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Die Kapitänin verlässt das Schiff in rauer See

Brandenburg an der Havel Die Kapitänin verlässt das Schiff in rauer See

Zuspruch und Aufmunterung, aber auch Spott und Häme musste Dietlind Tiemann, seit 13 Jahren Rathauschefin in Brandenburg an der Havel, am Mittwoch aushalten, nachdem sie ihre Pläne zu einer Bundestags-Direktkandidatur öffentlich gemacht hatte. Das spornte die öffentliche Diskussion vor allem in der Kommunalpolitik mächtig an.

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Aber die Kette bleibt hier. . .: Zu offiziellen Anlässen trägt Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) die Amtskette der Havelstadt.

Quelle: Foto: Volkmar Maloszyk

Brandenburg/H. Zuspruch und Aufmunterung, aber auch Spott und Häme musste Oberbürgermeisterin und CDU-Kreisvorsitzende Dietlind Tiemann am Mittwoch aushalten, nachdem ihre angestrebte Direktkandidatur im Wahlkreis 60 für den Deutschen Bundestag offiziell bekannt wurde. Gerüchte dazu hatte es bereits seit Monaten gegeben.

„Ich bin hoch erfreut über die Bereitschaft von Dietlind Tiemann für den Bundestag zu kandidieren. Sie hat Brandenburg an der Havel unglaublich vorangebracht. Als Havelländer wären wir dankbar, im Bund jemanden zu haben, der hilft, die strukturellen Probleme wie Breitbandversorgung, Verkehrsinfrastruktur und viele mehr in der gesamten Region mit Lösungen voranzubringen. Die Stadt Brandenburg ist für die Zukunft gut aufgestellt“, sagt der CDU-Kreisvorsitzende im Havelland Dieter Dombrowski.

„Als Kapitän verlässt man nicht das Schiff, nur weil die See rauer wird“, kommentiert der SPD-Landtagsabgeordnete Ralf Holzschuher: „Die Brandenburger Oberbürgermeisterin ist also tatsächlich das erste Opfer der Kreisgebietsreform. Was sie nun den Bürgern unserer Stadt erklären muss, ist die Frage: Wie hält sie’s mit dem Kreisfreiheitskampf? Einerseits verweigert sie sich seit langem jedem Dialog über Veränderungen, anderseits lässt sie die Stadt in dem aus ihrer Sicht wichtigsten Kampf im Stich. Auch wenn ich es menschlich verstehen kann, dass die Oberbürgermeisterin sich neuen Herausforderungen statt unbequemer Diskussionen stellen will, erreichen wird sie dadurch nichts.“ Holzschuher kündigt einen spannenden Wahlkampf an, die SPD werde den Steinmeier-Wahlkreis nicht hergeben.

Auf diese Kritik reagiert Dietlind Tiemann dünnhäutig. „Eine solche Äußerung im politischen Raum ist beschämend und unterirdisch. Holzschuher hat doch im Kreisfreiheitskampf die Stadt als erster verraten.“

Der Beigeordnete Michael Brandt und ehemalige Stellvertreter von Tiemann im CDU-Kreisverband sagt: „Als CDU-Mitglied bin ich ambivalent im Bezug auf eine Kandidatur Dietlind Tiemanns für den Deutschen Bundestag. Einerseits habe ich zu respektieren, dass sie bei Anzeichen von Amtsmüdigkeit eine neue Herausforderung sucht. Andererseits nehme ich ihr übel, dass sie in Sachen Kreisfreiheit für sich selbst einen Plan B entwickelt, für die Stadt und ihre Mitarbeiter aber nicht. Nach Abwägung werde ich ihren Wunsch nach Veränderung aber unterstützen, auch wenn ich nicht weiß, wie sie Deutschland im Bundestag voran bringen will. Bislang war sie ja eher am Einzelfall orientiert und nicht an abstrakt-generellen Regelungen. Ich bin gespannt, wie sie mir im Falle Ihrer Wahl komplexe Gesetzgebungsverfahren und Normzusammenhänge erklären wird.“

Das Bild vom persönlichen Plan B zeichnet auch Linken-Fraktionschef René Kretzschmar: „Es hat sich ja schon länger angedeutet, umso schlimmer ist es, dass sie die Stadt erst in die missliche Lage beim Thema Kreisfreiheit gebracht hat. Und es ist bezeichnend, dass sie ihre Kandidatur zuerst mit der Landes-CDU und nicht mit den Parteifreunden vor Ort bespricht.“

Norbert Langerwisch (Büfübü) war unter Dietlind Tiemann eineinhalb Jahre Bürgermeister, wurde von ihr 2005 geschasst. Dennoch sagt er heute: „Man kann über sie denken, was man will. In 13 Jahren hat sie viel geleistet , sie ist eine anerkannt gute Oberbürgermeisterin. Wenn sie ihre kommunalpolitische Erfahrung in den Bundestag einbringt, kann dies nur positiv sein.“

Martina Marx (Bündnisgrüne) sieht es nicht ganz so euphorisch: „Im Grunde genommen begrüßen wir ihren Wunsch, in den Bundestag zu gehen. Wir verbinden damit die Hoffnung, dass sich der Umgang in der Kommunalpolitik hier versachlicht und nicht mehr von persönlichen Animositäten geleitet ist.“

Im MAZ-Gespräch sagt Dietlind Tiemann auf Anfrage, dass sie beileibe nicht amtsmüde sei und als Oberbürgermeisterin bis 2019 bleibe, wenn es nichts werden sollte mit dem Bundestagsmandat. Deshalb gebe sie ihr Amt auch nicht vor der Wahl im nächsten Herbst auf, „ich werde aber darauf achten, den Wahlkampf vom Amt zu trennen“.

Am 17. Dezember werde sie sich im Restaurant „Werft“ zuerst der Parteibasis stellen und ihre Pläne erläutern, bevor am selben Tag eine Wahlkreiskonferenz sie nominieren soll. CDU-Kreisgeschäftsführer Walter Paaschen bereitet beide Veranstaltungen derzeit vor.

Sollte Dietlind Tiemann in den Deutschen Bundestag einziehen, schlägt sie Bürgermeister Steffen Scheller (CDU) als Nachfolger vor. „Er war für mich immer derjenige, der mich in allen Situationen vertreten hat. Seit bestimmt einem Jahr nimmt er zunehmend auch öffentliche und Repräsentationstermine für mich wahr.“ Verlässt sie das Rathaus, bleibe ihre Amtskette hier, „die gehört der Stadt“, betont Dietlind Tiemann. Sie habe damals nach dem Anfertigen ausschließlich aus privaten Spenden gesagt: „Mit Sicherheit wird es jemanden nach mir geben, der größer und raumfüllender ist. Dafür liegen weitere Kettenglieder in der Schatulle.“

Von André Wirsing

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