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Die Horrorzahlen und das Buga-Dilemma

Bundesgartenschau 2015 Die Horrorzahlen und das Buga-Dilemma

Sechs Ausstellungsflächen in fünf Orten, dazu zwei separate Blumenhallen – mit 54 Hektar Gesamtfläche war die Bundesgartenschau zwar so groß wie andere, aber in Summe zu kleinteilig und unattraktiv. Hinzu kamen mieser Service und eine schlechte Gastronomie – und viele selbstgemachte Fehler.

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Kunst und Grün waren genug da zur Buga, hier in Stölln. Allerdings fehlte es an Besuchern, nur die Hälfte der erwarteten Gäste kamen.

Quelle: Ilona Kirchner

Brandenburg an der Havel. Klassenziel verfehlt: Durchschnittlich 2,15 Mal wurden die Tageskarten zum Buga-Besuch zum Betreten einer Veranstaltungsfläche benutzt – vorgesehen war sie für fünf Veranstaltungsorte mit insgesamt acht Flächen. „Das bedeutet, dass die Besucher der Veranstaltungsintention nur teilweise folgten“, schreiben die Rechnungsprüfer aus Brandenburg an der Havel in ihrem 44-seitigen Bericht zum Jahresabschluss 2015 für den Buga-Zweckverband.

Dass die prognostizierten Besucherzahlen unrealistisch waren, wurde den Verantwortlichen relativ schnell klar. Bereits im April – nur eine Woche nach Eröffnung – ging die Zahl der verkauften Karten rapide nach unten, auf 4000 statt erhoffter 6800 Karten am Tag.

Nur drei Personen wussten, wie viele Karten verkauft wurden

Tagesaktuellen Einblick in die Zahl verkaufter Karten hatten nur drei Personen: Verbandsvorsteherin Dietlind Tiemann, Geschäftsführer Erhard Skupch und der Chef der Deutschen Bundesgartenschaugesellschaft Jochen Sandner. Aus dem „inneren Zirkel“ wurden ab Mai auch die Beigeordneten Michael Brandt und Hans-Jürgen Lemle verbannt, die bis dahin in Brandenburg und Rathenow die Hauptarbeiten in den Verwaltungen erledigt hatten. Selbst die anderen Mitglieder des Zweckverbandsvorstandes (Bürgermeister) sowie der Zweckverbandsversammlung blieben lange außen vor. So kam es erst im Juli zum Krach: Rhinows Amtsdirektor Jens Aasmann sagte, er verlasse nicht den Raum, bevor er konkrete Zahlen bekomme. Rathenows Bürgermeister Ronald Seeger argumentierte, seine Stadtverordneten säßen ihm im Nacken und wollten Auskünfte. Im September schließlich warf die Brandenburgerin Britta Kornmesser die Brocken hin, weil sie nicht beteiligt wurde. Heute sagt sie: „Ich fordere Aufklärung, warum das Rechnungsprüfungsamt eine vollständige Entlastung der Buga-Zweckverbandsvorsitzenden Dietlind Tiemann verweigert. Es sieht so aus, als ob bei der Buga-Auswertung massiv manipuliert wurde. Es ist jetzt zwingend zu prüfen, ob für den Zweckverband und damit verbunden für die zahlenden Kommunen Schaden entstanden ist und ob die Verbandsvorsteherin diesen zu verantworten hat.“

Überall nur Verluste

Das Gesamtdefizit der Buga liegt bei 11,04 Millionen Euro.

Falsch verbucht war schon das Minus von 2014, es wurde um 730.000 Euro erhöht auf 3,88 Millionen.

Auf Forderungen von 213.000 Euro verzichten musste der Verband gegenüber der Wiemannwerft Gastro GmbH, der Kreissparkasse Stendal und des Souvenirherstellers MAX 2001, weil Verträge unrealistisch waren.

Etwas mehr als 700 000 Besucher erwarben regulär eine Eintrittskarte. Das waren etwas mehr als die Hälfte der Prognosezahlen, offiziell verkündet wurden am Ende 1,05 Millionen Gäste. Das ging aber nur mit Rechentricks – weil Dauerkartenbesitzer zwölfmal gezählt und weil massiv Karten verschenkt wurden. Offiziell hieß es, dass die Bahnstreiks oder die unwetterbedingten Standortschließungen das Ergebnis negativ beeinflusst hätten. Die Rechnungsprüfer um Amtschef Claus-Dieter Hartmann kommen zu einem ganz anderen Ergebnis, weil sie sich die Verkäufe tages- und wochengenau angeschaut haben: „Andere Ereignisse wie drei Bahnstreiks oder die zweimalige Schließung des Standortes Rathenow hatten entweder keinen oder nur einen geringfügig behindernden Einfluss auf den Verkauf von Tageskarten.“

Es werden viele hausgemachte Fehler bemängelt

Vielmehr waren die Fehler hausgemacht, Beispiel Skyliner. Der Aussichtsturm stand nur 51 Tage in Brandenburg, ihn nutzten durchschnittlich 1237 Gäste am Tag. Dann stand er 68 Tage in Rathenow mit 893 Gästen pro Tag und am Ende in Havelberg mit einer Durchschnittszahl von 864 Besuchern. In Brandenburg wurde er abgebaut als die Nachfrage am größten war. „Die unterschiedliche Dauer an den Standorten berücksichtigte nicht das zu erwartende Nachfragepotential.“ Wirklichkeitsnäher wäre es gewesen, den Skyliner länger im besucher- und einwohnerstarken Brandenburg stehenzulassen. „Ein Vergleich der Verkäufe an Tages- und Skylinerkarten lassen Potential für weitere Tageskartenverkäufe sichtbar werden, sofern diese Attraktion innerhalb des eintrittspflichtigen Veranstaltungsgeländes aufgebaut worden wäre. Mit der Integration des Skyliners in das Festgelände hätte der kommerzielle Misserfolg im Durchführungshaushalt verringert werden können“, schreiben die Prüfer.

Zweifelhafter Umgang mit anvertrauten Vermögensgegenständen

Sie haben noch viel mehr aufgelistet. Beispielsweise beim Verkauf des Buga-Inventars. Nur in jedem sechsten Fall habe es keine Auffälligkeiten gegeben. Ansonsten lasse sich nicht nachvollziehen wie Preise entstanden seien, oft erschienen diese als zu gering. „Auffällig war zudem, dass einige Verkäufe zu geringen Preisen an Mitarbeiter des Zweckverbandes erfolgten. Neben dem zweifelhaften Umgang mit anvertrauten Vermögensgegenständen ergibt sich aus der Gratifikationseigenschaft solcher Verkäufe zusätzlich ein Steuerrisiko für den Zweckverband“, heißt es. Skupch soll gegenüber dem Brandenburger Bürgermeister Steffen Scheller erklärt haben, solche Verkäufe habe es nicht gegeben, es gäbe ja auch kein Protokoll darüber.

Die Rechnungsprüfer agieren unabhängig, sie unterliegen keinem städtischen Weisungsrecht. Deswegen hat Skupch nun eine Stellungnahme für die Verbandsversammlung kommende Woche formuliert. Die Manipulations- und Falschbuchungsvorwürfe seien nicht so erheblich, deshalb könne man die Verbandsvorsteherin auch komplett entlasten.

Die Prüfer hatten hingegen nur eine Teilentlastung für Dietlind Tiemann empfohlen.

Von André Wirsing

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