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Die Magie des Blues in Gortz

Konzert in der Dorfkirche Die Magie des Blues in Gortz

Gortz war für zwei Stunden die Hauptstadt des Blues. Aus nah und fern pilgerten die Fans in die kleine Dorfkirche, um eines der legendären Konzerte zu erleben, die der Förderverein Gortz regelmäßig in dem Gotteshaus veranstaltet. Rappelvoll war das Kirchlein. 140 Leute quetschten sich in die Kirchenbänke, saßen wie die Hühner hoch oben auf den Sitzbänken der Orgelempore.

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Peter Schmidt (l.) und Blues Rudy beim Konzert in der Gortzer Dorfkirche.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Gortz. Für gut zwei Stunden war Gortz die Hauptstadt des Blues. Aus nah und fern pilgerten die Fans am Sonntagnachmittag in die kleine Dorfkirche, um eines der legendären Konzerte zu erleben, die der Förderverein Gortz regelmäßig in dem Gotteshaus veranstaltet. Rappelvoll war das Kirchlein. 140 Leute quetschten sich in die Kirchenbänke, saßen wie die Hühner aufgereiht hoch oben auf den Sitzbänken der Orgelempore. Und wer drinnen keinen Platz mehr gefunden hatte, der lauschte eben von draußen der fetzigen Musik. Sogar aus Dessau seien Zuhörer angereist, freute sich Blues Rudy, der es erstaunlich fand, dass mitten auf dem platten Land so etwas möglich ist. Auch viele Berliner halten seit Jahren schon dem Gortzer Kulturverein die Treue.

Sogar Pfarrerin Johanna Martina Rief outete sich als Blues-Fan. Und nicht nur das. Sie berichtete in ihrem Grußwort, dass in einer Neuübersetzung des Psalms 155 ausdrücklich auch der Blues zum Lobe des Herrn genannt sei.

Was das Besondere an Bluesmusik sei? „Blues ist etwas Magisches“, antwortet Blues Rudy. Das Zwölf-Takte-Schema gehe sofort in die Beine. Recht hat er. Kaum erklangen die ersten Takte von „Red headed Woman“ da wippten auch schon die Füße, da zuckten die Schultern, da bewegten sich die Köpfe der Zuhörer im Takt. Nein, in Gortz machte der Blues seinem Namen überhaupt keine Ehre. Denn Blues ist abgeleitet von dem englischen Wort blue. Das bedeutet aber nicht nur blau. Das bedeutet auch, traurig sein. „Sie hat den Blues“ sagt man ja auch Neudeutsch von jemandem, der melancholisch-trauriger Stimmung ist.

Von Traurigkeit konnte aber in Gortz überhaupt keine Rede sein. „Take me back Baby“, „Cajun Moon“, „Wait and see“ oder „Help me“ – den Zuhörern war aber nicht mehr zu helfen. Von Stück zu Stück steigerte sich die Stimmung. Die Leute pfiffen und klatschten und johlten. Als die Begeisterung immer mehr zunahm, konnte man glatt glauben, dass sich schließlich auch das Kirchlein selbst im fetzigen Rhythmus wiegte, den Blues Rudy und sein Gitarrist Peter Schmidt entfesselten.

„Wir kennen uns seit ungefähr zwanzig Jahren und seit fünf Jahren spielen wir zusammen“, berichtet Blues Rudy, der 1963 als Uwe Haase in Wittenberg geboren ist. Seit den 1980er-Jahren spielt er Gitarre. Mit seinen beiden Brüdern hat er sich das Spielen autodidaktisch beigebracht. Doch bis zu seinem ersten öffentlichen Auftritt sollte es lange dauern. Erst 1992 hatte Blues Rudy auf der kleinen Bühne des Irish Pub in Wittenberg seine Premiere als Musiker. Doch zunächst arbeitete er weiter in seinem erlernten Beruf als Fliesenleger. Erst 1997 hat er sich schließlich als Musiker selbstständig gemacht. Seitdem tourt er durch ganz Europa und hat mit vielen Größen des Blues zusammengespielt. Das Gleiche gilt auch für den gebürtigen Stralsunder Peter Schmidt (59).

Die Stimmen der beiden Musiker harmonieren fantastisch zusammen. „Uns kommt es auf Qualität an. Wir haben unseren eigenen Stil entwickelt. Und wir wollen keinen Einschlafblues spielen“, beschreibt Blues Rudy ihr Credo. Das ist ihnen gelungen. Von Einschlafblues kann wirklich keine Rede sein, wenn Peter Schmidt mit seiner besonderen Grifftechnik seine Gitarre singen und stöhnen lässt und wenn Blues Rudy kräftig in die Saiten seiner Akustikgitarre greift. Und für seine Electro Slide Guitar (Baujahr 1956) hat auch er sich eine spezielle Spieltechnik ausgedacht. Er legt sie einfach flach auf seinen Schoß.

Von Ann Brünink

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