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Die Plastiktüte steht vor dem endgültigen Aus

Brandenburg an der Havel Die Plastiktüte steht vor dem endgültigen Aus

Eine Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung aus dem Jahr 2014 zeigt: 2012 gaben die deutschen Einzelhandelsunternehmen 6,1 Milliarden Plastiktüten an ihre Kunden aus. Ein Einwohner kam somit auf stolze 76 Tüten. Das hat sich jetzt geändert – auch in der Stadt Brandenburg.

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Petra Rauh (links), Verkäuferin bei C& A, und Kundin Karina Herzog, die ihre Einkäufe in ihrem Rucksack umweltfreundlich verstaut.

Quelle: Annika Jensen

Brandenburg/H. „Möchten Sie eine Tüte für 20 Cent kaufen?“ „Nein, danke. Ich habe meinen Rucksack.“ Ein typisch gewordenes Gespräch an der Kasse bei C&A. Seit April dieses Jahres müssen die Kunden in der Bekleidungskette für eine Tragetasche zahlen. Drei Größen, ein Preis. „Man merkt schon, dass viele Menschen ihr Verhalten beim Einkaufen verändern“, sagt Verkäuferin Christine Neuhaus. „Fast jeder hat einen eigenen Beutel dabei.“

Eine Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung aus dem Jahr 2014 zeigt allerdings anderes: 2012 gaben die deutschen Einzelhandelsunternehmen insgesamt 6,1 Milliarden Plastiktüten an ihre Kunden aus. Ein Einwohner kam somit auf stolze 76 Tüten. Das war der Bundesregierung zu viel. Seit 1. Juli kosten 60 Prozent der ausgegebenen Tüten etwas. Das Bundesumweltministerium hatte im April dieses Jahres mit dem Handelsverband Deutschland eine freiwillige Selbstverpflichtung vereinbart. Es war auch eine Reaktion auf eine im April 2015 erlassene EU-Richtlinie, nach der der Verbrauch der Plastiktragetaschen bis 2019 auf 90 Tüten und bis 2025 auf 40 Tüten pro Einwohner reduziert werden sollen.

Die Deutschen liegen gut im Rennen

Die Deutschen liegen mit ihren 76 Tüten aber bereits gut im Rennen. Die Erhebung zeigt auch, dass rund 72 Prozent der befragten Menschen die Tüten mehrfach verwenden. Ihr Fazit lautete deshalb: Die Deutschen gehen mit den Plastiktüten bereits bewusst um. Die Aufmerksamkeit, die die deutschen Medien sowie die EU-Ressourcenpolitik dem Thema schenken, rühre vielmehr von dem fehlenden Bewusstsein in anderen europäischen Staaten. Dort sei die Land- und Meeresverschmutzung durch Plastik sehr viel größer.

Die Drogerie-Kette DM klärt die Kunden über die Neuerung dort auf, wo diese an einem Ständer  bisher die „kleinen Tüten“ gefunden hatten

Die Drogerie-Kette DM klärt die Kunden über die Neuerung dort auf, wo diese an einem Ständer bisher die „kleinen Tüten“ gefunden hatten.

Quelle: Annika Jensen

Und dennoch: die deutschen Unternehmen reagieren. Sie erheben nicht nur Kosten für die Plastiktüten. Vielmehr verschwinden diese gänzlich aus dem Kassenbereich. Die Supermarktkette Rewe ist da wohl das bekannteste Beispiel. Aber auch DM gibt die kleinen Tüten nicht mehr aus. Dort, wo sie früher einmal hingen, klärt der Drogerie-Riese über seine Tragetaschen-Politik auf und umwirbt die neuen Alternativen. Die Kunden scheinen damit keine Probleme zu haben. Viele bringen ihre Beutel, Rucksäcke und Mehrwegtaschen mit, steigen gerne auf Papier oder biologisch abbaubares Plastik um.

Papiertüten haben es in sich

Doch sind sie tatsächlich die umweltverträglichere Alternative? Laut Deutscher Umwelthilfe nicht immer. Die Papiertüte etwa, die in den Augen vieler Bürger das Symbol der Umweltschonung schlechthin ist, ist häufig ebenso nur einmal verwendbar, hat aber einen ressourcenreichen Herstellungsprozess hinter sich. Auch die „biologisch abbaubare“ Plastiktüte ist keine gute Alternative. Der landwirtschaftliche Anbau der notwendigen Energiepflanze wirkt sich negativ auf die Umwelt aus.

Die Kompostierung biologisch abbaubarer Plastiktüten sei der umweltschädlichste aller Entsorgungswege, schreibt die Umwelthilfe auf ihren Internetseiten. Sie empfiehlt die Benutzung von Mehrweg-Tragetaschen aus Nylon oder von Taschen aus Kunststoff, die aus recycelten Pet-Flaschen hergestellt werden. Sie sind in der Produktion weniger aufwendig als etwa Beutel aus Naturfasern und sind derart robust, dass sie lange wiederverwendet werden können.

Eine Kundin ärgert sich. Sie hat ihren Stoffbeutel zu Hause vergessen. „Ich habe ihn sonst immer dabei, auch schon vor den Neuerungen“, sagt Andrea Schmidt. „Ich finde es total in Ordnung, dass sie jetzt was kosten, der Umwelt zu Liebe. Wenn ich doch mal eine kaufen muss, wie heute, verwende ich sie zu Hause als Müllbeutel.“ Auch Karina Herzog kauft keine Plastiktüte. „Ich finde es gut, dass C&A auch mit macht. Für mich hat sich aber nichts geändert. Ich hatte schon immer meinen Rucksack. Mit meiner vegetarischen Lebensweise habe ich aber ohnehin schon länger ein größeres Bewusstsein für die Umwelt“, sagt sie und verstaut ihre neue Kleidung in ihrem Rucksack.

Von Annika Jensen

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