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Brandenburg/Havel Die Mission: Hiphop und Klassik vereinen
Lokales Brandenburg/Havel Die Mission: Hiphop und Klassik vereinen
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10:48 30.11.2015
Und höret und sehet: Es passt zusammen.   Quelle: Jacqueline Steiner
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Brandenburg an der Havel

 Wenn am Ende der ganze Saal steht und selbst Krawattenträger im Alter um Mitte 60 versuchen, freudestrahlend eingängige Rapper-Posen nachzuahmen, haben die Künstler auf der Bühne zuvor nicht allzu viel falsch gemacht. So geschehen am Samstagabend im Großen Haus des Brandenburger Theaters. Und in der Tat, der gemeinsame Auftritt der Hiphopper Einshoch6 und den Brandenburger Symphonikern ist vorrangig genau das, was man sich im Vorfeld von dieser Veranstaltung erwarten durfte – ein Riesenspaß.

Jump around im Brandenburger Theater. Quelle: Jacqueline Steiner

Erwartungen – an diesem Abend ein zentrales Thema. Es ist ein Experiment, klassische Musik und ein Orchester auf der einen und die dazu konträre Musik des Hiphop auf der anderen Seite auf einer Bühne zu vereinen. Die Münchner Band sieht genau das seit mehr als einer Dekade als ihre Mission. Die Brandenburger sind längst nicht das erste symphonische Orchester, mit dem die neun jungen Männer auf der Bühne stehen.

Erstaunlich hoch ist der Altersschnitt im Publikum, vielen theaterkonform gekleideten Besuchern spricht die Skepsis vor dem Sonderkonzert „Hiphop trifft Klassik“ recht deutlich aus dem Gesicht. Ob die Tickets ein Geschenk waren? Oder der Kauf gar ein Versehen?

Das Publikum hatte seine Freude. Quelle: Jacqueline Steiner

Klar, die jungen Menschen nicken schon nach wenigen Minuten mit dem Kopf. Sie mit wummernden Bässen und manchmal ein wenig überzogener Rap-Attitüde abzuholen, ist erwartungsgemäß kein Problem. Textlich geht es um das Leben, die Liebe, Freundschaft. Alles recht harmlos und auch für den geneigten Klassikfan leicht verdaulich. Die große Leistung von Einshoch6 ist es aber, auch eben diese Konzertbesucher zum Mitmachen zu bewegen. Die in dieser Umgebung sonst gediegen den Klängen von Mozart oder Bach lauschen. Dazu gibt es zunächst einen leicht Klischee überladenen, aber irgendwo charmanten Crashkurs in Sachen Hiphop, bevor der richtige „Vibe“ entstehen kann.

Dann die Überraschung: Statt wummernder Bässe und virtuosen Reimkombinationen folgt zunächst ein grandioses E-Violinen-Solo eines Bandmitglieds, dann Strawinskys Höllentanz, interpretiert von den Symphonikern. Die haben – bereits Crossover erprobt – am Samstag generell sichtlichen Spaß an ihrem Tun.

Ins Spiel versunken. Quelle: JACQUELINE STEINER

Das netto zweistündige Konzert besticht insgesamt durch seinen Variantenreichtum. Streicherdominierten Stücken folgen basslastige Sommerhits folgen live grandios funktionierende Mitmachsongs. Nach erstem Zögern lässt sich so das durchmischte Publikum im fast voll besetzten Saal schnell auf das ein, was da gerade mit ihm passiert. Und so bewegen als Höhepunkt der stets unterhaltsamen Show plötzlich 20- und 65-Jährige gemeinsam nebeneinander zur aktuellen Single „Dein Po wackelt“ – na was wohl.

Na, es geht doch. Quelle: JACQUELINE STEINER

Das Konzept der Band, Klassiker und Hiphopper zusammen zu bringen, funktioniert im Brandenburger Theater wunderbar. Anfängliche Fragezeichen weichen schnell Neugier und später Begeisterung. Solch ein Tollhaus war das Große Haus jedenfalls selten. Schuld daran sind natürlich vorrangig die Protagonisten, denen jede Sekunde anzumerken ist, dass sie lieben, was sie tun.

Dazu stimmt die Chemie zwischen der Band, dem Dirigenten Ekhart Wycik und dem Orchester. Gemeinsam leisten sie mit ihrem Auftritt nichts weniger als einen Beitrag zur Generationenverständigung, auch wenn sie vordergründig natürlich unterhalten wollen. Die Erwartungen jedenfalls übertreffen sie bei Jung und Alt am Samstag deutlich.

Ein gelungenes Konzert. Quelle: JACQUELINE STEINER

Von Philip Rißling

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