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Brandenburg/Havel Die Kraft des Theaters
Lokales Brandenburg/Havel Die Kraft des Theaters
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16:35 15.07.2015
Einige Teilnehmer des Projekts proben eine Szene ihres Theaterstückes. Quelle: Melanie Höhn
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Brandenburg an der Havel

Theater hat das Potenzial, nicht nur Zuschauer in den Bann zu ziehen und nachhaltig zu beeinflussen. Auch die Schauspieler erfahren durch die Erarbeitung eines Stückes was es heißt, mehr zu sich selbst zu finden und zwischenmenschliche Kommunikation zu verbessern.

Das entdecken gerade 14 Teilnehmer des Projekts „Jobact to Connect“, die normalerweise nicht auf der Bühne stehen. Unter dem Motto „Theater schafft Brücken in Arbeit oder Ausbildung“ sollen sie durch die aktive Gestaltung eines Theaterstückes wichtige Kernkompetenzen erlangen, um einen Job zu finden und zukünftige Herausforderungen in der Arbeitswelt zu meistern. Träger ist die Projektfabrik gGmbH Witten in Kooperation mit dem Humanistischen Regionalverband Brandenburg/Belzig.

Hilfe bei der Suche nach Praktika und Ausbildungsplätzen

Schon seit dem 20. April proben die zwischen Anfang 20 und fast 50-jährigen Teilnehmer an vier Wochentagen am Haus der Kinder, Jugend und Familien ihr Stück, eignen sich Theatertechniken an, improvisieren, trainieren Körper und Stimme und erweitern ihre kommunikativen Fähigkeiten. Aber auch Teamgeist und Selbstbewusstsein haben sie in dieser Zeit vorangebracht, sagen die Sozialpädagogen Peggy Stübing und Max Jüttner vom Humanistischen Regionalverband Brandenburg. Die beiden begleiten die Gruppe während des Projekts, immer montags besprechen sie mit ihnen Selbst- und Fremdwahrnehmung, berufliche Umorientierung, Ziele und das Lebensumfeld. Sie stehen ihnen auch bei der Suche nach Praktika oder Ausbildungsplätzen zur Seite, helfen bei der Formulierung von Bewerbungen und erarbeiten mit ihnen berufliche Alternativen. „Die Gruppe stärkt sich gegenseitig, jeder hat andere Energien“, sagt Peggy Stübing. „Die Teilnehmer lernen, sich mit Menschen und sich selbst intensiv auseinanderzusetzen. Sie werden für das Leben und den Job vorbereitet.“

Das Team der Theatergruppe. Quelle: M. Höhn

Am 10. September soll das Theaterstück der bunt durchmischten Gruppe im Jugendzentrum „Haus der Offiziere“ uraufgeführt werden, dann endet die erste Phase des Projekts nach sechs Monaten. Eine weitere Vorstellung findet dort am 11. September statt. In der darauffolgenden viermonatigen Praktikumsphase werden die Teilnehmer in Betriebe hineinschnuppern, ein paar von ihnen haben jetzt schon einen Platz. Auch in dieser Phase treffen sie sich einmal in der Woche, um Erfahrungen auszutauschen und das Theaterprojekt nicht abreißen zu lassen.

„Es ist immer eine Überwindungssache“

Den Text für das Stück mit dem Arbeitstitel „Das Labyrinth“ hat die Gruppe selbst geschrieben: Es erzählt vom alltäglichen Wahnsinn, vom Aberwitz der menschlichen Ignoranz, aber auch Geschichten von Verrat und Duckmäusertum, eingebettet in alte Mythen, in denen eigene Konflikte wiedergefunden werden können.

Projekt „Jobact to Connect“

Das Projekt „JobAct to Connect“ richtet sich an arbeitssuchende Menschen bis 30 Jahre und über 50 Jahre.

Es verbindet theaterpädagogische Methoden und Biographiearbeit mit klassischem und kreativem Bewerbungsmanagement.

Praxiseinsätze in den realistisch angestrebten Berufsfeldern oder Ausbildungsberufen und ein intensives sozialpädagogisches Coaching runden die Vorgehensweise innerhalb des Projektes ab.

„Es ist immer eine Überwindungssache, am Anfang kann sich niemand vorstellen, dass er auf die Bühne gehen wird“, sagt der Berliner Theaterpädagoge Felix Goldmann, der die Gruppe bei der Erarbeitung des Stückes anleitet. „Im Laufe des Projekts verändern sich die Teilnehmer, bekommen mehr Lebensmut, werden vitaler, sind plötzlich kreativ und halten ihren Rhythmus. Oft kommen Aha-Momente.“ Nonverbale Szenen seien oft schwierig, denn man habe dann das Gefühl, die Zeit stehe still. Das müssen die Teilnehmer jedoch aushalten. „Das Wichtigste ist: Man muss einen gemeinsamen Rhythmus finden“, sagt seine Kollegin Sibille Roth.

Sebastian Ihlenfeldt, einer der Teilnehmer, war am Anfang skeptisch, ob das Projekt das Richtige für ihn ist. Doch der Zusammenhalt, der sich inzwischen in der Gruppe entwickelt hat, ist für ihn ein absoluter Gewinn. „Jeder ist für den anderen da, wenn er mal ein Problem hat. Viele sind selbstbewusster geworden“, resümiert er. Und auch nach den Proben reißt der Kontakt der Gruppe nicht ab, sie gehen auch ab und zu gemeinsam etwas trinken. Weil der 22-Jährige sich von dem Projekt angesprochen fühlte, bekam er vom Jobcenter Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheine. Wichtig zu wissen: Eine Teilnahme ist immer freiwillig. Karten für das Stück können ab Ende August auf der Website der Projektfabrik bestellt werden.

Von Melanie Höhn

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