Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Regen

Navigation:
Die halbe Welt in Fernost erstrampelt

Radlerpaar auf Stippvisite in Brandenburg Die halbe Welt in Fernost erstrampelt

Sigrid und Jürgen Pastor waren auf Stippvisite in der alten Heimat. Vom Sattel aus erkundet das Paar, das einst zusammen in der Stadt Brandenburg an der Havel aufgewachsen ist, fremde Länder. Die frühere Schwimm-Europarekordlerin und ihre Mann haben beste Eindrücke von Myanmar – und vielen anderen Ecken der Welt – mitgebracht.

Voriger Artikel
Politiker Förster: Allein gegen alle
Nächster Artikel
Ein Geschenk, das man nicht einfach aufgibt

Nicht nur in Brandenburg, sondern auf der ganzen Welt sind Sigrid und Jürgen Pastor mit ihren Fahrrädern zu Hause.

Quelle: Foto: Volkmar Maloszyk

Brandenburg an der Havel. Gegen andere Fahrradreisen, die Sigrid und Jürgen Pastor (beide 63) schon unternommen haben, nimmt sich die rund 540 Kilometer lange Strecke von Duisburg nach Chemnitz eher als Spitztour aus. Das aus Brandenburg/Havel stammende Ehepaar hat gerade Station gemacht in der alten Heimat, wo sich beide vor einigen Jahrzehnte im Kindergarten kennengelernt hatten und gemeinsam zur Schule gingen. „Aber damals wollte sie noch nichts von mir wissen“, sagt Jürgen Pastor und lacht.

Ex-Europarekordlerin 800 Meter Freistil

Sigrid Goral ist der Mädchenname von Sigrid Pastor. Sie wurde 1942 im Brandenburger Stadtbad am Messelplatz, also in ihrem Elternhaus, geboren. Sie besuchte wie ihr späterer Ehemann bis zur 7. Klasse die Kinder- und Jugendsportschule in der Stadt. Wegen ihres großen Schwimmtalents wechselte sie 1966 nach Rostock.

Die Leistungsschwimmerin stellte als 16-Jährige am 16. August 1968 den Europarekord im 800-Meter-Freistilschwimmen auf. Mit einer Zeit von 9 Minuten und 43,5 Sekunden unterbot sie den alten Rekord um 1,5 Sekunden. Im gleichen Jahr wurde die Starterin des SC Empor Rostock auf dieser Strecke DDR-Meisterin und nahm an den Olympischen Spielen in Mexiko teil. Später war sie beruflich Gruppenleiterin in einer Behindertenwerkstatt.

Jürgen Pastor lebte bis 1972 in der Stadt Brandenburg. Er war Technologiechef bei Siemens in Chemnitz. Sein älterer Bruder, der Tüftler und Taucherpapst Horst Pastor (73), viele Jahre lang Chef der Firma Tauchertechnik, lebt mit seiner Familie nach wie vor in Brandenburg.

Anstrengende und aufregende Wochen liegen hinter den Ex-Brandenburger. Von April bis Juni haben sie China acht Wochen lang mit dem Rad bereist, mit eigenen Fahrrädern und auf eigene Faust. Nicht das ganze Riesenreich natürlich, sondern im Wesentlichen den Süden bis nahe an Tibet, zwischendurch auch einmal mit Streckenabschnitten in Bussen und Zügen.

„Zwei Drittel Berge, ein Drittel Tal“, fasst Sigrid Pastor die 2600 Kilometer lange Radtour zusammen. Eine Navigationsapp erleichterte die Orientierung. Denn mit Deutsch und Englisch kommt man in China nicht weit, nicht einmal in den großen Städten, wie das sportliche Paar berichtet, das sich auch nicht geschlagen gab, als die gerade befahrene Straße mal eben von ihrem Smartphone verschwand.

„Mut, Abstriche bei Komfort, Anpassungsfähigkeit, Draufeinlassen“ so beschreibt Sigrid Pastor die wichtigsten Voraussetzungen für eine Tour auf dem Sattel in der fernöstlichen Fremde. Die beiden Fahrradtouristen haben schon in vergangenen Jahren wiederholt die Probe aufs Exempel gemacht und diese Form des Reisens für sich entdeckt.

Myanmar: Unverdorben von Geld und Tourismus

„Mit Rom-Chemnitz haben wir 2008 angefangen und gleich mal die Alpen überquert“, erzählt der Bruder des bekannten Brandenburger Tauchpapstes Horst Pastor. Das Ehepaar kam auf den Geschmack und geht seither immer wieder auf die große Satteltour in der Wildnis.

Von Bangkok, über Laos und Vietnam nach Kambodscha sind die beiden Pedalritter geradelt. Besonders beeindruckt waren sie von Myanmar, dem früheren Burma. „Dort haben wir die asiatischen Menschen in ihrer ursprünglichen Art erlebt, ganz unverdorben von Geld und Tourismus“, berichtet Jürgen Pastor. Er und seine Frau empfanden die Bewohner von Myanmar als besonders freundlich in einem insgesamt sehr gastfreundlichen Teil der Erde.

Hinzu kommt, dass sich Asiaten nach dem Eindruck des deutschen Ehepaares deutlich rücksichtsvoller als Europäer im Straßenverkehr bewegen. Die beiden konnten (und durften) in Myanmar sogar auf der Autobahn radfahren.

Nicht auf die Länge kommt es an, sondern auf die Eindrücke

Je nach Streckenprofil legen die Fahrradurlauber im Schnitt etwa hundert Kilometer pro Tag zurück. Die anspruchsvollste Tour verlief durch Tasmanien, die längste durch vier Länder von und nach Bangkok. Am Ende zeigte der Tachometer 3500 Kilometer an. Doch nicht die Länge ist für Sigrid und Jürgen Pastor entscheidend, sondern die Eindrücke und Erlebnisse an der Strecke, die Zeit zu Schauen und Genießen, die sich beide immer gönnen.

Aktuell hatten die Wahlchemnitzer ihre Tochter in Duisburg besucht und sich von dort in Richtung Osten auf den Weg gemacht mit längeren Zwischenstopps bei Verwandten in Potsdam und bei Familie Pastor auf dem Görden.

Von Jürgen Lauterbach

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg/Havel

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg