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Die Frau für die allerhöchste Not

30 Jahre Rettungsstelle Brandenburg Die Frau für die allerhöchste Not

30 Jahre in der Notaufnahme: Monika Müller hat alle Höhen und Tiefen als Krankenschwester des Klinikums Brandenburg hautnah miterlebt. Obwohl es meist stressig zugeht und oft genug dramatisch, bleibt in der Rettungsstelle gelegentlich sogar Zeit zum Lachen, berichtet die leitende Schwester, die seit dem Gründungstag dabei ist.

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Ralf Schneider kam mit Atemnot in die Notaufnahme. Monika Müller und ihre Kolleginnen haben ihn bestens versorgt.

Quelle: Maloszyk

Brndenburg an der Havel. 30 Jahre in der Notaufnahme: Monika Müller hat alle Höhen und Tiefen als Krankenschwester des Klinikums Brandenburg buchstäblich hautnah miterlebt. Obwohl es meist stressig zugeht und oft genug dramatisch, bleibt in der Rettungsstelle gelegentlich sogar die Zeit zum Lachen, berichtet die leitende Schwester, die seit dem 5. Oktober 1985, dem Gründungstag der Notaufnahme, dabei ist.

Gelacht hat sogar der Patient, der die Kellertreppe herunter gefallen war und dessen Hand – unten angekommen – ein Nagel aufspießte, an dem noch ein Brett hing. Mit Nagel und Brett im Finger stellte er sich in der Rettungsstelle des Klinikums vor, ein bizarrer Anblick. So wie Hunderttausende weiteren Patienten seit 1985 wurde auch diesem Mann geholfen. „Unsere Statistik reicht bis 1996 zurück, seither haben wir genau 566.433 Menschen in unserer Notaufnahme versorgt“, berichtet Schwester Monika.

Hunderttausende Patienten kamen und gingen

Inzwischen suchen Jahr für Jahr 37.000 Menschen Hilfe in der medizinischen Anlaufstelle der Stadt, durchschnittlich hundert am Tag. „Die Zahl allein sagt wenig aus“, versichert Monika Müller. „Wenn zehn Patienten nur ein Pflaster brauchen und drei uns ihre alten Zeckenbisse zeigen, dann kann das viel weniger aufwendig sein als ein einziger Patient, den zehn Ärzte und Schwestern auf einen Schlag versorgen müssen.“

Manchmal, so wie am 1. Oktober, will es der Zufall, dass drei schwerkranken Menschen genau gleichzeitig die Luft wegbleibt und sie schnellsten intensiv versorgt oder sogar ins Herzzentrum nach Berlin ausgeflogen werden müssen.

Das Team der Notaufnahme heute

Das Team der Notaufnahme heute.

Quelle: V. Maloszyk

„Stress und die Ungewissheit, wer im nächsten Moment in der Tür stehen könnte, müssen wir in unserem Beruf schon ertragen können“ erzählt die leitende Schwester, deren Brandenburger Klinikkarriere 1969 begann. Von der Intensiv- und Anästhesiestation wechselte sie in die zentrale Abteilung des Hauses, die nach ihrem Eindruck nicht überall die Wertschätzung erfährt, die sie verdient.

Gute Nerven sind gefragt

Gute Nerven sind immer gefragt, gerade weil jeder Patient sein eigenes Leiden als vorrangig ansieht und seinem Ärger über lange Wartezeiten schnell Luft macht. Oder wenn betrunkene junge Männer krakeelen und randalieren. Wenn deren Eltern dann auch noch Vorwürfe ans Personal richten.

Kritik an der Rettungsstelle, daran hat sich Monika Müller gewöhnt, ist verbreiteter als Lob. Dabei freuen sich die 23 Beschäftigten der Notaufnahme durchaus über ein lobendes Wort am Tresen oder in der Tageszeitung. Gerührt schaut Monika Müller auf eine Zeitungsanzeige, in der ein Brandenburger Paar dem ganzen Team seinen Dank ausspricht. Die Mutter hatte eine schwere innere Verletzung erlitten, dank schneller kompetenter Hilfe blieb sie am Leben.

