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Die Kützkower leben gefährlich

Nachts brauchen Retter länger Die Kützkower leben gefährlich

Am Tage kommt Hilfe aus der Luft. Doch was passiert in der Nacht mit einem kranken Kützkower auf der anderen Seite der Havel? Die Autofähre hat dann Betriebsruhe. Rettungswagen müssen Umwege fahren. Daran wird sich wohl auch in Zukunft nichts ändern. Die Stadt Havelsee wird für ihre Fährleute jedenfalls keinen nächtlichen Bereitschaftsdienst einführen.

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Der kürzeste Weg nach Kützkow führt für Retter über die Havel.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Pritzerbe. Am Tage kommt Hilfe aus der Luft. Doch was passiert in der Nacht mit einem kranken Kützkower auf der anderen Seite der Havel? Die Autofähre hat dann Betriebsruhe. Rettungswagen müssen Umwege fahren. Daran wird sich wohl auch in Zukunft nichts ändern. Die Stadt Havelsee wird für ihre Fährleute jedenfalls keinen nächtlichen Bereitschaftsdienst einführen. Das hat Bürgermeister Günter Noack auf der jüngsten Sitzung des Pritzerber Ortsbeirates klargestellt. „Wir würden damit als Kommune Verpflichtungen eingehen, die wir auf Dauer nicht bewältigen können“, sagte Noack.

Klaus-Dieter Nagel, der in Kützkow lebende Ortsvorsteher von Pritzerbe, hatte die Einführung eines Bereitschaftsdienstes ins Spiel gebracht. Angesichts der älter werdenden Bevölkerung werde sich das Problem einer schnellen medizinischen Versorgung in Zukunft noch verschärfen, befürchtet Nagel. Kützkow gehört zu den wenigen Orten in Potsdam-Mittelmark, wo sich wegen der abgeschiedenen Lage die gesetzliche Hilfsfrist von 15 Minuten faktisch nicht realisieren lässt. Lange Wege für Rettungswagen und Feuerwehren nach Kützkow gibt es jedoch nicht nur in den Nachtstunden.

Seniorin wartete eine Stunde

Auch bei einem technischen Ausfall der Autofähre klingen in Kützkow die Alarmglocken. So wie zu Jahresbeginn, als die Verbindung über die Havel über Wochen ausgefallen war. Eine glatte Stunde musste damals eine 91-jährige Seniorin nach einem Oberschenkelhalsbruch auf den Rettungswagen warten, eine weitere Stunde verging bis zum Eintreffen des Notarztes. Problem: Die Helfer waren zunächst am Pritzerber Fähranleger eingetroffen, weil sie von der Leitstelle nicht über die Betriebsunterbrechung informiert waren.

14 Rettungswachen im Kreis

Träger des Rettungsdienstes ist der Landkreis Potsdam-Mittelmark. Grundsätze regelt der Rettungsdienstbereichsplan. Über den Kreis verteilt gibt es 14 Rettungswachen, die von drei verschiedenen Leistungserbringern besetzt sind (DRK, Johanniter, Promedica). Der westliche Teil des Amtes Beetzsee, in dem sich auch Kützkow befindet, gehört zum Versorgungsbereich der Rettungswache in Brandenburg.

Gemeinsam mit der kreisfreien Stadt Brandenburg und dem Landkreis Teltow-Fläming betreibt Potsdam-Mittelmark eine Regionalleitstelle in Brandenburg. Diese disponiert sämtliche in den drei Gebietskörperschaften zur Verfügung stehenden Rettungsmittel. Die Kosten für den bodengebundenen Rettungsdienst in Potsdam-Mittelmark belaufen sich in diesem Jahr auf etwa 14 Millionen Euro.

Dieser Fall wirkt bis heute nach. So hat der neue Verwaltungschef des Amtes Beetzsee, Guido Müller, im September eine Dienstanweisung für die Fährleute erlassen. An die Brandenburger Leitstelle gemeldete Havariefälle müssen ab sofort mit Uhrzeit und Bestätigung in einem Nachweisbuch festgehalten werden. Danach ist das Amt Beetzsee über den Ausfall der Fähre zu informieren. „Wir wollen damit nachweislich sicherstellen, dass der Leitstelle jede Betriebsunterbrechung bekannt ist“, sagte Amtsdirektor Müller. Denn im Notfall geht es um Minuten.

Über Pritzerbe geht’s nicht

Liegt die Fähre fest, muss der Disponent in der Leitstelle neu entscheiden, wie zu verfahren ist. Die Alarm- und Ausrückeordnung, die es für jedes Dorf gibt, sieht Rettungsfahrten aus Kirchmöser beziehungsweise von der Leit- und Rettungsstelle in der Brandenburger Fontanestraße vor. Über Pritzerbe kann dann jedenfalls nicht gefahren werden. Alternative ist der Weg über Bensdorf und Nitzahn. „Im Rahmen der Amtshilfe kann die Brandenburger Leitstelle auch die Rettungsstelle im havelländischen Premnitz anfunken. Deren Einsatzfahrzeug würde über Milow anfahren. Dafür ist keine gesonderte Vereinbarung zwischen den Landkreisen notwendig“, informierte Klaus-Dieter Hallex, Fachdienstleiter Rettungswesen in der mittelmärkischen Kreisverwaltung.

Von Frank Bürstenbinder

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