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Die Packhof-Umplanung hat Tücken

Brandenburg an der Havel Die Packhof-Umplanung hat Tücken

Die Packhof-Investoren haben die Kritik gehört und verarbeitet, sind weiter als erwartet gegangen und haben komplett umgeplant. Das hat natürlich Tücken, weil nun die Hotel-Argumentation zusammenfällt, weil nun besondere Ansprüche ans Bebauen des Quartiers in Brandenburg an der Havel erwachsen und weil der Diskussionsprozess noch mühselig wird.

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Links der erste Entwurf mit dem dominierenden Hotel über das ganze Ufer, rechts der neue Entwurf.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Brandenburg/H. Kann die Bürgerinitiative Packhof nun einpacken, weil ihre Forderungen erfüllt sind, weil weder „Hotelkoloss“ noch „Parkhausklotz“ auf der innerstädtischen Fläche geplant sind? Wohl nicht. Sie wird noch dringend gebraucht werden, wenn es um das Gestalten geht, um die Architektur, die entstehen muss, wenn es nicht wieder uniforme Lochfassaden werden sollen, die schon in so vielen Städten stehen – gerade dort, wo das Bauen ohnehin teuer ist.

 

„Meines Erachtens nach liegt der grundlegende Fehler leider schon längere Zeit zurück, als man sich entschloss, das gesamte Areal an einen einzigen Investor zu geben. Das ist bequem für eine faule Verwaltung, aber nicht gut für die Stadt“, sagt der ehemalige Baubeigeordnete Ralf Krombholz (parteilos). Der aktuelle Amtsträger Michael Brandt (CDU) meldet sich ebenfalls zu Wort: „Zunächst danke ich der BI. Sie hat trotz Anfeindungen bewiesen, dass Veränderungen am Projekt notwendig und möglich sind. Es bleiben offene Fragen und Konflikte. Ein B-Planverfahren wird zeigen, ob und wie diese gelöst werden können. Die Frage nach überzeugender Architektur kann ein B-Plan aber nicht beantworten. Hierfür muss eine Lösung gesucht, gefunden und notfalls erstritten werden.“

Der Kurswechsel, den der potentielle Investor Premero Immobilien aus Hamburg innerhalb von nur sechs, sieben Wochen vollzogen hat, war sehr heftig. Das legt wiederum den Verdacht der Beliebigkeit nahe – Hauptsache, ich bekomme überhaupt etwas hingebaut. Nebenbei haben die Premero-Geschäftsführer Melanie Morgenthaler und Thorsten Schütte mit ihrem Umschwung alle Argumente der Hotelbefürworter in der Stadtspitze und in großen Teilen der Stadtverordnetenversammlung abgeräumt. Zugespitzt gesagt, es entsteht nun ein zweites „Sorat“-Hotel auf dem Packhof.

Die Befürworter hatten argumentiert, man brauche einen großen Tagungs- und Konferenzbereich, um auch mal einen Ärztekongress nach Brandenburg an der Havel zu holen. Bei nunmehr Kapazitäten von maximal 200 Teilnehmern wird das schlecht möglich sein.

Packhoffest

Die Bürgerinitiative Packhoft lädt zum Packhoffest am Sonnabend, 3. September, auf dem ehemaligen Bugagelände von 15 bis 19 Uhr ein.

Die Band Patchwork wird die Veranstaltung musikalisch begleiten, Paul Pribbernow wird da sein und auch die Künstlergruppe Nora Schlecht ist dabei, neben vielen weiteren Attraktionen.

Von diesem Fest solle ein Signal ausgehen, dass der Packhof nicht zum Spekulationsobjekt privater Investoren und deren Kapitalinteressen wird, sondern den Brandenburgern gehört und diese über die Nutzung entscheiden, sagt BI-Sprecher Hanswalter Werner. „Direkte Demokratie macht Spaß, wir freuen uns auf dieses Fest.“

Man wollte eine große Wellness- und Spa-Abteilung, um ein Alleinstellungsmerkmal für das Hotel am Wasser zu generieren. Auf 350 Quadratmetern wird es nicht für viel mehr als für zwei Saunakabinen und drei Massagebänke reichen. Nicht einmal zehn Prozent der einst dafür geplanten Flächen bleiben übrig.

Weil das Hotelprojekt jeweils in Höhe und Länge um mehr als ein Drittel geschrumpft ist, wurde nun die Spitze an der Näthewinde frei, hier sehen die Investoren größere Stadthäuser in zwei Sechserblöcken nebeneinandergestellt vor. Die lassen sich bestimmt teuer verkaufen, Kundschaft gäbe es. Doch gerade an dieser Stelle sollte man sich eine Bebauung vorstellen, die den Schwung von Havelradweg und Wasserlauf aufnimmt, die einen Treffpunkt im Kiez begleitet. Doch ihre pfiffige Idee eines „Biker-Cafés“ wollen die Investoren ausgerechnet neben dem Automatik-Parkhaus in der Platzmitte umsetzen. „Wir werden nicht die Rockergangs ,Hells Angels’ oder ,Bandidos’ mit dem Biker-Begriff anziehen. Es geht uns um die Rad- und Pedelec-Fahrer, die das umweltfreundliche Verkehrsmittel täglich oder als Touristen nutzen. Es soll ein Café sein, Werkstatt, Ladestation, Fahrradgarage“, sagt Schütte. Er gibt auch unumwunden zu, dass er Investor und nicht Architekt sei. Er weiß, dass er in das neue Quartier Urbanität bringen muss, benötigt aber auch den Sachverstand von Experten und Nachbarn. Deswegen brauchen die Stadt und die Investoren die Bürgerinitiative und deren Dialogbereitschaft.

Und nicht nur, weil Schütte auch öffentlich Druck aufgebaut hat: „Wir müssen den Eindruck gewinnen, dass dies hier gewollt ist. Danach werden wir entscheiden, ob wir in Brandenburg an der Havel weitermachen.“ In der Tat ist er bereits gemeinsam mit Melanie Morgenthaler auch auf die Bürgerinitiative zugegangen, haben beide bereits Zugeständnisse gemacht.

Auch die Stadt bewegt sich: Die Verwaltung werde zügig prüfen, was in Bezug auf Verkehrskonzept, Altlastenbeseitigung oder Erschließung des Areals alles noch angepasst und verändert werden muss, kündigt Bürgermeister Steffen Scheller (CDU) an.

Die Ergebnisse sind offen – ganz gleich, ob es um Bewertungen der Stadt, der Investoren oder der Bürgerinitiative geht. Es wird mühselig.

Von André Wirsing

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