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Die Lebenswendungen Lothar Kreyssigs

Konrad Weiß in Hohenferchesar Die Lebenswendungen Lothar Kreyssigs

Lothar Kreyssig war der einzige Jurist in Deutschland, der das Morden der Nationalsozialisten anprangerte und einen Reichsleiter der NSDAP wegen Mordes anzeigte. Über das Leben des Brandenburger Amtsrichter berichtete am Samstag der Publizist und frühere DDR-Bürgerrechtler Konrad Weiß in Hohenferchesar.

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Konrad Weiß in der Kirche von Hohenferchesar. Der Publizist berichtete auch von weniger bekannten Seiten Lothar Kreyssigs.

Quelle: Christine Lummert

Hohenferchesar. Unter der Überschrift „Lothar Kreyssig – der Wahlmärker“ hat der Kirchenförderverein Havelsee am Samstag in die Kirche von Hohenferchesar eingeladen. Der bekannte Filmregisseur, Publizist und früherer DDR-Bürgerrechtler Konrad Weiß las vor etwa 40 Zuhörern aus seiner 1998 erschienenen Biografie über den Mann, der in seinem Leben viele radikale Wendungen durchgemacht hat und dabei seine einmal gefassten Positionen mit großer Leidenschaft vertrat.

Der im Jahr 1898 geborene Kreyssig wandelte sich vom Jura-Studenten einer schlagenden Verbindung, der die neue Demokratie der Weimarer Republik als Staatsform in Deutschland ablehnte, zum glühenden Demokraten. Außerdem wurde er vom braven Kirchensteuerzahler zu einem tief gläubigen Christen, der zur Zeit des Nationalsozialismus der Bekennenden Kirche angehörte.

Einer dieser Wendepunkte liegt auch in Hohenferchesar, an dem aus Kreyssig, dem Juristen, ein Landwirt werden sollte, der nur nach ökologischen Prinzipien seine Felder bestellte. Lothar Kreyssig suchte jahrelang nach einem Hof, den er nach den Prinzipien der biologisch-dynamischen Landwirtschaft bewirtschaften konnte, und wurde 1935 in Hohenferchesar fünfig. Dem Gehöft gab er den heute noch geltenden Namen Bruderhof. „Die wortkargen märkischen Bauern in seiner neuen Nachbarschaft haben skeptisch auf den Neuankömmling geschaut, als er mit seiner Familie und Mitstreitern seine ökologischen Grundsätze in die Tat umsetzte“, sagte Weiß und berichtete auch von Kreyssigs Söhnen, die er für die Arbeit an der Biografie über Hohenferchesar interviewt hatte.

Vom neu erträumten Bauerndasein allein konnte Kreyssig seine Familie aber nicht ernähren und so trat er am Brandenburger Amtsgericht wieder eine Richterstelle an. Dort handelte er nach seinen christlichen Überzeugungen und prangerte als einziger Richter in Deutschland öffentlich die Euthanasiemorde an und brachte sie sogar offiziell zur Anzeige. In der Stadt Brandenburg sind 1940 mehr als 9000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene vergast und verbrannt worden, weil sie den Nazis als „lebensunwerten Lebens” galten. Kreyssig war als Vormundschaftsrichter für körperlich und geistig Behinderte verantwortlich, und untersagte, seine Mündel ohne Zustimmung zu verlegen. Aus dem Justizdienst wurde er daraufhin entfernt, aber sein Engagement für Verfolgte führte er im Kleinen auf seinem Bruderhof fort. Zwei jüdische Frauen überlebten in Hohenferchesar und 2016 wurden Lothar Kreyssig und seine Frau Johanna vom Staat Israel als Gerechte unter den Völkern anerkannt.

Nach dem Ende der Nazizeit war Kreyssig Gründer der Aktion Sühnezeichen, die sich durch tätige Hilfe um die Aussöhnung und Verständigung zwischen den Völkern bemüht. Durch diese Initiative lernte auch Konrad Weiß Lothar Kreyssig kennen. „Und ich kann wirklich sagen das er mit seinen Überzeugungen mein Leben geprägt hat.“

Von Christine Lummert

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