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Die Nachtwächter kommen: großes Gildetreffen

Brandenburg an der Havel Die Nachtwächter kommen: großes Gildetreffen

Nachtwächter, Türmer und Figuren: Manchmal werden sie belächelt, häufig bestaunt und oftmals mit Beifall bedacht. In Brandenburg an der Havel werden sich demnächst viele dieser Kostümierten zeigen. Denn die Gilde bereitet ein großes Treffen ihrer Mitglieder in Ostdeutschland vor. Dann heißt es, die Nachtwächter kommen!

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Jeff Lammel, Christine Steffen und der Holz-Nachtwächter.

Quelle: Malo

Brandenburg/H. Manchmal werden sie belächelt, häufig bestaunt und oftmals mit Beifall bedacht – die Menschen, die in historischer Tracht durch die Städte ziehen, deren Gäste informieren und unterhalten, von lange zurückliegenden Zeiten berichten.

Es gibt sogar deutschlandweit eine eigene Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren. Diese zählt mittlerweile mehr als 180 Mitglieder, sogar einige Österreicher, Franzosen und Niederländer haben sich angeschlossen.

Seit 2013 ist auch Christine Juliane Steffen aus Brandenburg an der Havel Mitglied – besser bekannt ist sie als „Marktweib Christine“, die vielfältig aktiv in der Stadt ist. Sie bietet Führungen für Spaziergänger an „Mit Herz und Schnauze in die Zeit reisen“, führt Radwandergruppen durch die drei historischen Stadtkerne, und lässt die Menschen die Waldmöpse entdecken „Auf die Möpse, fertig, los“. Sie entwickelt Kinderprojekte und leitet nebenbei die lokale Stadtführergilde.

Nun hat Christine Steffen Besuch bekommen und hat zudem einen neuen Wegbegleiter – wenn auch nur für ein Jahr. Der Nachtwächter aus Schönebeck an der Elbe, Jeff Lammel, übergab ihr einen hölzernen Wandernachtwächter. Der kleine Kerl ist so etwas wie ein Wanderpokal und begleitet denjenigen aus der Gilde, der das nächste Treffen vorbereitet.

Vom 6. bis 8. Oktober ist die Stadt Brandenburg an der Havel Gastgeberin für den ostdeutschen Gildezweig – immerhin sind das 30 Kommunen, bis zu 60 Personen werden erwartet, die alle in Gewand und mit ihren jeweiligen Utensilien anreisen. „Ein Jahr Vorbereitung vergeht wie im Fluge. Wir müssen Sponsoren finden, Ausflüge und Beherbergung organisieren. Schließlich wollen wir unsere Region gut darstellen“, zählt Christine Steffen auf. Zudem gebe es durchaus Konkurrenz um das Ausrichten eines solchen Treffens. Schließlich kommt so ein Pulk an Originalen nicht alle Tage an einem Ort zusammen, das sorgt für Aufsehen und öffentliche Aufmerksamkeit.

Der Schönebecker Jeff Lammel ist schon seit zehn Jahren Nachtwächter. Die ersten vier Jahre blieb er von den Stadtoberen weitgehend unbeachtet, bis er einmal ein solches Treffen organisierte. „Da haben einige erst einmal gesehen, was sie an einer solchen Figur haben und wie viel Aufmerksamkeit sie bringen kann.“ Schließlich seine solch historische Figuren und ihre Darsteller auch eine Art „Bewahrer der lokalen Geschichte“.

Seitdem bekommt er sporadisch Unterstützung auch von offizieller Seite. Im sächsischen Crimmitschau sind sie noch ein bisschen weiter, da hat der Bürgermeister Bewirtung und Beherbergung der illustren Gästeschar aus der Stadtkasse bezahlen lassen.

Davon träumt Christine Steffen noch, zwei Sponsoren hat sie bereits aufgetrieben, nun hat ihr Thomas Krüger Hilfe zugesagt beim Organisieren. Als Chef der Stadtmarketing- und Tourismusgesellschaft kann er mögliche Sponsoren in einem Pool bündeln, er kennt die Anbieter von Leistungen und kann über sein Team Termine abstimmen.

Das allein ist schon viel wert. Die meisten Gildemitglieder gehen hauptberuflich anderen Tätigkeiten nach, haben oft mehrere Jobs, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen , ihr Hobby üben sie im Ehrenamt aus. Zudem kommen sie in den allermeisten Fällen selbst für die kostenintensiven Gewänder und Utensilien auf. Da hilft es alleine schon, dass sie beispielsweise im Bundesverband der Gästeführer Deutschlands BVGD in ihrer ehrenamtlichen Arbeit versichert sind.

„Wir bekommen das hin und Brandenburg an der Havel ist eine Super-Gastgeberin.“ Verzagen oder Mutlosigkeit gehört nicht zum Sprachschatz von Christine Steffen. „Ich wünsche mir, dass es gelingt, eine Sieben-Seen-Tour auf dem Wasser sowie ein Rundfahrt durch die drei Stadtkerne zu organisieren. Zudem muss ich noch mit dem Pfarrer sprechen. Ein Gottesdienstbesuch aller Teilnehmer in kompletter Gewandung gehört nämlich zum Pflichtprogramm.“

Von André Wirsing

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