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Brandenburg/Havel Die allermeisten Väter übernehmen Verantwortung
Lokales Brandenburg/Havel Die allermeisten Väter übernehmen Verantwortung
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11:20 28.02.2018
Ein Vater mit seinem Kind. Quelle: dpa
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Mittelmark

Rund 55 Prozent der Babys in Potsdam-Mittelmark stammen nach den jüngsten Zahlen des Landesamtes für Statistik von 2016 von nicht verheirateten Eltern. Während bei ehelichen Kindern der Ehemann automatisch als Vater gilt und das gemeinsame Sorgerecht mit seiner Frau teilt, ist das bei unverheirateten Paaren völlig anders. Dort hat automatisch die Mutter das alleinige Sorgerecht. Gemeinsames Sorgerecht tritt ein, wenn der Mann unter Einwilligung der Mutter seine Vaterschaft anerkennt und eine Sorgeerklärung abgibt.

Etwas mehr als 50 Prozent erkennt die Vaterschaft vor der Geburt an

Hier die konkreten Zahlen von Sabine Stöckmann vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg. Zahlen von 2017 liegen dort noch nicht vor: 1716 Neugeborene zählt der Landkreis Potsdam-Mittelmark 2016. 949 Neugeborene stammen von nicht miteinander verheirateten Eltern und 767 von Ehepartnern.

Etwas mehr als die Hälfte der ledigen Väter haben ihre Kinder bereits vor der Geburt durch eine Erklärung beim Jugendamt als ihre eigenen anerkannt. Es waren 535 Männer oder 56 Prozent. 71 Väter vollzogen diesen Schritt vor dem Jugendamt nach der Geburt. Diese Zahlen gab Sebastian Ilsitz, Teamleiter für Unterhalt, Beistandschaften und Beurkundung im Fachbereich Soziales, Jugend und Gesundheit des Landratsamtes auf MAZ-Anfrage bekannt.

Vaterschaft und Sorgerecht

Die Vaterschaftsanerkennung muss öffentlich beurkundet werden. Erkennt der Vater sie vor der Geburt seines Kindes an, muss er einen Nachweis des voraussichtlichen Geburtstermins erbringen. Möglich ist das durch den Mutterpass. Nach der Geburt muss er die Geburtsurkunde dabei haben.

Zustimmen muss der Anerkennung auf jeden Fall die Mutter.

Die Anerkennung kann wie die Sorgerechtserklärung gebührenfrei beim Jugendamt erfolgen oder kostenpflichtig beim Notar oder Amtsgericht.

Um Unterhaltsvorschuss vom Jugendamt zu bekommen, muss die Mutter den Vater angeben. Auch weitere finanzielle Leistungen sind von der Klärung der Vaterschaft abhängig.

Im Umkehrschluss haben 36 Prozent der Väter diesen Schritt nicht getan – jedenfalls nicht vor dem Jugendamt von Potsdam-Mittelmark. Doch möglich ist das bei Standesämtern durch eine Erklärung und unabhängig vom Wohnort des Kindes. So kann auch für ein in Potsdam-Mittelmark lebendes Kind in München eine solche Erklärung des Erzeugers erfolgen. Eine Frist, die Vaterschaft anzuerkennen, gibt es nicht. Auch ist die Erklärung, die jedoch höchstpersönlich abgegeben werden muss, kostenfrei.

„Die allermeisten Väter erkennen ihr Kind an“, sagt Sebastian Ilsitz. Im vorigen Jahr habe es 25 Verfahren zur Feststellung der Vaterschaft gegeben. 2016 waren es 29 Verfahren. In allen Fällen seien die von den Müttern angegebenen Männer die Väter gewesen: Quote also 100 Prozent.

92 Prozent der Väter übernehmen die Verantwortung

Fast alle Väter, die ihre Kinder als ihre eigenen per Erklärung anerkennen, erklären zugleich auch die gemeinsame Sorge für das Kind. 2016 zählte das Landratsamt 493 dieser Erklärungen. Das entspricht 92 Prozent. Im vorigen Jahr waren es Ilsitz zufolge sogar 96 Prozent der Väter, die nicht nur ihre Kinder öffentlich noch vor deren Geburt anerkennen, sondern auch genauso wie die Mutter für ihre Söhne beziehungsweise ihre Töchter sorgen möchten.

Sebastian Ilsitz fasst das so zusammen: „Der Anteil vorgeburtlicher Sorgeerklärungen an vorgeburtlichen Vaterschaftsanerkennungen unter Zustimmung der Mutter liegt im Landkreis Potsdam-Mittelmark seit 2014 bei über 90 Prozent.“

Alleinstehende Mütter erhalten Unterstützung und Rat vom Amt

Erkennt ein Vater sein Kind rechtlich an, treten sofort verwandtschaftliche Beziehungen in Kraft mit unterhalts- und erbrechtlichen Folgen. Ist der Vater dazu nicht bereit, kann die Mutter ein Vaterschaftsfeststellungsverfahren beim Familiengericht beantragen.

„Erhalten wir vom Standesamt die Mitteilung, Vaterschaft ungeklärt, bietet das Jugendamt der nicht verheirateten Mutter Beratung und Beistandsschaft an.“ Oft geht die Mutter dann auf den Vater zu, der dann die Vaterschaft meist anerkenne. Passiert das nicht, gibt es die außergerichtliche Klärung der Abstammung oder den Antrag vor dem Familiengericht auf Feststellung der Vaterschaft.

Labore für genetische Analytik können das klären. „Ein solches gerichtsfestes Gutachten kann etwa 300 bis 400 Euro kosten“, sagt Ilsitz. Dafür werden die Eltern fotografiert, Fingerabdrücke genommen und Blut- oder Speichelproben vom Vater genommen. Was nach dem Erkennungsdienst der Polizei klingt bezüglich Fotos und Fingerabdrücke soll jedoch nur beweisen, wer tatsächlich ins Labor gegangen ist. Der gesetzliche Empfängniszeitraum einer Frau beträgt drei Monate.

Frühe Anerkennung hat Vorteile beim Elterngeld

Das regelt der Paragraf 1600 d des Bürgerlichen Gesetzbuches. Dort heißt es als Vater werde vermutet, wer während der Empfängniszeit der Mutter beigewohnt hat. Diese Spanne umfasst die Zeit zwischen dem 300. und 181. Tag vor der Geburt. „Es ist schon zu verstehen, dass ein Mann seine Vaterschaft geklärt haben möchte, wenn mehrere Partner in Betracht kommen“, sagt Ilsitz.

Doch der Teamleiter im Jugendamt hält das für die ganz große Ausnahme. Bei den allermeisten unverheirateten Eltern sei es keine Frage, dass die Vaterschaft anerkannt werde. „Es hat sich auch herumgesprochen, dass es Vorteile etwa zum Elterngeld hat, die Vaterschaft schon vor der Geburt anzuerkennen“, sagt Ilsitz.

Von Marion von Imhoff

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