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Die Klarinette singt und tanzt mit der Orgel

Giora Feidman im Brandenburger Dom Die Klarinette singt und tanzt mit der Orgel

Obwohl Giora Feidman (80) und Matthias Eisenberg (60) schon seit Jahren gemeinsam auftreten, ist die Kombination Orgel und Klarinette nach wie vor ungewöhnlich. Was die beiden Künstler daraus machen ist eine unglaubliche Symbiose der verschiedenen musikalischen und religiösen Traditionen. Zu erleben war sie am Freitagabend im Brandenburger Dom.

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Mann mit Klarinette. 400 Augenpaare sind im Brandenburger Dom auf Giora Feidman gerichtet.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. Der alte Mann lässt seine Klarinette singen. Leise und zart schwebt die Melodie durch das Kirchenschiff des Domes. „Together“ heißt das Stück, das Giora Feidman auf seinem Weg durch den Dom spielt. Geschrieben hat es seine Ehefrau, die wundervolle Komponistin Ora Bar Chaim.

Sacht löst Matthias Eisenberg an der Orgel das Klarinettenspiel ab mit der „Cantilene“ von Joseph Rheinsberger, während Feidman zu ihm auf die Orgelempore hinauf steigt. Es ist Freitagabend und ein ungewöhnliches Konzert hat begonnen. „From Classic to Klezmer“ haben die beiden Ausnahmemusiker es genannt.

Obwohl Feidman (80) und Eisenberg (60) schon seit Jahren gemeinsam auftreten, ist die Kombination Orgel und Klarinette nach wie vor ungewöhnlich. Was die beiden Künstler daraus machen ist eine unglaubliche Symbiose der verschiedenen musikalischen und religiösen Traditionen.

Merkmal des gemeinsamen Musizierens ist der nahtlose Übergang von einem Stück zum nächsten. „In the Self“ (Ora Bat Chaim) - ein lang gezogener Orgelton leitet dieses Werk ein, dem sich Feidmann mit der Bass-Klarinette anschließt.

Schnell wechselt er die Klarinette, um mit fetzigen, ja schrillen Improvisationen weiterzumachen. Und wo endet dieses Stück? Wo beginnt „Kol Nidrei“ von Max Bruch? Scheinbar mühelos gelingt den Musikern der Übergang von Klezmermusik zur Klassik.

Waren das Takte des „Ave Maria“ oder war es eine Sinnestäuschung? Mitten in das Orgelspiel hinein erhebt Giora Feidman seine Stimme und singt laut von der Orgelempore herab „Shalom Chaverim“. Die Orgel verstummt und die etwa 400 Zuhörer singen erstaunlich textsicher a capella dieses hebräische Traditionslied. Es klingt wunderbar hier im Dom.

Nach so viel Innerlichkeit kommt der fetzige Ragtime-Titel „The Entertainer“ genau richtig. Eisenberg liefert auf der altehrwürdigen Wagner-Orgel übermütig jazzige Schrammelmusik und Feidman lässt seine Klarinette dazu tanzen. Doch ehe das Publikum noch anfängt zu tanzen, mischt sich Johann Sebastian Bach mit seinem Präludium C-Dur in das fröhliche Treiben ein und lässt Eisenberg allein an der Orgel als barocken Entertainer brillieren.

Das Siciliano g-Moll überlässt Feidman Eisenberg nicht allein, sondern beteiligt sich mit seiner Klarinette. Wunderschön klingt das Zusammenspiel der beiden Musiker. Plötzlich kann man fühlen, was Feidman meint, wenn er ein Konzert in einer Kirche als spirituelles Erlebnis bezeichnet.

Feidman versteht sich als Botschafter des Friedens. So wie der Achtzigjährige in seinen Konzerten verschiedene musikalische Traditionen zu einer Weltmusik verschmilzt, so möchte er, dass sich Menschen aller Nationalitäten und Kulturen friedlich begegnen und zusammen leben, wie er mit einem flammenden Appell am Schluss des Konzerts fordert und mit dem jüdischen Traditionslied „Donna, donna, donna“ besiegelt. Alle singen mit.

Von Ann Brünink

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