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Die erste Tonne Gift ist rausgeholt

Betreiber der Wasseraufbereitungsanlage informiert über die Fortschritte der Schadstoffentfernung in der Mötzower Vorstadt Die erste Tonne Gift ist rausgeholt

Seit fast einem Jahr ist die Wasserreinigungsanlage in der Mötzower Vorstadt in Betrieb. Sie soll in den nächsten Jahren gewährleisten, dass die Schadstoffbelastung des Grundwassers nachlässt und der Beetzsee von Umweltgiften verschont wird.

Brandenburg an der Havel. Am Freitag lud die Betreiberfirma Züblin Umwelttechnik zunächst zu einer Fachtagung. Am Nachmittag informierte das Unternehmen mehrere Dutzend Bürger beim Tag der offenen Tür darüber, wie die Anlage arbeitet und welcher Stand bisher erreicht wurde.

Der Potsdamer Chemiehandel (PCH) hat rund um die Mötzower Landstraße in der Nähe des Beetzsees erhebliche Umweltsauereien hinterlassen - so wie zahllose andere Chemie-, Elektro- und Autohersteller in West- und Ostdeutschland in den fünfziger bis achtziger Jahren. Züblin-Geschäftsführer Peter Högg klärte die Besucher darüber auf, was damals passierte.

Zum Reinigen und Entfetten war es in den Betrieben damals üblich, Lösemittel mit extrem schädlichen chlorierten Kohlenwasserstoffen (LCKW) zu verwenden. Wenn diese flüchtigen Stoffe verdampfen, sinken sie durch den Untergrund, sogar durch Beton. Sie bleiben jahrhundertelang im Erdreich, weil sie nicht natürlich abgebaut werden können.

Im Grundwasser nahe den früheren Tank- und Gleisanlagen sind Schadstoffkonzentrationen nachweisbar, 1000- bis 2500-mal höher als gesetzlich erlaubt. Daher hat die Stadt vor sieben Jahren verfügt, dass in der Mötzower Vorstand kein Grundwasser mehr verwendet werden darf.
Die Sanierungsbemühungen begannen nach jahrelanger Vorbereitung im vergangenen Herbst, nachdem die Finanzierung stand. 6,8 Millionen Euro sind laut Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) dafür vorgesehen, 80 Prozent werden gefördert, der Rest wird aus der Stadtkasse bezahlt.

Die Firma Züblin fährt mit ihrer Wasseraufbereitungsanlage zweigleisig. Einmal geht es um die Sanierung der Schadstoffquelle, also des Bodens dort, wo einst mit den Lösemitteln hantiert wurde. So weit technisch möglich und bezahlbar, versuchen die Verfahrenstechniker die chlorierten Kohlenwasserstoffe unschädlich zu machen, indem sie sie in ihre unschädlichen Bestandteile Wasser, neutralisierte Salzsäure und Kohlendioxid zerlegen.

600 Kilogramm Schadstoffe seien auf diese Weise entfernt worden, berichtete Gutachter und Projektleiter Edgar Boeckmann in seinem Fachvortrag am Vormittag. Etwa ein Jahr werden diese Arbeiten andauern.

Zum zweiten versuchen die Umwelttechniker den Schadstofftransport über den Grundwasserpfad zwischen der Schadstoffquelle und den Beetzsee zu unterbrechen und zu vermindern. Mit dem Ziel die Schadstoffe im Grundwasser zu reduzieren und den Beetzsee von ihnen frei zu halten, wird das Grundwasser in der Anlage gereinigt und so aufbereitet, dass es ohne Schadstoffe in den Beetzsee gepumpt werden kann.

Laut Boeckmann wurden auf diese Weise bisher 320 Kilogramm Schadstoff entfernt, darunter Ammonium, das sich im Beetzsee in für Fische tödliches Ammoniak verwandeln könnte. Dieser Teil des Projekts soll noch sieben Jahre lang weiterlaufen. Zu glauben, das Grundwasser in der Mötzower Landstraße könnte eines Tages wieder genießbar sein, wäre allerdings eine Illusion. Trinkwasser wird daraus nicht wieder, versichert der Diplom-Geologe.

Das Baden im Beetzsee sei hingegen nicht gefährlich. Der Schadstoffgehalt liege dort unterhalb der Grenzwerte der Trinkwasserverordnung. Könnte man das Wasser im Beetzsee also auch trinken?

Boeckmann: "Ja."

Von Jürgen Lauterbach

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