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Der staubige Weg zum Hauptbahnhof

Sohlentöter und Rollenbremsen Der staubige Weg zum Hauptbahnhof

Bahnreisende sind stinksauer – und oft dreckig. Die Wege am Brandenburger Hauptbahnhof sind kaum zu benutzen. Taxifahrer beklagen darüber hinaus, dass sie inmitten der Baustelle nur sehr schwer zu finden sind.

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Mit Gewalt geht’s durch die Sandkuhle (links), die Kieselsteine bremsen die Kofferrollen.

Quelle: André Wirsing

Brandenburg an der Havel. Annelie Reuchsel weiß nicht genau, wie viele Paar Schuhe ihr am Bahnhof bereits kaputtgegangen sind. "Ich habe schon eine Schadensanzeige gegen die Stadt erwogen, vielleicht mache ich es noch." Die Frau aus der Bahnhofsvorstadt läuft jeden Morgen zum Zug, sie muss nach Berlin pendeln und ist es leid, mit dreckigen und zerkratzten Schuhen anzukommen. "Eine Fußpflege und ein paar neue Schuhe müssten schon drin sein", fügt sie sarkastisch hinzu. Viele Fahrgäste haben Schwierigkeiten mit ihren Rollkoffern, die kleinen Rollen sind für ebene Beläge ausgelegt, nicht aber für groben Kies.

Es geht den Betroffenen wie vielen anderen um den Fußweg zwischen Bundesstraße und den Gleisen sowie um die noch viel gefährlichere Strecke zum Taxenstand. Manfred Kramke ist Taxifahrer: "Vor lauter Staub und Dreck ist unser Stand nur schwer zu finden." Das bestätigt Kollege Florian Legde: "Viele Fahrgäste gehen über die Bundesstraße, finden uns in der Magistrale am Gesundheitszentrum nicht mehr und kommen schimpfend zurück." Das einzige kleine Hinweisschild wird übersehen, nachts sowieso. Die Fahrer dürften sich dann alle Kritik anhören. Der Brandenburger Karl-Heinz Abramowski wartet eine Viertelstunde am Bahnhof auf seinen Gast. "In dieser Zeit haben mich allein vier Leute nach dem Weg zum Taxistand gefragt, sie wollten nicht glauben, dass es hinter der Bauwüste Zivilisation gibt. Es ist echt unwirtlich hier."

Bernd Lehmann hat mit dem städtischen Tiefbauchef Peter Reck lange diskutiert: "Ich gebe doch keinen Platz frei, den die Leute nicht erreichen können. Wir Fahrer haben das Angebot gemacht, selber zu schippen und einen kurzen Übergang von den Gleisen zum Taxenstand vorzubereiten, da wäre provisorisch Bitumen aufgetragen worden und fertig!" Doch sei dies angeblich zu teuer gewesen, außerdem würden demnächst die Fahrradstellplätze gebaut. "Das dauert noch mindestens bis Ende August, bis dahin müssen erst einmal die ganzen Stützmauern errichtet werden."

Der neue Kurzzeitparkplatz und Taxistand werde durch die Baumaßnahmen zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen. "Der ganze Splitt fliegt hier rum. Ordnung und Sauberkeit stehen hintenan, sonst gäbe es nicht nur einen Papierkorb auf dem ganzen Platz", kritisiert Fahrer Rüdiger Woite. Früher gab es im Taxistand mal Besen und Schippe, da haben die Fahrer selbstständig mal gekehrt. Doch heute gibt es mehrheitlich Frust. "Die Borde an der Einfahrt zum Taxistand sind viel zu eng gesetzt, das sind Reifentöter für Großraumtaxen", moniert Lehmann.

Peter Reck vom Bauamt kennt die Beschwerden: "Als provisorische Befestigung ist ein Recyclingmaterial eingebaut worden. Dieser Bereich wird in den nächsten Wochen gleichlaufend mit dem Straßenbau und dem Bau der neuen Bushaltestelle vollkommen neu und grundhaft befestigt. Aufgrund der Trockenheit der letzten drei Wochen ist das Gefüge des Recyclingmaterials aufgewühlt." Am Dienstag hatten Bauleute auf sein Geheiß hin die Wege etwas geglättet und gewässert. Doch gestern herrschte wieder der alte ungeordnete Zustand. "Staub und Bauschutt sind nun mal Begleiter bei Baumaßnahmen."

Von André Wirsing

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