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Die Amazon-Auslese der besten 250

Schlecht benotete Betriebsrätin vor Arbeitsgericht Die Amazon-Auslese der besten 250

Der Streit um die massenhafte Befristung von Arbeitsverträgen beim Versandhandelsriesen Amazon ist vor dem Arbeitsgericht Brandenburg in eine neue Phase getreten. Die erste Kammerverhandlung dazu fand am Donnerstag statt, ein Urteil gibt es allerdings noch nicht.

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Verdi und Linken-Politiker protestierten gestern vor dem Arbeitsgericht Brandenburg gegen die Personalpolitik der Firma Amazon.

Quelle: J. Lauterbach

Brandenburg an der Havel. Die Betriebsrätin Andrea W. (Name geändert), deren befristeter Vertrag im Dezember ausgelaufen war, klagt auf Weiterbeschäftigung oder zumindest einen erneuten befristeten Arbeitsvertrag.

Die Gesellschaft Amazon Logistik Potsdam hatte Andrea W. im November 2013 zum Start des neuen Standortes in Brieselang als Versandmitarbeiterin eingestellt. So wie 1035 weitere Beschäftigte wurde das Arbeitsverhältnis befristet und lief zum Jahresende 2014 aus. Nur etwa ein Viertel der gut 1000 Mitarbeiter wurde für sechs Monate weiter beschäftigt.

Seit dem Frühjahr 2014 engagierte sich Andrea W. für die Betriebsratsarbeit, zunächst im Wahlvorstand, vom 30. Juni an als freigestelltes gewähltes Mitglied. Vor dem Arbeitsgericht hieß es, dass ihr die Betriebsratsarbeit nun auf die Füße fällt, Amazon ihr wegen dieses Engagements keinen neuen Job angeboten hat. Dem widersprach vor Gericht der Personalchef. Laut Firmenleitung lief im Dezember ein Auswahlverfahren, die 250 Besten hätten Sechs-Monate-Verträge erhalten. Die Mitarbeiter seien mit Punkten und Noten bewertet worden.

In den Kategorien Qualität und Produktivität konnten sie je 80 Punkte (sehr gut), 40 Punkte (gut) oder null Punkte (Durchschnitt und Ungenügend) erreichen. Die Einsatzbereitschaft wurde je nachdem mit 60 Punkten (sehr gut), 30 Punkten (gut), 15 Punkten (Durchschnitt) und null Punkten (Ungenügend) gewürdigt.

Für das Verhalten gab es 60 Punkte (sehr gut), 45 Punkte (gut) und 30 Punkte (Durchschnitt). Die Betriebsrätin Andrea W. wurde vom Geschäftsführer persönlich beurteilt, mit negativem Ergebnis. Sie scheiterte allein schon deshalb, weil sie für ihr Verhalten ein Ungenügend bekam. Das war das automatische Aus.

Diese Beurteilung ist jedoch umstritten. Dass Amazon die Note Ungenügend unter anderem mit dem hochroten Kopf begründete, mit dem die Betriebsrätin einmal ins Personalbüro gekommen sei, überzeugte Arbeitsrichterin Heidi Müßig bisher ebenso wenig wie der Vorwurf, sie habe gegen die Parkordnung der Firma verstoßen.

Die Arbeitsgerichtskammer erwartet vor der Urteilsfindung im Oktober weitere Ausführungen von beiden Seiten. Andrea W. soll überzeugend darlegen, dass sie wirklich wegen ihrer Betriebsratstätigkeit keinen neuen Vertrag erhalten hat und dass sie besser zu bewerten ist. Die Firma Amazon muss die Anwendung ihrer Bewertungsskala genauer und plausibler erklären und nachweisen, dass der Betriebsrat wie behauptet rechtzeitig informiert wurde.

Von Jürgen Lauterbach

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