischen Basketballliga. Mit nur einem Arm gegen nicht eingeschränkte Profis. „Das war super, in die Gesichter der Gegenspieler zu gucken, wenn ich gegen sie punktete“, schmunzelt Aleksandar.

Dann der erneute Rückschlag: bei einem Sportunfall brach er sich 1996 den Ellenbogen an sechs Stellen. Somit war die Zeit im aktiven Profisport ein für allemal vorbei. Der Zweiten Serbischen Liga blieb er trotzdem treu: insgesamt drei Jahre trainierte Aleksandar hier eine Frauenbasketballmannschaft.

Gegen Serben-Präsident Milosevic protestiert

Doch nicht nur im Sport zeigte sich Aleksandar aktiv. Politisch engagierte er sich beispielsweise gegen den damaligen jugoslawischen Staatspräsidenten Slobodan Milosevic. Dieser wurde 1999 als erstes Staatsoberhaupt noch während seiner Amtsausübung von einem Kriegsverbrechertribunal wegen Völkermordes angeklagt und trat wegen der Massendemonstrationen 2000 zurück.

Milosevic starb noch vor Abschluss seines Prozesses vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag 2006. „Entweder war man für ihn, oder gegen ihn“, sagt Aleksandar. „Doch war man gegen ihn, konnte das schlimme Folgen haben.“

Polizisten haben die Wohnung durchsucht

So drangen Polizisten eines Nachts in seine Wohnung ein, durchsuchten diese und zertrümmerten die Einrichtung. Das war der Zeitpunkt, an dem sich der Mann, dem seine Heimat so viel gegeben, aber auch soviel genommen hatte, entschied, Serbien zu verlassen.

Im Jahr 2000 stellte Aleksandar einen Antrag auf Bleiberecht in Deutschland und landete in einem Asylbewerberheim in Brandenburg an der Havel.

Es dauerte jedoch nicht lange, und das orangene Leder hatte ihn wieder. Auf einem Basketballplatz im Stadtteil Hohenstücken traf er eines Nachmittags zwei Spieler der Baskets Brandenburg, dem Basketballverein der Havelstadt.

Trainer in mehreren Positionen

Nach unzähligen geworfenen Bällen und etlichen Gesprächen stieg Aleksandar dann in der Saison 2004/05 direkt als Trainer in den Verein ein, und leitetet nicht nur die U16- und U18-Mannschaft, sondern auch das Team der ersten und zweiten Herren. 2005 dann die erfreuliche Nachricht: die Aufenthaltsgenehmigung im Ausnahmefall für besonderes Engagement wurde mit sofortiger Wirkung bewilligt. Aleksandar war angekommen.

Arbeit als Verkäufer im Sportgeschäft

Seit vorigem Jahr ist Aleksandar Verantwortlicher der Schuhabteilung in einem Sportgeschäft am Neustädtischen Markt. Er verkauft, natürlich, auch Basketballschuhe. „Was sonst?“, sagt er lachend. „An einem Leben ohne Sport würde ich kaputt gehen.“

Er fühlt sich mittlerweile als Brandenburger. „Hier kann ich aus meiner Wohnung kommen, und bin direkt am Wasser.“ Seine Heimat hat Aleksandar jedoch nie vergessen. Mindestens zweimal im Jahr fliegt er nach Serbien, um seine Mutter zu besuchen. Diese wohnt immer noch in seinem Geburtshaus. „Wenn sie weiß, dass ich komme, setzt sich Mama solange auf die Veranda, bis ich endlich da bin.“

Aufstellen einer Seniorenmannschaft der Baskets Brandenburg geplant

Nach diesem bisher so aufregenden Leben sind die Wünsche für die Zukunft etwas bescheidener. Aleksandar hofft, dass er noch bis ins Rentenalter seinen jetzigen Beruf ausüben kann. Um danach weiter Jugendmannschaften im Basketball zu trainieren. Außerdem sei eine Seniorenmannschaft bei den Baskets Brandenburg in Aussicht. „Mit meinen fast 50 Jahren bin ich da selbstverständlich dabei!“, sagt der sympathische Sportler. Somit wird Aleksander wohl auch in Zukunft noch viele seiner Gegenspieler auf dem Parkett ins Staunen bringen.

Von Tobias Wagner

Es ist wieder angerichtet. An drei Tagen beherrschen die Fischer und ihre Freunde das Ortsbild in Plaue. Fischerjakobi heißt das Fest, das schon zum 22. Mal mit Musik, Tanz und Fisch gefeiert wird.

27.07.2018

Die Fotoausstellung bekommt nicht nur einen neuen Veranstaltungsort und ein neues Datum – Besucher der Ost-Cola-Party dürfen auch mit weiteren Überraschungen rechnen.

27.07.2018

Gollwitzer und Wuster sollten vor Ferienende aufs Auto umsteigen. Denn der Linienbus lässt sie danach links liegen. Er soll nach jüngsten Plänen nur noch sporadisch in den Dörfern halten. Dagegen regt sich Protest.

27.07.2018