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Brandenburg/Havel Die fliegenden Helfer von Herrenhölzer
Lokales Brandenburg/Havel Die fliegenden Helfer von Herrenhölzer
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00:17 28.05.2017
Herzhaft beißen Grundschüler aus Hohennauen bei einem Besuch in Herrenhölzer in die roten Früchte. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Herrenhölzer

Mit dem Anbau von Erdbeeren unter Folie hat das Gut Herrenhölzer in diesem Frühjahr 1280 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Sie arbeiten fleißig und klaglos von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Das Beste daran: Die neuen Helfer fliegen zu ihren Arbeitsplätzen.

Es sind Hummeln, die für freie Kost und Logis von Blüte zu Blüte eilen. Sie tun das nicht nur gleichmäßiger und effektiver als Honigbienen. Erdhummeln bestäuben eine deutlich größere Menge an Blüten als ihre Verwandten. Für jedes der 16 neu errichteten Gewächshäuser ist ein Volk mit etwa 80 Hummeln zuständig. Die Anzahl reicht aus, um die auf 900 Quadratmeter pro Zelt blühenden 7000 Erdbeerpflanzen unablässig anzufliegen.

Ergebnis umfangreicher Züchtungen

Erdbeeren sind nach Äpfeln die beliebteste Obstart. Die handelsübliche Erdbeere ist das Ergebnis umfangreicher Züchtungen. Heutige Sorten stammen unter anderem aus Deutschland, Italien und den Niederlanden.

Das Gut Herrenhölzer wurde 1998 privatisiert. Es gibt zehn feste Mitarbeiter und 350 Saisonkräfte. Es werden 800 Hektar bewirtschaftet, davon sind 120 Hektar Spargel. Außerdem Getreide, Mais und Grünland.

Mit 400 Hektar im Anbau 2016 hat Brandenburg nach Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern die drittgrößte Erdbeeranbaufläche in Ostdeutschland. Die meisten Erdbeeren bauen die Niedersachsen mit 4000 Hektar an.

„Hummeln sind treu. Sie bleiben gern bei ein und derselben Blütenart“, berichtet Bodo Mönich, seit 1998 neben Jürgen Streit Mitinhaber des Gutes Herrenhölzer. In seinem südhessischen Stammbetrieb hat Mönich bereits Erfahrungen mit dem geschützten Anbau von Erdbeeren unter Folie gemacht. Jetzt wurde die moderne Produktionsmethode nach Herrenhölzer geholt. Über 100 000 Euro hat der Betrieb investiert, um die Früchte früher als die Freilandsorten auf den Markt zu bringen. Für Klaus Henschel, Präsident des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg, eine richtige Entscheidung. „Wer im Gartenbau nicht innovativ ist, hat schon verloren. Der geschützte Anbau ist die Zukunft. Denn jedes in der Region erzeugte Produkt muss nicht importiert werden“, sagte Henschel in dieser Woche bei der landesweiten Eröffnung der Erdbeersaison in Herrenhölzer.

Hummeln übernehmen in den Folienzelten die Bestäubung der Erdbeerpflanzen. Quelle: Frank Bürstenbinder

Betriebsleiter Eckhard Wolter sieht noch andere Vorteile in den über acht Meter breiten und 136 Meter langen Tunnelanlagen. Auf Mittel gegen Pflanzenkrankheiten kann verzichtet werden. Fäulnis ist unter Folie ein Fremdwort. Produktion und Ernte sind von Wind und Wetter unabhängig. Bewässert werden die schnurgeraden und auf Dämmen stehenden Erdbeerreihen über Schläuche. Mittendrin im Folienzelt dient ein Pappkarton als Hummelkasten. Auf dessen Boden befindet sich eine Zuckerlösung als Kraftfutter, denn nur von den Erdbeeren könnten die Hummeln nicht leben. Sie fliegen bei niedrigen Temperaturen und bleiben fit, wenn es unter der Folie sehr warm wird.

Frisch aus dem Tunnel: So sehen die unter Folie gereiften Erdbeeren aus Herrenhölzer aus. Quelle: JACQUELINE STEINER

Die Zuchthummeln nehmen den heimischen Bienen nicht die Arbeit weg. Zwei Hektar beträgt zunächst die geschützte Anbaufläche. Viermal so groß ist die Herrenhölzer Erdbeerplantage unter freiem Himmel. Dort tummeln sich in Zusammenarbeit mit einem Imker wie eh und je die Bienen. Problem in diesem Jahr: Die Spätfröste verschonten das Gut nicht. „Allerdings werden sich die Ertragsverluste mit etwa 25 Prozent in Grenzen halten“, schätzt Betriebsleiter Wolter die Lage ein. Die blühenden Pflanzen wurden in den eiskalten Nächten beregnet und mit Vlies abgedeckt. Landesweit rechnen die Fachleute mit einer deutlich geringeren Erntemenge bei heimischen Erdbeeren. In Herrenhölzer traf es auch die Blaubeeren, die auf etwa fünf Hektar angebaut werden.

Start für eine neue Erdbeeranlage unter Folie mit Betriebsleiter Eckhard Wolter, Staatssekretärin Carolin Schilde, Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann und Vize-Landrat Christian Stein (v.l.) Quelle: JACQUELINE STEINER

Während die Erdbeererträge im Freiland starken Schwankungen unterliegt, erhoffen sich die Herrenhölzer Produzenten vom Start in das Tunnelzeitalter stabilere Erträge. Unter freiem Himmel läuft die Ernte der roten Früchte langsam an. Gutsinhaber Mönich geht davon aus, dass die Preise für regionale Erdbeeren in diesem Jahr auf einem relativ hohem Niveau bleiben werden. Derzeit wird die 500-Gramm-Schale im Hofladen für 3,30 Euro verkauft.

Am Rande der Eröffnung der Gewächshausanlage hat Brandenburgs Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) die Erzeuger und Händler aus dem Umland dazu aufgerufen, die Wochenmärkte in der Havelstadt noch mehr zu bereichern. „Vom Nicolaiplatz als Marktstandort haben wir uns mehr Resonanz versprochen. Aber es funktioniert einfach nicht“, bedauerte Tiemann

Von Frank Bürstenbinder

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