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Die Ästhetik der Sumpfkratzdistel

Wildblumen-Projekte in Brandenburg an der Havel Die Ästhetik der Sumpfkratzdistel

Wildblumen sind gut für die Artenvielfalt in Flora und Fauna, sie binden den Feinstaub und verbessern das Stadtklima. Zudem bieten sie einen einzigartigen Lern- und Erfahrungsraum für Kinder. Doch es gibt auch Kritiker, die an der Ästhetik zweifeln.

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Wilde Margeriten auf der Dominsel von Menschenhand gepflanzt.

Quelle: Andreas Ziemer

Brandenburg/H. Ein erfolgreiches Projekt zu Wildblumen im Stadtbild soll auch in diesem Jahr fortgeführt werden: 2013 startete der Hobbybiologe Andreas Ziemer mit der Kampagne, die alsbald unter die Fittiche des Nabu-Regionalverbandes genommen wurde.

Mittlerweile ist das Vorhaben so erfolgreich, dass der Naturschutzbund Deutschland ein Teil-Projekt auf seiner Internetseite „Bunte Meter für Deutschland“ würdigt: „Andreas Ziemer aus Brandenburg an der Havel meldete 3000 Meter: Auf einer öffentlichen Grünfläche befand sich intensiv gepflegter Landschaftsrasen (Mahd etwa sechsmal im Jahr). Nach der Ansaat von Regiosaatgut und der Pflanzung von Wildblumen sowie der Reduzierung der Mahd auf ein- bis zweimal im Jahr entsteht hier wieder ein Lebensraum für zahlreiche Tierarten. In diesem Jahr konnten bereits die ersten Stieglitze beobachtet werden. Eine Solitärbienenpopulation konnte ebenso nachgewiesen werden.“ Der Stieglitz ist der Vogel des Jahres. An der Wiese an der Packhof-/Hammerstraße gab es einen Arbeitseinsatz mit Anwohnern. Nachdem bereits 2014 die Pflege extensiviert und 2000 Wiesen-Salbei, Heide-Nelken, Kartäuser-Nelken, Wiesen-Margeriten und Wiesen-Flockenblumen gepflanzt wurden, kamen nun 250 Pechnelken hinzu.

Das Ganze sei kein Selbstzweck, sondern helfe beim Binden von Feinstaub, bei der Temperaturregulation und beim Beseitigen des so genannten Natur-Defizit-Syndroms – also dem Aussterben von Arten und Sorten, dem Wegbleiben von Tieren. „Unsere Wiesen sind auch keine geschützten Parkanlagen, sie sollen ausdrücklich betreten werden, damit beispielsweise Kinder die Natur bewusst erleben lernen und Bekanntschaft mit Schmetterlingen, Raupen und Bienen machen“, sagt Ziemer. Es sei auch nachgewiesen, dass die kognitiven (erkennen, erfahren) Fähigkeiten der Mädchen und Jungen viel besser ausgebildet werden in den „ungeordneten Strukturen der Natur“. So sollen in diesem Jahr auch Kontakte zu Schulen aufgebaut werden, erste Anfragen wurden bereits an die Curie- und an die Luckenberger Schule gestellt.

Zehn Kilogramm Regiosaatgut

Gestaltet wurden bislang 20 Projektflächen mit zwölf Projektpartnern.


Gepflanzt sind nunmehr 6500 gebietseigene Wildblumen.


Zudem sind zehn Kilogramm Regiosaatgut ausgesät.

Der Nabu-Regionalverband Brandenburg an der Havel hat zudem sechs Bäume mit alten Apfelsorten sowie andere regionale Gehölze gepflanzt.

Belohnt wurde dies unter anderem mit Einladungen des Bundesumweltministeriums und des Bundesamtes für Naturschutz zu einer Fachtagung.

Projektpartner sind unter anderem die Stadt, das Klinikum, das Domstift, die Fachhochschule, die Wobra, das Evangelische Gymnasium sowie die Vattenfall Umweltstiftung.

Erreicht werden soll unter anderem 2016, dass das Verwenden von Regiosaatgut und gebietseigenen Gehölzen im Stadtgebiet festgeschrieben und beispielsweise Bedingung bei Ausschreibungen und Vergaben wird.

Natürlich gebe es nicht nur Fans dieser ungeordneten Vielfalt, das beweist die im Vorjahr kurz aufgeflammte Diskussion um die Wildblumen am Hauptbahnhof.Deshalb hat der Freizeitbiologe eine interessante Statistik zusammengestellt – er vergleicht die Stadt mit den Parkanlagen von Sanssouci: Hier wird im April zum ersten Mal gemäht, dort Ende Juni, hier sechsmal im Jahr, dort zweimal. Der Anteil der Wildblumenwiesen in Brandenburg liegt bei unter einem Prozent, im Potsdamer Park bei 80 Prozent (das entspricht 80 Hektar). Beschwerden gab es hier im ganzen Jahr 2015 eine, dort drei.

Die Stadt lässt gerade bei den Grünanlagen der Freiherr-von-Thüngen-Straße eine Wildblumenwiese anlegen. Doch Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann sät auch Zweifel, spricht von „verkommenen Ecken“. Im MAZ-Gespräch relativiert sie ihre Aussage: „Wir müssen grundsätzlich überlegen, wo es hinpasst. Wenn es wie auf dem Mittelstreifen der August-Bebel-Streifen wild auswächst, sieht es tatsächlich ohne ein Mähen der Randbereiche verkommen aus.“ Ein guter Kompromiss sei beispielsweise die Ecke Potsdamer-/Berliner Straße, wo es mit einheimischen einjährigen Blumen eine schöne Farbenpracht gebe.

Von André Wirsing

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