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Diebe stehlen eimerweise Trauben – Weinlese in Gefahr

Brandenburger Marienberg Diebe stehlen eimerweise Trauben – Weinlese in Gefahr

Die nächste Weinlese auf dem Brandenburger Marienberg ist in Gefahr. Diebe stehlen eimerweise Trauben von den Rebstöcken. Die Geschäftsleitung ist nun in Sorge, ob die Ernte noch zum Keltern von Wein reichen wird.

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Die Rebstöcke auf dem Marienberg hängen voller Trauben. Das haben auch Diebe bemerkt.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. Innerhalb weniger Tage waren im Juli die gut 1000 Flaschen Wein vom Marienberg ausverkauft, die erstmals seit dem Mittelalter wieder aus dem Wein gekeltert wurden, der auf Brandenburgs höchster Erhebung, dem Marienberg, wächst. Doch die Wiederholung des Erfolges ist in Gefahr! Dabei ist es nicht die gemeine Reblaus, die den 3000 Reben der Sorten Solaris und Johanniter gefährlich wird. Nein, es ist der Brandenburger Langfinger, der im Rudel auftretend, die nächste Ernte zu ruinieren droht. „Die Leute kommen am helllichten Tag mit Eimer und Schere und schneiden sich unsere Trauben von den Reben“, erzählt Brawag-Geschäftsführer Uwe Müller. Der Chef der städtischen Wasserbetriebe und der Stadtwerke war es, der das Buga-Projekt Weinberg vorantrieb, mehrere hunderttausend Euro in den Berg investierte und der es mit sichtlichem Stolz genoss, wie gut das Marienberg-Wasser den Brandenburgern schmeckte, nachdem die ersten Flaschen verkauft wurden.

Kein Mundraub

Mundraub ist ein vom Gesetz nicht mehr verwendeter Begriff, der den Diebstahl von Nahrungs- oder Genussmitteln in geringer Menge oder von unbedeutendem Wert zum alsbaldigen Verbrauch zum Gegenstand hatte. Dieser Straftatbestand wurde 1975 abgeschafft – und verschärft.

Nach der Bibel gab es Fälle erlaubten Mundraubes: „Wenn du in den Weinberg eines andern kommst, darfst du so viel Trauben essen, wie du magst, bis du satt bist, nur darfst du nichts in ein Gefäß tun.“

Anders als angenommen, blieb Mundraub früher keineswegs straffrei, sondern nur unter Eheleuten und bestimmten Verwandten. Auch die Früchte von Kulturpflanzen durften und dürfen nicht einfach gepflückt werden. Das unerlaubte Betreten umzäunter Flächen ist Hausfriedensbruch.

Lediglich bei wildlebenden Pflanzen darf man Früchte „in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich entnehmen und sich aneignen“, sofern kein Betretungsverbot besteht. „Wildlebend“ ist der Wein auf dem marienberg nicht.

Seit der Strafrechtsreform 1975 wurde der Mundraub abgeschafft. Es wird kein Unterschied mehr gemacht zwischen dem Stehlen eines Apfels und eines Kugelschreibers; beim heutigen Diebstahl handelt es sich daher um eine Strafverschärfung und nicht um eine Entkriminalisierung. Allerdings wird die Tat nur auf den Strafantrag hin verfolgt. ro

Ursprünglich hatten Müller und die Mitarbeiter der Lebenshilfe, die den Weinberg betreuen, gehofft, im Jahr 2016 deutlich mehr ernten zu können als im Buga-Jahr, als man gut 1000 Flaschen von den etwa 3000 Rebstöcken als Ertrag verbuchte. Doch obwohl die Trauben längst noch nicht so süß sind, wie sie in den kommenden vier Wochen noch werden, kennen viele Diebe kein Pardon. „Wir reden hier nicht von einer gemopsten Traube sondern von Diebstahl in Größenordnungen“, klagt Müller. Das Problem: Die Menschen stehlen offenbar ohne jede Scheu und reagieren sogar mit Unverständnis, wenn man sie wegjagt. Einen Sicherheitsdienst zu beauftragen, der den ganzen Tag den Weinberg schützt, kann sich Müller nicht leisten. Selbst wenn man 3000 Flaschen für je zehn Euro verkaufe, bliebe nicht genug Geld um einen Wachschutz auf dem Marienberg zu bezahlen. Brawag-Chef Müller: „Ich kann nur an die Brandenburger appellieren, sofort die Polizei zu rufen, wenn sie Diebe im Weinberg entdecken.“ Doch auch er weiß, dass das schwierig ist. Denn schließlich gehört es zum Konzept des offenen Weinbergs, die Leute auf den Wegen des Berges flanieren zu lassen um zu erleben, wie so ein Weinberg funktioniert und was auf ihm kreucht und fleucht.

Inzwischen hat Müller Sorge, dass „ein paar Leute das kaputt machen, was viele andere in Jahren aufgebaut haben.“ Durch die Selbstbedienungsmentalität „ist die ganze Ernte in Gefahr.“ Bleiben die Einnahmen aus, könnte das Projekt sterben, denn dauerhaft bezuschussen dürfen den Wein weder die Brawag noch die Stadtwerke. Eine Lösung könnte ein Zaun sein, den die Brawag in den Monaten errichtet, in denen die Trauben an den Reben hängen. Das jedoch mache die Projektidee und das gute Image kaputt, ist Müller überzeugt.

Von Benno Rougk

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