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Brandenburg/Havel Die Tage der „Apokalypse“ sind gezählt
Lokales Brandenburg/Havel Die Tage der „Apokalypse“ sind gezählt
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00:32 05.09.2015
Künstlerin Christiane Möbus und der Roskower Ulrich Rahn im Gartensaal. Quelle: Volkmar Maloszyk
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Roskow

„Diese Kachelöfen sind meine Kunst“, sagt Ulrich Rahn schmunzelnd, „die habe ich gebaut.“ Allerdings ist keiner von ihnen vollendet. Künstlerin Christiane Möbus hatte zufällig davon erfahren, dass der Roskower gelernter Ofensetzer ist und ihn für ihre Installation im Gartensaal eingebunden. Als sie das erste Mal im Schloss war, lief er ihr über den Weg. Rahn ist dort seit 40 Jahren Hausmeister. Erst in der Schule, jetzt schaut er im Auftrag von Schlossbesitzer Bodo Krug von Nidda nach dem Rechten.

Schloss Roskow war zum dritten Mal der Gastgeber

Dieser war zum dritten Mal Gastgeber der von der Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg veranstalteten Rohkunstbau-Ausstellung, die am 6. September zu Ende geht. Elf Künstler aus dem In- und Ausland haben sich speziell für diesen Ort mit dem Thema „Apokalypse“ auseinandergesetzt. In freier Interpretation der „Götterdämmerung“, dem letzten Teil von Richard Wagners „Ring der Nibelungen.“

Die Nachbildung des Katteschwertes. Quelle: V. Maloszyk

Auch die Tage von Christiane Möbus mehrteiliger Installation im Gartensaal sind gezählt. Im Zentrum befindet sich der aus Korbsessel, Tisch und fünf Kürbissen aus Aluminiumguss bestehende Thron „Heinrich VIII.“ Eine Reminiszenz an die Geschichte des Hauses und an die Familie _ die Mutter des Schlossherren ist eine Geborene von Katte _ ist die stilisierte Nachbildung des berühmten Richtschwerts, mit dem 1730 Hans Hermann von Katte, der Jugendfreund des späteren Preußenkönigs Friedrich II. auf Anordnung von dessen Vater geköpft wurde. Die in Hannover und Berlin lebende 68-jährige Künstlerin, die bis vor zwei Jahren auch gelehrt hat, ließ diese Alu-Guss-Nachbildung nach Abbildungen aus dem Archiv des Stadtmuseums Brandenburg anfertigen. Mehr als 60 Jahre gehörte das Originalschwert zum Bestand und wurde Anfang 2015 an die Familie von Katte zurückgegeben.

Überlieferte Geschichte zum Katte-Schwert

Das Schwert, das einst im Gartensaal hing, soll 1932 von einem anderen Gut dieser Adelsfamilie nach Roskow gelangt sein. „Mein Urgroßvater Karl Röhl, der als Umsiedler nach Roskow kam, hat das Schwert 1945 im Park gefunden und zunächst in einer Strohmiete versteckt“ , erzählt Ulrich Rahn. Später habe es sein Vorfahre mit dem damaligen Bürgermeister Walter Tietsche ins Heimatmuseum nach Brandenburg gebracht. „Ohne Finderlohn“, schiebt er nach.

Auch wegen dieser überlieferten Geschichte ist das Schwert neben den Kachelöfen sein Lieblingsexponat in dieser Ausstellung. Zwar versuche der 65-Jährige im Gespräch mit Künstlern deren Gedanken zu verstehen, doch viel wichtiger sei ihm, dass die jährliche Rohkunstbau mit Besuchern für Leben im Haus sorge. Bodo Krug von Nidda hatte das Barockschloss, das fast 300 Jahre lang im Besitz der weit verzweigten Adelsfamilie war, vor fünf Jahren von der Gemeinde gekauft. Er will es zum Zentrum für Kunst, Kultur und Veranstaltungen entwickeln. Am 5. September findet die erste Hochzeitsfeier statt. Von 1953 bis 2004 war dort die Schule untergebracht, wo auch Rahns Ehefrau Hannelore als Lehrerin unterrichtet hat.

Der apokalyptische Gedanke vom Ende und Neuanfang steckt auch hinter den an der Fensterfront arrangierten, ruinös wirkenden Kachelöfen aus verschiedenen Jahrzehnten. Sie stammen nicht aus dem Schloss, sondern aus dem Fundus von Möbus, sollen aber eine Replik an das bestehende Heizungssystem sein. „Und es sind Körper, die wie Menschen Wärme ausstrahlen, wenn man sie heizt“, erklärt sie. Die nach ihren Anweisungen gesetzte Trilogie „Apokalypse“ I bis III zeigt den Auf- und Abbau in unterschiedlichen Stadien, das Werden und Vergehen. „Öfen zu bauen ist eine Kunst, die nicht jeder kann“, findet Hausmeister Rahn und bedankt sich bei den Schülern, die ihm früher beim Kohleschleppen halfen und heute Erwachsene sind.

21. Rohkunstbau-Ausstellung geht am 6. September zu Ende

Die „Rohkunstbau XXI“ im Schloss Roskow kann am Wochenende, 5. und 6. September, in der Zeit von 12 bis 18 Uhr noch einmal besichtigt werden. Diese Ausstellungsreihe sowohl für international bekannte als auch für aufstrebende junge Künstler gibt es abseits großer Kulturhochburgen bereits seit 1994. Damals war sie im Spreewald ins Leben gerufen worden und hatte später wechselnde Standorte. In Roskow fand sie zum dritten Mal statt.

Von Claudia Nack

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