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Brandenburg/Havel Die letzten Augenblicke von 177 Tagen
Lokales Brandenburg/Havel Die letzten Augenblicke von 177 Tagen
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00:34 15.10.2015
Der letzte Moment: Die Besucher sind weg, die Buga vorbei, gleich beginnt der Abbau in St. Johannis.   Quelle: Foto: Rougk
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Brandenburg an der Havel

 Wehmut liegt über dem Ort und dem Moment. Es ist Sonntag, 17.45 Uhr. Die Abendsonne scheint durch die Fenster. In wenigen Minuten wird die Bundesgartenschau ihre Pforten schließen und damit ist auch die Johanniskirche als mein „Buga-Magnet“ ein Teil Geschichte. Das ist das Gemäuer ohnehin. Doch gleich ist eben endgültig Schluss mit der bunten Pracht. Ein paar Besucher huschen schnell noch an der uniformierten Dame vorbei um einen letzten Blick auf die sterbende Pracht zu erhaschen.

 In der Tat haben die Dahlien ihre besten Tage hinter sich, die Farben weichen dem Braun des Herbstes und auch die Ginkgo-Bäume lassen ihre Blätter hängen. Es ist, als würden sie leise Servus sagen.

Wenn es eines sichtbaren Beweises dafür bedurfte, was die Buga der Stadt Brandenburg gebracht hat, genügt ein Blick auf diese Kirche, die Jahrzehntelang als Ruine im Herzen der Stadt stand. Mit der Entscheidung, die Buga an die Havel zu holen, erwachte die mit einem Flachdach notdürftig geschützte Ruine unter den Händen der Architekten des Büros von Achim Krekeler zu neuem Leben.

Seit dem 13. Jahrhundert gehört der als Franziskanerkloster errichteten Sakralbaus zur Stadt. Doch erst, als vor vier Jahren begonnen wurde, das Kirchenschiff mit einer Stahlkonstruktion stabilisieren, erkannten die Brandenburger nach und nach, welch Schatz dort im Weltkrieg zerstört worden war.

 Als das gotische Dach in 60-Grad-Neigung aufgesetzt wurde und mit dem neuen Westgiebel aus Stahl und Glas ein modernes Gesicht bekam, wuchs die Vorfreude.

Kurz vor der Buga-Eröffnung, als die Gartenbauer in der Nacht damit beschäftigt waren die erste Schau einzurichten und dafür das warme Licht der Lampen erstmals wieder durch die Scheiben drang, habe ich die Johanniskirche endgültig ins Herz geschlossen.

 Stets war es das gleiche Bild, wenn ich in den letzten Monaten die Schauen und die Menschen dort ansah. Fast andächtig betraten die Besucher die Kirche, der Blick ging nicht in die Weite, sondern in die Höhe. Stiller waren sie als sonst in Blumenhallen und vorsichtiger im Umgang mit den Pflanzen. Sie bewegten sich so, wie man sich in einer Kirche bewegt. Bald wird die Kirche ein Ort des Lebens, der Besinnung und der Kultur sein. Etwas, das die Gartenschau überdauert.

Punkt 18 Uhr ist die Johanniskirche leer. Stille liegt über dem Kirchenschiff. Etwas kritisch mustert mich, den letzten Gast, die Dame vom Einlass, wie ich so da oben allein auf der Empore stehe. Es ist mein Moment des Abschieds.

Von Benno Rougk

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