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Deschner: Im Blindflug durch das Theaterjahr

Brandenburger Theater Deschner: Im Blindflug durch das Theaterjahr

Wenn es geht, will er alle der 100 Mitarbeiter retten, die am Brandenburger Theater beschäftigt sind. Sagt Klaus Deschner, seit einigen Tagen Vorsitzender der Geschäftsleitung. Doch habe er vor Dienstantritt nicht gewusst, „wie dramatisch die Situation wirklich ist“, gibt der neue starke Mann am BT unumwunden zu. Der 72-Jährige steht vor einer Riesenaufgabe.

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Klaus Deschner

Quelle: Jacqueline Steiner

Brandenburg/H. „Wenn es geht, dann will ich gern alle der 100 Mitarbeiter retten, die am Brandenburger Theater beschäftigt sind,“ sagt Klaus Deschner (72), der seit einigen Tagen Vorsitzender der Geschäftsleitung des Brandenburger Theaters (BT) ist.

Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) hat den Sozialdemokraten, früheren Kämmerer und langjährigen Wobra-Chef aus dem Ruhestand geholt und ihm – wie damals mit der Wobra – einen notleidenden und von der Insolvenz bedrohten Stadtbetrieb übertragen. Tiemann traut Deschner. Und sie traut ihm zu, dass er „wieder Ordnung ins Theater bringt.“ Sie sei, wie sie sagt, „richtig stolz auf die Idee“, die ihr da mit Klaus Deschner gekommen sei.

Das hörend, lächelt Deschner gequält. Obwohl er bereits seit 14 Tagen im Theater arbeitet, hat er den Zweijahresvertrag noch nicht unterschrieben. Er falle - im übertragenen Sinn - von einer Ohnmacht in die andere. Es gäbe keine belastbare Zahlenbasis, die ihm eine Antwort auf die Frage gibt: „Wie viel Geld haben wir noch, was können wir uns leisten?“ Die Controllerin des BT ist seit über einem halben Jahr nicht mehr an Bord und der bisherige Geschäftsführer Jörg Heyne konnte weder im Aufsichtsrat noch beim städtischen Beteiligungsmanagement in den zurückliegenden Monaten deutlich machen, wo das Theater finanziell steht.

Sicher ist sich Deschner nur: Gelingt es ihm in den kommenden Monaten nicht, den Haustarifvertrag mit dem Orchester zu verlängern und fällt das Theater in den Flächentarif zurück, sieht er ohne zusätzliche Mittel keine Zukunft mehr für das Haus. Die Mehrkosten würden sich dann 2017 auf 390.000 Euro, 2018 auf 520.000 Euro und 2019 auf 800.000 Euro belaufen, so Deschner. „Ich will nicht zum Insolvenzgericht in meinem letzten Job als Geschäftsführer gehen müssen“, sagt Deschner. Er habe bereits Gespräch mit der Gewerkschaft und den Arbeitgebern vereinbart, um die Verhandlungen zum Haustarif aufzunehmen.

Sieben Millionen Euro umfasse der Etat für das BT, 5,7 Millionen davon fließen in Lohn und Gehalt. Wöchentlich unterzeichne er jetzt Rechnungen für 40.000 Euro. Summiere man das übers Jahr, wissen auch jemand, der nicht rechnen könne, wo das BT am Jahresende stehe. Aber: „Es gibt keine vorausschauende Planung. Wir bewegen uns im Blindflug durch das Theaterjahr.“

Bis zum September, so hat sich Deschner vorgenommen, will er Licht ins Dunkel der Theaterzahlen bringen. Dabei setze er auf eine ebenso gute Zusammenarbeit mit der künstlerischen Leiterin Katja Lebelt wie auf eine klare Trennung der Verantwortlichkeiten. „Die Kunst haftet nicht“, sagt Deschner, und: „Ich schon!“ Ihn wundere, so Deschner, ein wenig die Nonchalance mancher altgedienter Theaterleute, die so nach dem Motto: „Ach, das wird schon!“ in den Tag leben. Auch ohne Vollkostenkalkulation sei er sicher: Ohne Veränderungen am BT werde es nicht gehen. Deswegen sei mit Stellennachbesetzungen und zusätzlichen Ausgaben nicht zu rechnen, stimmt Deschner das BT auf harte Zeiten ein.

„Ich muss jetzt Sicherheit in die Zahlenbringen und sehen, was und wo wir kürzen, weil wir es sonst nicht schaffen. Ich wusste nicht, dass es so dramatisch ist“, sagt Theater-Geschäftsführer Klaus Deschner abschließend.

Von Benno Rougk

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