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Die Stadtkasse kann auf Drogengeld hoffen

Brandenburg an der Havel Die Stadtkasse kann auf Drogengeld hoffen

In Potsdam müssen sich derzeit vier Drogenhändler aus Brandenburg an der Havel vor Gericht verantworten. Sie müssen mit Haftstrafen rechnen. Das Landgericht wird auch darüber entscheiden, ob die Dealer Steuern zurückzahlen müssen. Denn ihre Dealer-Einkünfte waren beträchtlich.

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Für fast 400 000 Euro sollen die Brandenburger Drogendealer Ecstasy-Pillen im Darknet verkauft haben.

Quelle: dpa

Brandenburg/H. Das Landgericht Potsdam wird in Kürze nicht nur vier Brandenburger Drogenhändler zu Gefängnisstrafen verurteilen. Die Richter in Potsdam entscheiden zudem darüber, ob Brandenburg/Havel womöglich 177.000 Euro Gewerbesteuer zustehen aus dem Gewinn, den die Dealer erzielt haben.

Der Fiskus verlangt von dem angeklagten Brandenburger Mark W., dass er 488.000 Euro Einkommenssteuerschulden an die Landesbehörde sowie 177.000 Euro Gewerbesteuerschulden an seine Heimatstadt abführt. Denn mit seinem Drogengewerbe habe er entsprechende Einkünfte erzielt. Wörtlich bezieht sich das Finanzamt auf Einkünfte, die Mark W. durch seinen „Handel mit Drogen“ erzielt habe, zitierte dessen Verteidiger Detlef Kolloge am Montag vor der 2. Strafkammer in Potsdam aus der Steuerforderung an seinen Mandanten.

Dealer investierte seine Einnahmen in dicke Autos

Nach eigenen Aussagen hat Mark W. mit seinem illegalen Rauschgifthandel zwischen April 2012 und seiner Festnahme im Juli 2013 einen Betrag von 1,052 Millionen Euro erzielt, den er zum Teil in dicke Autos, eine tolle Eigentumswohnung und eine Fernreise investierte. Als das Drogengeschäft besonders florierte, schickte er mit Hilfe seiner Komplizen täglich 50 bis 100 Drogenpakete in alle Welt. Der Handel wurde im finsteren Teil des Internets (Dark Net) abgewickelt, nach Angaben W.’s ging es um Kokain für insgesamt 252 000 Euro, Amphetamine für 200.000 Euro, die Partydroge MDMA (Ecstasy) für 390.000 Euro und Marihuana für 210.000 Euro.

Mark W. gilt als Kopf der Bande, die zeitweise aus vier Mitgliedern bestand. Der frühere Bundeswehrsoldat war laut Staatsanwalt Peter Mitschker „das geistige Oberhaupt“, der Chef, der den größten Überblick hatte und das meiste Geld verdiente. Der Drogenunternehmer beschäftigte die drei weiteren Angeklagten wie Angestellte, denen er Monatsgehälter zahlte – zwischen 2000 und 8000 Euro. Sein längster Mitarbeiter soll in Summe 60.000 Euro erhalten haben, der Dritte im Bunde 12.000 Euro. Der Vierte war nur kurz dabei und wurde gefasst, noch ehe er einen Euro verdient hatte.

Verteidiger beantragten milde Strafen für ihre Mandanten

Der Staatsanwalt hält dem „Chef“ zugute, dass er nicht nur früh umfassend gestanden, sondern insgesamt reinen Tisch gemacht und seine Komplizen verraten habe. Der Staatsanwalt machte deutlich, dass er wegen des langen und intensiven Rauschgifthandels normalerweise zehn Jahre Haft beantragen würde. Weil Mark W. aber so kooperativ war, solle er nur für fünf Jahre und vier Monate ins Gefängnis, seine Komplizen entsprechend ihrer Tatbeteiligungen vier Jahre und zwei Monate, zwei Jahre und neun Monate sowie zwei Jahre auf Bewährung.

Die vier Verteidiger beantragten jeweils mildere Strafen. Einig sind sie sich mit dem Staatsanwalt darin, dass die Drogendealer ihre Einkünfte für ein besseres Leben bereits verprasst haben und sie nach Verbüßung ihrer Haft nicht zusätzlich bestraft und mit einem „Rucksack Schulden“ entlassen werden sollten.

Das Gesetz sieht allerdings vor, dass die Einnahmen aus dem Drogenhandel der Justizkasse zustehen. Die Richter fällen nächste Woche ihr Urteil und entscheiden, ob sie die Angeklagten nicht nur ins Gefängnis schicken, sondern auch zur Kasse bitten.

Von Jürgen Lauterbach

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