Am Anfang war das Jugendkollektiv

Am 5. Oktober 1985 öffnete die Rettungsstelle als neue Abteilung am Bezirkskrankenhaus in Brandenburg. Erster Chef war der Oberarzt Michael Hamann. Drei Pflegekräfte arbeiten noch heute im städtischen Klinikum.

„Als Jugendkollektiv haben wir angefangen“, sagt die leitende Schwester Monika Müller. alle Beschäftigten der Notaufnahme waren unter 30.

100 Patienten am Tag versorgt die Notaufnahme durchschnittlich. Ein Drittel von ihnen wird anschließend stationär aufgenommen.

140 Patienten können es an Wochenenden und Feiertagen werden. Ostern, Pfingsten weihnachten, Silvester herrscht besonders hoher Patientenandrang, an den Tagen wird die Personalbesetzung der Notaufnahme verstärkt.

Die KV-Bereitschaftspraxis neben der Rettungsstelle besteht seit dem 2. Juni 2014. Behandelt werden akute, nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen in den Zeiten, zu denen die Arztpraxen in der Regel geschlossen sind.

Oberärztin Wiebke Weiland leitet die heutige Notaufnahme.

Akute Lebensgefahr, das ist tägliche Geschäft von Monika Müller und ihrem Team, das seit der Gründung von 16 auf 23 gewachsen ist, zuletzt Anfang des Jahres mit zwei zusätzlichen Kräften gestärkt wurde. Spaß gehört zum Beruf, aber leider auch blutiger Ernst. Monika Müller kann bis heute nicht vergessen, wie die junge Frau aus Magdeburg auf dem Operationstisch verblutete, der kurz zuvor zwei 16-jährige Jungs aus Kirchmöser in Wusterwitz immer wieder ein Messer in den Körper gerammt hatten – weil sie töten wollten.

Am schlimmsten ist es, wenn Kinder sterben

Sehr nahe ging den beteiligten Schwestern auch der Tod des einjährigen Jungen aus Polen, der im Wagen seiner Uroma auf der Autobahn verunglückt war und nicht mehr gerettet werden konnte. „Kinder sterben zu sehen ist vielleicht das Schlimmste“, sagt Schwester Monika. In solch belastenden Fällen bieten Psychologen den Schwestern nachträglich ihre Hilfe bei der Bewältigung an.

Das Team der Notaufnahme vor 30 Jahren

Das Team der Notaufnahme vor 30 Jahren.

Quelle: privat

Die Notaufnahme ist der Schmelztiegel des Krankenhauses. Dorthin zur Erstuntersuchung kommen alle erdenklichen Menschen mit allen möglichen Leiden. Patienten, die der niedergelassene Arzt schickt, die mit dem Rettungswagen kommen, von der KV-Sprechstunde oder einfach so, weil ihre Praxis nicht geöffnet hat.

Ersteinschätzung der Schwere des Falles

Es sind Menschen mit Brustschmerzen, mit Schmerzen irgendwo im weitläufigen Bauchraum, mit Atembeschwerden, Prellungen an Kopf und Körper, mit Schnitten an Hand und Hals, mit kleinen und großen Wunden und immer wieder mit Rückenschmerzen. Und natürlich bringen Notärzte und Sanitäter jeden Tag Menschen in die Rettungsstelle, die auf der Autobahn oder auf den Landstraßen verunglückt sind, Autofahrer, Radler, Fußgänger.

Monika Müller und ihre Kolleginnen sind zuständig für die Ersteinschätzung. Sie sind die Schleusenwärter, die jeden neu ankommenden Patienten als erste sehen, die dessen Symptome erfassen und die benötigte ärztliche Hilfe nach Dringlichkeit organisieren. „Es kommt vor, dass die zuletzt gekommene Patientin ganz schnell dran kommt, weil sie eine Gynäkologin benötigt, während mehrere andere länger warten müssen, weil sie alle ein Fall für den Urologen sind, das versteht man als Außenstehender schwer“, erzählt die Frau, die am 16. Dezember nach mehr als 46 Berufsjahren ihren letzten Tag im Klinikum arbeiten wird.

Monika Müller: „Es ist besser zu einem Zeitpunkt zu gehen, wenn 90 Prozent der Kollegen mich noch lieber von vorn als von hinten sehen und nicht zu warten, bis sich das Verhältnis umdreht.“

Von Jürgen Lauterbach

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