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Die ganze Johanniskirche für ein Cello

Brandenburg an der Havel Die ganze Johanniskirche für ein Cello

Kann das funktionieren? Ein einziges Cello im großen Hauptschiff der Johanniskirche? Jens Naumilkat gibt eine kleine Kostprobe. Das Präludium der zweiten Suite in d-Moll. Ein Stück zum Träumen, zum Abtauchen. „Mehr“, möchte man ihm zurufen und die Befürchtung, dass ein Cello-Solokonzert langweilig werden könnte, ist sofort verpufft.

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Der Brandenburger Musiker Jens Naumilkat.

Quelle: Ina Schidlowski

Brandenburg/H. Kann das funktionieren? Ein einziges Cello im großen Hauptschiff der Brandenburger Johanniskirche?

Jens Naumilkat gibt eine kleine Kostprobe. Das Präludium der zweiten Suite in d-Moll. Ein Stück zum Träumen, zum Abtauchen. „Mehr“, möchte man ihm zurufen und die Befürchtung, dass ein Cello-Solokonzert langweilig werden könnte, ist sofort verpufft. Sein Blick lässt Zufriedenheit erkennen, als er die Wirkung auf sein Ein-Mann-Publikum registriert. Mit einem verstehenden Lächeln zitiert er auch gleich Ludwig van Beethoven: „Nicht Bach, Meer sollte er heißen.“

Natürlich hat auch der Cellist, Komponist und Arrangeur Jens Naumilkat nur einen leiblichen Vater. Und der war kein Unbekannter. Sein Vater, Hans Naumilkat, Komponist, Musikerzieher und Chorleiter, ist vielen einstigen DDR-Bürgern durch seine Lieder „Unsere Heimat“ und das „Bummi-Lied“ ein Begriff. Er habe aber auch Väter im musikalischen Sinne, sagt der 64-jährige Brandenburger Musiker.

Vor allem sei Johann Sebastian Bach zu nennen, ohne den das Cello heute wohl anders klingen würde. Auch der böhmische Cellist und Komponist David Popper gehöre dazu. Des weiteren Domenico Gabrielli, ein italienischer Cellist und Komponist des Barock, von dessen reichem Sonaten-Schatz Naumilkat schwärmt und gleichzeitig bedauert: „Man müsste ein Cembalo haben.“

Mit dem griechischen Komponisten, Schriftsteller und Politiker Mikis Theodorakis hat er nach der Wende lange Jahre zusammengearbeitet, ist mit ihm für Uraufführungen nach Kanada gereist und drei Wochen durch Westeuropa getourt. Auch Astor Piazzolla, argentinischer Komponist und Bandoneon-Spieler, der als Begründer des Tango Nuevo gilt, reiht sich in die Aufzählung musikalischer Väter mit ein.

Dass ein reines Konzert, trotz musikalischer Vielfalt eintönig werden kann, ist dem erfahrenen Musiker bewusst. Deshalb wird es ein Gesprächskonzert sein. „Ich werde etwas zu den Komponisten und den einzelnen Stücken erzählen und wie ich dazu gekommen bin.“

Zusammenarbeit mit Mikis Theodorakis

Jens Naumilkat ist 1953 in Berlin geboren.

Mit 7 Jahren erhält er ersten Cello-Unterricht.

Von 1974 bis 1981 studiert er an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin.

Seit 1981 arbeitet er freiberuflich als Cellist, Komponist und Arrangeur in allen Genres der Musik.

Er arbeitet in verschiedenen Ensembles und Berliner Opernhäusern (u.a. Mitwirkung bei der Uraufführung der 3.Sinfonie von Mikis Theodorakis in Berlin).

Seit 1990 arbeitet er direkt mit Mikis Theodorakis zusammen. Konzerte führten ihn nach Europa, Amerika und Australien.

Jens Naumilkat ist Lehrer an der Musikschule „Vicco von Bülow“ und Vorstandsmitglied der Brandenburger Jazzfreunde.

Das Solokonzert „Meine Väter“ findet am Mittwoch, 19. Juli, in der Johanniskirche Brandenburg statt. Beginn ist 20 Uhr. Die Karten kosten 10 Euro.

Zur Musik kam Jens Naumilkat schon im frühen Kindesalter. 1953 als drittes Kind in einem musikalischen Elternhaus in Berlin geboren, wuchs er im Stadtteil Prenzlauer Berg auf. „Meine Eltern waren beide Chorleiter, mein Vater auch Komponist“, sagt er, und, dass viel Hausmusik gemacht wurde. „Zusammen mit meiner Schwester und meiner Mutter habe ich Telemanns Triosonaten gespielt.“

Weihnachten 1960 bekam er dann sein erstes eigenes Cello. Er besuchte die Kinderklasse der Berliner Hochschule für Musik „Hanns Eisler“, an der er von 1974 bis 1981 auch studierte. Mit dem Professor Josef Schwab habe er seinen Traumlehrer gefunden, berichtet er. Bereits während des Studiums beschäftigte er sich mit Jazz und zeitgenössischer Kammermusik, er arbeitete mit der Liedermacherin Barbara Thalheim zusammen, mit dem Jazzpianisten Reinhard Walter und dem Jazzgitarristen Toto Blanke. Er betätigte sich auch zunehmend als Arrangeur und Komponist.

Seit einem Autounfall 1977 ist Jens Naumilkat auf einen Rollstuhl angewiesen. Auch ein neues Cello musste damals her. Seither hat es ihn immer begleitet. Er staunt selbst, dass es mittlerweile 40 Jahre sind.

Die Liebe brachte den gebürtigen Berliner der seit 1981 freiberuflicher Cellist ist, nach Brandenburg an der Havel. Er arbeitet hier als Lehrer an der Musikschule „Vicco von Bülow“, ist musikalischer Leiter des „Collegium musicum“ und engagiert sich seit einigen Jahren bei den Brandenburger Jazzfreunden. Doch ein Solokonzert kam ihm nie in den Sinn. „Ich hatte kein Konzept dafür“, sagt er und dass er lange Jahre im Jazzbereich gearbeitet habe, in dem sich ein Solo nicht anbietet.

„Durch den Unterricht habe ich mich wieder mehr der Klassik gewidmet“, das sei ein Grund. Doch eigentlich waren es Freunde, die ihn ermutigten, allein auf die Bühne zu steigen. Ein bisschen Angst habe er schon, gibt er lachend zu, aber die Johanniskirche sei eine tolle Konzerthalle: „Ich weiß, dass es gut klingt.“

Von Ina Schidlowski

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