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Brandenburg/Havel Die Schätzchen am Leib
Lokales Brandenburg/Havel Die Schätzchen am Leib
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19:13 16.01.2018
Geertje Gerhold dokumentiert Wams und Kniehose eines sächsischen Kurfürsten – wahrscheinlich von Johann Georg I. Quelle: JACQUELINE STEINER
Brandenburg/H

Geertje Gerhold arbeitet in einer Parallelwelt: Dort begegnen ihr wilde Tataren, Mongolen und Mamluken, die Jungfrau Maria in allen möglichen Erscheinungsformen, Johannes der Täufer oder Adelsvertreter wie der Kurfürst Johann Georg I.

Geertje Gerhold verwaltet einen Schatz: Das sind nicht nur die Kirchengewänder und textilen Utensilien des Domstifts Brandenburg, ganz häufig landen auf ihren Restauratorentischen auch Gewänder aus der Rüstkammer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, aus dem Lutherhaus Eisenach oder aktuell aus dem Kloster Lüne. Die Paramente, Gewänder und Teppiche erzählen Geschichte und Geschichten.

Eine Kniehose und ein Wams werden ihm zugeordnet, im Verzeichnis der Rüstkammer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden erwähnt lediglich ein solches Ensemble als „rehbraun mit Stickereien“. Insgesamt wirkt die Kombination verschlissen, aber an Stellen, an denen es man wenig vermutet – am „Hinterteil“ ist alles in Ordnung, es fehlt an Wetz- und Schabspuren. Über der Brust hingegen scheint der Unterstoff durch.

Die erfahrene Restauratorin tippt auf unsachgemäße Präsentation . „Die Textilien haben wohl zu lange in grellem Licht gestanden.“ Sie dokumentiert alles – Materialien, Stickfäden, Nähfäden, frühere Reparaturversuche. Zum Zählen der vielen Goldfadenknöpfe, die sich in Viererreihen übers ganze Gewand ziehen, ist sie noch gar nicht gekommen. Diese haben im Kern ein durchbohrtes Stückchen Birnbaumholz, um das in verschiedenen geometrischen Mustern vergoldete Silberdrähte gewickelt sind. Gemeinsam mit den Dresdner Kollegen wird in wenigen Wochen beraten, welcher Aufwand notwendig sein wird, um die Stücke wieder in präsentablen Zustand zu versetzen.

Spezialisierung auf mittelalterliche Textilien

Geertje Gerhold absolvierte von 1986 bis 1989 eine Ausbildung zur Textilkonservatorin/-restauratorin an der Abegg-Stiftung in Riggisberg/Schweiz.

Währenddessen gab es Praktika in Addis Abeba (Äthiopien) und Stockholm (Schweden).

Von 1990 bis 2002 erledigte sie unterschiedlichste Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten im In- und Ausland an Textilien vom 4. Jahrhundert v. Chr. bis ins 19. Jahrhundert.

Seit 2003 ist sie Leiterin der Werkstatt für Textilkonservierung und -restaurierung am Domstift Brandenburg, verantwortlich für den hoch- bis spätmittelalterlichen Textilbestand; daneben Konservierung und Restaurierung von historischen Textilien aus Fremdbesitz.

Nur wenig Zeit hat Geertje Gerhold für ein anderes Stück – kreisrund in Gold, Weiß, Rot und Grün. Ab Mitte April gibt es im Landesmuseum Hannover eine Schau zu sehen „200 Jahre Schatzhüterin – die Klosterkammer Hannover“. Das Stück von 50 Zentimetern Durchmesser wurde bislang im Katalog als „Untersatz für einen Kelch“ aus dem 19. Jahrhundert im Kloster Lüne geführt.

Mitgebracht als Gastgeschenk hat es wohl der englische König Georg V. bei einer Visite in Hannover. Doch wurde die Restauratorin stutzig – die millimeterkleinen Flussperlen, die unregelmäßigen roten Granatsteinchen und die grünen Glasperlen sowie die ungewohnten Goldfadenbänder ließen auf eine Fertigung im außereuropäischen Raum schließen. Eine Internetrecherche brachte sie auf die richtige Spur. Höchstwahrscheinleich handelt es sich um eine „Huqqa Mat“, also eine Unterlage für eine indische Wasserpfeife.

Aber weltlichen wie kirchlichen Fürsten waren Herkunft und Glauben der Schöpfer solcher Kunstwerke häufig egal – Hauptsache wertvoll. So ist ein kirchlicher Chormantel aus dem frühen 16. Jahrhundert, repariert mit Mongolen- und Tatarenstoffen aus dem 13. Jahrhundert, die als Gesandtengeschenke oder als Handelsware nach Europa kamen. Orientalische Motive und das so genannte Ledergold – hauchdünn auf Pferdehaut gepresstes Gold, das in Fäden geschnitten wurde – waren die Charakteristika.

Ähnlich freizügig gingen die Herrscher mit einem Kirchenmantel um, der ursprünglich von den Mamluken um 1430 gefertigt wurde. Das waren einst Militärsklaven aus dem zentralasiatischen Raum, die als erfolgreiche Heerführer eigene Reiche gründeten, etwa in Indien oder Algerien. Der Mantel hat eingestickte Palmetten, symmetrische Abstraktionen der Fächerpalme. Das heute beigefarbene Stück war früher leuchtend Rot, die Farbe stammt vom Rotholz, ist aber über die Jahrhunderte fast völlig verblichen. „Obwohl es aus einem islamischen Land kommt, war es für die Kirchenfürsten ein unbedingtes Muss, gerade in der Kombination von Rot und Gold.“

Geertje Gerhold zeigt auf eine andere Kasel (Priestergewand) aus dem Domschatz. Hier wurden in Fehlstellen des roten Seidenstoffes Fragmente eines goldenen Stoffes mit Verzierungen und einem ganzen gestickten Drachen eingesetzt. Und weil das Stück richtig herum nicht das Loch abdeckte, wurde es um 90 Grad gedreht.

Viel Arbeit wartet auf die Restauratorin auch an den Stücken, die zur neuen Gewänderschau am Dom ab Mai gezeigt werden soll. So gibt es ein so genanntes Kaselkreuz, welches der Priester auf dem Rücken trug. Da er in Zeiten kurz vor und während der Reformation die meiste Zeit während des Gottesdienstes mit dem Rücken zum Publikum stand, war diese Darstellung der Heiligen Maria faktisch das „Bilderbuch“ zur Predigt für die meist ungebildeten Menschen.

Aspekte der Marienverehrung spielen zusätzlich hinein. Es ist auch ein Beispiel für plastische Stickereien, fast im 3-D-Format. Doch bis auf wenige Ausnahmen fehlen die Marienköpfe. Es war wohl ein „Werk“ des Kanonikus Franz Bock, der im 19. Jahrhundert eine bedeutende Schrift über sakrale Gewänder im Mittelalter zusammenstellte, aber auch rücksichtslos mit seiner Schere plünderte.

Von André Wirsing

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