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Brandenburg/Havel Stück um Sterbehilfe: „Alices Reise in die Schweiz“ am Brandenburger Theater
Lokales Brandenburg/Havel Stück um Sterbehilfe: „Alices Reise in die Schweiz“ am Brandenburger Theater
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18:12 28.02.2019
„Alices Reise in die Schweiz“ in der Studiobühne: Cindy Stern als Assistentin Eva, Philina Kahl als Margret, David Boten als Gustav Strom, (v. li.). Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

Letzter Ausweg Freitod: Das Thema Sterbehilfe ist umstritten. Mit dem Für und Wider des heiklen Topos setzt sich das studentische Theaterprojekt der Medizinischen Hochschule BrandenburgTheodor Fontane“ jetzt auseinander.

Das Stück „Alices Reise in die Schweiz“ nach dem Text von Lukas Bärfuss hat am Mittwochabend in der Studiobühne des Brandenburger Theaters das zahlreiche Publikum beeindruckt. Eine weitere Aufführung ist an diesem Freitagabend zu sehen.

Letzter Ausweg Freitod: Das Thema Sterbehilfe ist umstritten. Mit dem Für und Wider des heiklen Topos setzt sich das studentische Theaterprojekt der Medizinischen Hochschule Brandenburg „Theodor Fontane“ jetzt auseinander.

Dabei gibt es in der ersten Aufführung gleich zwei zusätzliche Premieren. Aus dem Jugendtheater des Brandenburger Theaters und aus seiner Arbeit in einer Jugendband ist Fritz Schulze ja schon bekannt. Jetzt übernahm er für die Aufführungen in der Havelstadt die Rolle des Vermieters Walter. Außerdem musste Regisseurin Philina Kahl wegen krankheitsbedingtem Ausfalls der Margret-Darstellerin Dorothea Breuer deren Rolle übernehmen.

Zwei Veränderungen, die dem Stück keineswegs schlecht taten, sowohl Schulze als auch Kahl wussten in ihren Rollen zu überzeugen. Das traf aber auch auf die anderen Akteure auf der Bühne zu. Angefangen von Wencke Schürmann als Alice, über David Boten als Dr. Gustav Strom, Greta Uhlenbrock als Alices Schwester Lotte oder Cindy Stern, der verliebten Assistentin Eva.

Tiefgründige Dialoge

Die Geschichte von Alice aus Norddeutschland, die sich umbringen will, aber ohne jemandem damit eine Last aufzubürden, wird mit tiefgründigen, manchmal vielleicht zu demonstrativ gestellten Dialogen dennoch beeindruckend erzählt.

Wie geht man damit um, sterben zu wollen, wie schafft man es überhaupt, diesen Schritt zu gehen? Worauf muss man achten, wen kann man einbeziehen, ohne das derjenige aus dieser Situation vielleicht Schaden nimmt? Fragen, die eindrucksvoll in diesem Stück angerissen werden, ohne dabei jemandem sagen zu wollen, so geht das, ohne eine Anleitung zum Sterben zu geben.

Denkanstöße für die Zuschauer

Eher soll dem Zuschauer ein Denkanstoß geboten werden, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen. Diese Entscheidung, wissentlich aus dem Leben zu scheiden, aus eigener Bestimmung heraus, ist nicht eine Entscheidung, die man am Ende nur für sich allein trifft.

Ein Beispiel dafür ist die englische Patientin Margret, die immer wieder Anlauf nimmt und sich bei Strom einfindet, aber auch immer wieder ein Hintertürchen sucht, um den letzten entscheidenden Schritt dann doch nicht zu gehen.

Oder Alice selbst, die sich zu ihrem Gustav immer intensiver hingezogen fühlt, und es den Anschein hat, sie möchte die Verantwortung mit ihm teilen. Selbst ihre Schwester Lotte, die eigentlich überhaupt keine Zeit hat, sich aber aufopferungsvoll um ihre Alice zu kümmern scheint, vermag es nicht, sie von ihrem Vorhaben abzuhalten.

Als Arzt an den Eid gebunden

Mit Hilfe von Gustav soll das Problem aber gelöst werden. Immerhin ist er Arzt und Schweizer und sieht dieses Thema eher pragmatisch. Er soll ihr helfen, ihren Todeswunsch in seinem Land legal erfüllen zu können. Der Arzt Gustav Strom hat einen Hippokratischen Eid geleistet und sieht seine Aufgabe darin, Menschen von ihrem Leid zu erlösen.

Er sagt: „Die Würde des menschlichen Lebens liegt in der Freiheit, den Zeitpunkt des eigenen Todes wählen zu können.“ So findet er für jedes Problem die passende Lösung.

In Alices Fall heißt die Lösung Pentobarbital, in einer Dosis von drei Gramm, und weiter benötigt man nichts als eine Plastiktüte. Gustav meint, es wäre besser, wenn Alice dafür in die Schweiz fahren würde, weil seine Hilfe dort nicht verboten ist. Aber seine Hilfe wird auch problematisch, denn mit seinem Ausschluss aus der Ärztekammer, darf er nicht mehr praktizieren und somit auch keine Rezepte mehr ausstellen, aber er will doch Alice und Margret helfen.

Zweifelhafte Unterstützerin

Eher eine zweifelhafte Unterstützung findet Gustav Strom schließlich in seiner Assistentin Eva, die von seiner Arbeit mehr als angetan ist und unbedingt für und mit ihm arbeiten will. Aber was nun das Richtige ist, lässt auch das Stück bei diesem äußerst sensiblen Thema offen.

Seit Juli vergangenen haben sich die Studenten der MHB mit ihrem Theaterprojekt zum Thema Sterbehilfe auseinander gesetzt und unter Leitung von Regisseurin Philina Kahl. Sie haben auf beeindruckende Weise Einblicke in die Gedanken rund um dieses Thema erarbeitet, die unbedingt sehenswert sind und den Zuschauer einerseits bei Szenen heiter lachen, aber auch nachdenklich überlegen lassen.

Von Rüdiger Böhme

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