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Dietlind Tiemann schafft Sprung in den Bundestag

Wahlkreis 60 Dietlind Tiemann schafft Sprung in den Bundestag

Es bleibt dabei. Dietlind Tiemann (CDU) gewinnt seit 2003 jede Wahl, bei der sie antritt. Zweimal wählten sie die Brandenburger zu ihrer Oberbürgermeisterin, wiederholt war sie als Zugpferd ihrer Partei bei Kommunalwahlen erfolgreich. Am Wahlsonntag schafft sie als Direktkandidatin im Wahlkreis 60 den Sprung in den Bundestag. Die SPD-Hochburg ist gefallen.

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Dietlind Tiemann (CDU) hat ihr Wahlziel erreicht. Die Oberbürgermeisterin, hier mit ihrer Familie, zieht in den Bundestag ein.

Quelle: foto: J. STEINER

Brandenburg/H. Es bleibt dabei. Dietlind Tiemann (CDU) gewinnt seit 2003 jede Wahl, bei der sie antritt. Zweimal wählten sie die Brandenburger zu ihrer Oberbürgermeisterin, wiederholt war sie als Zugpferd ihrer Partei bei Kommunalwahlen erfolgreich. Am Wahlsonntag schaffte sie als Direktkandidatin im Wahlkreis 60 den Sprung in den Bundestag.

Tiemanns Start-Ziel-Sieg

Schon früh zeichnet sich der Sieg der 62 Jahre alten CDU-Kommunalpolitikerin ab, die seit Dezember 2003 an der Spitze ihrer Heimatstadt steht. Die SPD-Hochburg ist am Sonntag gefallen. Erstmals holt mit ihrem Wahlerfolg eine Kandidatin der CDU den Wahlkreis, der seit der Vereinigung fest in SPD-Hand gewesen ist.

Mit jeder Ergebnisaktualisierung stabilisiert sich der Trend zugunsten Tiemanns. Am Ende ist ihr Vorsprung nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis eben so deutlich wie am Anfang der Auszählung.

Bei einer Wahlbeteiligung von 69,9 Prozent liegt die CDU-Kandidatin um 6,7 Prozentpunkte vor Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg, der für die SPD ins Rennen gegangen ist, durch seine schwere Krankheit aber stark beeinträchtigt war im Wahlkampf.

Am Morgen bei ihrer Stimmabgabe in ihrem Ortsteil Klein Kreutz gab sie zu, doch „sehr aufgeregt“ zu sein, augenscheinlich verunsichert von den Wahlprognosen der renommierten Institute, die am Ende aber alle weit neben der Realität lagen.

Am Abend trifft sie vier Minuten vor der ersten offiziellen Prognose im CDU-Feierlokal „Werft“ ein. Als die ersten Zahlen über den Monitor flimmern, ist es still im Raum, da lagen die Bundesprognosen für die CDU bei 32,5 Prozent.

Ein Selfie mit jedem Gast

Etwa 100 Menschen diskutieren in kleinen Grüppchen am Büffet. Als die Hälfte der Wahlbezirke im Wahlkreis 60 ausgezählt sind, erschallt aus den Lautsprechern „Ein Hoch auf uns“ von Andrea Bourani. Wahlkampfmanager Walter Paaschen nähert sich Dietlind Tiemann mit einem Strauß voller Wiesenblumen. Sie schüttelt energisch den Kopf, lässt sich unter dem Applaus der Umstehenden die Glückwünsche dennoch gefallen.

Tiemann muss mit jedem Gast mindestens ein Selfie beziehungsweise Erinnerungsfoto über sich ergehen lassen und schneidet bereitwillig eine Riesentorte von Junger Union und Mittelstandsvereinigung an, auf dem ihr Wahlkampfmobil mit ihrem Porträt abgebildet ist. Irgendwie scheint sie es immer noch nicht glauben zu wollen. Im MAZ-Gespräch gibt sie die „Mischung aus Leere nach dem anstrengenden Wahlkampf und Vorfreude auf so viel Neues“ unumwunden zu.

„Aber die Situation habe ich ja schon einmal erleben dürfen, als ich Oberbürgermeisterin geworden bin.“ Das Wahlergebnis insgesamt stimme sie besorgt, „wir werden daraus lernen müssen, dass wir den Bürgern nicht immer nur sagen dürfen, wo es langgeht, wir müssen ihnen viel mehr zuhören, ihre Sorgen und Ängste ernst nehmen“. Der Vorsprung gegenüber den Mitbewerbern gebe ihr ein schönes Gefühl, am Montag werde sie sich zuerst mit ihrem Wahlkampfteam zum Frühstück treffen, die kleine Mannschaft habe Übermenschliches geleistet, „aber ich verlange von ihnen so viel wie von mir selbst“.

Die Ergebnisse nach der Auszählung von 330 der 334 Wahlbezirke

Die Bundestagswahl im heimischen Wahlkreis 60 befindet sich auf der Zielgeraden. 332 der 334 Wahlbezirke des Wahlkreises 60 sind um 21.36 Uhr ausgezählt. Deutliche Gewinnerin ist Dietlind Tiemann (CDU). Die CDU-Direktkandidatin, Oberbürgermeisterin in Brandenburg/Havel, liegt mit 31,8 Prozent der Erststimmen vorn.

Ihr folgt Erardo Rautenberg (SPD) mit 25,1 Prozent. Den dritten Platz belegt mit 16,9 Prozent Klaus Riedelsdorf (AfD) vor Anke Domscheit-Berg (Linke) mit 15,1 Prozent, die aber über die Landesliste sicher in den nächsten Bundestag einziehen wird.

Die CDU im Wahlkreis 60 liegt nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis bei den Zweitstimmen im Wahlkreis 60 mit 28,2 Prozent vor der SPD (20,7 Prozent), der AfD (17,9 Prozent) und den Linken (16,6 Prozent).

Die FDP liegt im Wahlkreis bei 6,5 Prozent, die Bündnisgrünen bei 4,2 Prozent. Die rechtsextreme NPD schafft 0,9 Prozent, etwa so viele wie die Freien Wähler (1,2 Prozent), Die Partei (1,1 Prozent). Die Tierschutzpartei holt 1,7 Prozent. Die Wahlbeteiligung liegt amtlichen angaben zufolge bei 69,9 Prozent.

Von Jürgen Lauterbach und André Wirsing

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