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Brandenburg/Havel Die Arithmetik der Liebe: Lesung im Brandenburger Theater über Dietrich und Remarque
Lokales Brandenburg/Havel Die Arithmetik der Liebe: Lesung im Brandenburger Theater über Dietrich und Remarque
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14:58 05.11.2018
 Lesung mit Barbara Schnitzler und Helmut Mooshammer. Quelle: JACQUELINE STEINER
Brandenburg/H

 Manchmal erlebt man Sternstunden im Theater, leider selten. Die Besucher der szenischen Lesung „Die Liebenden“ kamen Sonntagnachmittag in der Studiobühne in Brandenburg an der Havel in den Genuss einer solchen Sternstunde.

Fast zwei Stunden ohne Pause lasen Barbara Schnitzler und Helmut Mooshammer vom Deutschen Theater Berlin aus dem Briefwechsel zwischen Marlene Dietrich und dem Schriftsteller Erich Maria Remarque. Es war einfach wunderbar.

Die Liebe entflammte in Venedig

Die Liebesbeziehung zwischen den beiden Künstlern begann 1937 in Venedig und endete 1940. Doch sie blieben ihr Leben lang befreundet. Von Remarque sind 300 Briefe erhalten geblieben, von der Dietrich nur 20, alle anderen hat eine spätere Ehefrau Remarques aus Eifersucht zerstört.

Die Autorin Evelyn Dörr hat aus diesen Quellen das Lesemanuskript zusammengestellt. Ergänzend fügte sie Passagen aus Remarques Roman „L‘Arc de Triomphe“ hinzu, in dem diese Liebesbeziehung Thema war.

Als Remarque im September 1937 in Venedig an den Tisch trat, an dem Marlene Dietrich mit dem amerikanischen Regisseur Josef von Sternberg saß, funkte es augenblicklich zwischen den beiden. „Sternberg, das Regie-Genie, erkannte eine Liebesszene auf den ersten Blick und entfernte sich leise“, berichtete die Dietrich später von ihrer ersten Begegnung mit Remarque.

Remarque gesteht der Dietrich seine Impotenz

„Madame, ich bin impotent“, gesteht Remarque ihr noch in der gleichen Nacht, als sie durch Venedig spazieren. „Ach, wie wunderschön“, reagiert die Dietrich auf dieses Geständnis. „Das macht alles so leicht.“

Von Impotenz war bald nicht mehr die Rede, im Gegenteil. Remarque schreibt Marlene die schönsten Liebesbriefe und schwärmt von der Intensität ihrer Liebesfähigkeit: „Ihre Drehzahl liegt bei tausend Umdrehungen pro Minute“, doch bei ihm seien es nur hundert. Wenn er sie eine Stunde lang liebe, „liebt sie mich in sechs Minuten genauso intensiv.“

Eifersüchtig auf Marlenes Liebhaber

„Impotent bin ich auf gar keinen Fall mehr“, gesteht er sich im April 1938 ein. Aber damit ist es auch mit der Leichtigkeit in der Beziehung vorbei. Eifersucht treibt Remarque um, denn Marlene hat wechselnde Liebhaber, darunter auch eine amerikanische Millionärin.

Überschattet wird die Liebe des Paares von der politischen Situation in Europa. Remarques Bücher wurden in Deutschland verbrannt und der Schriftsteller als unerwünscht ausgebürgert.

Nach seiner Flucht ist Remarque in Amerika auf Marlenes Hilfe angewiesen, das ist ihm unerträglich. Per Autosuggestion distanziert er sich von ihr: „Lass sie los, los, los“.

Den Genuss dieser besonderen Lesung im Brandenburger Theater steigerte die Begleitung mit Klaviermusik noch erheblich. Mit den Texten verwoben spielte der Pianist Burkhard Niggemeier einige Medleys aus Filmen der Dietrich und von Titeln, die sie einst gesungen hat.

Von Ann Brünink

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