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Der umstrittene Tod

Experten debattieren in Lehnin über Sterbehilfe Der umstrittene Tod

In diesem Jahr startete das Evangelische Diakonissenhaus mit den „Lehniner Gesprächen“ eine Diskussionsreihe, die sich mit gesellschaftlichen Themen befasst. Zur zweiten Ausgabe, die am Dienstag für einen gut gefüllten Kapitelsaal in Lehnin sorgte, hatten sich die Veranstalter für das Thema Sterbebegleitung und Sterbehilfe entschieden.

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Notger Slenczka, Helmut Reichardt, Adelheid Vitenius und Moderator Martin Vogel.

Quelle: Ch. Lummert

Lehnin. Pfarrer Matthias Blume, der theologische Vorstand des Diakonissenhauses, verwies zum Einstieg in die Gesprächsrunde auf die Vorreiterrolle des Diakonissenhauses. „Die Palliativmedizin und die Hospizbewegung haben ihren Ursprung für das ganze Land Brandenburg hier in Lehnin“, erklärte Blume. Als Gesprächspartner saßen ihm Notger Slenczka, Professor für Theologie an der Humboldt-Universität, Helmut Reichardt, Leiter der Palliativstation der Lehniner Kliniken, und Pfarrerin Adelheid Vitenius, Krankenhausseelsorgerin in Lehnin, zur Seite.

Allgemeiner Tenor auf dem Podium war eine Mahnung zur Vorsicht. Die Möglichkeiten zur Sterbehilfe in Deutschland sollten nicht über das jetzt schon gestattete Maß hinausgehen. „Die direkte Sterbehilfe ist in Deutschland verboten, aber es gibt Möglichkeiten, den Willen eines Patienten umzusetzen, wenn zum Beispiel keine weitere Behandlung mehr gewünscht wird oder Verwandte eine passive Sterbehilfe leisten, indem sie Medikamente besorgen und dann straffrei bleiben, wenn der Angehörige mit diesen selbst sein Leben beendet“, erklärte der Theologe Notger Slenczka.

„Wenn aus diesem Wunsch eines Menschen nach Beendigung seines Leidens allerdings ein Geschäftsmodell wird, wie das von Organisationen wie Dignitas oder Exit bekannt ist, kann das nicht der richtige Weg sein“, sagte er.

Für Ärzte ist der Patientenwunsch nach Sterbehilfe offenbar besonders problematisch. „Durch unsere Ausbildung und durch unsere Standesordnung sind wir dazu verpflichtet, die Menschen am Leben zu halten und nicht aktiv zum Tod zu verhelfen“, sagte denn auch der Mediziner Helmut Reichardt. Als Leiter der Lehniner Palliativstation sehe er in der täglichen Arbeit, dass sich auch in der vermeintlich allerletzten Zeit vor dem Tod noch eine Heilung ergeben kann.

„Ich meine das besonders in Bezug auf Versöhnung oder das Auflösen persönlicher Konflikte, die bei einer vorschnellen Entscheidung vielleicht nicht mehr möglich gewesen wären“, erklärte er.

Von gleichen Erfahrungen berichtete auch Adelheid Vitenius. „Doch um so etwas möglich zu machen, müsste es noch viel mehr Palliativstationen und Hospize geben, denn schwerkranke Menschen haben große Ängste vor Schmerzen, Hilflosigkeit und dem Verlust ihrer Würde, wenn sie selbst nicht mehr helfen können, und in vielen Fällen kann Palliativmedizin dort helfen“, sagte Vitenius.

Von Christine Lummert

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