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"Domfelsen" peilt den Heimathafen an

Schifffahrt in Brandenburg/Havel "Domfelsen" peilt den Heimathafen an

Das Mess-Schiff der Wasserstraßendirektion Ost sucht derzeit eine neue Fahrrinne im Quenzsee. Es wurde 1995 auf der Plauer Werft gebaut. 

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Fast so breit wie lang: Das Peilschiff „Domfelsen“ ist mit großen Auslegern auf dem Quenzsee unterwegs.

Quelle: André Wirsing

Brandenburg/Havel. "Domfelsen" ist wohl der unpassende Name für ein Schiff, das seine Schwingen ausbreitet, als wolle es gleich aus dem See abheben. "32,82 Meter" Messbreite zeigen die riesigen Monitore an, die jeweils vor Schiffsführer Jürgen Buch und Techniker Sascha Schreiber stehen.

Dieses Schiff transportiert weder Güter noch Touristen, nur Daten. Es handelt sich um das Peilschiff der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost ‒ ist auf der Elbe von Hamburg bis Tschechien, auf der Oder von Ratzdorf bis Polen sowie auf allen Wasserstraßen dazwischen unterwegs. 2000 Wasserstraßenkilometer Aktionsradius.

Seit zwei Tagen geht es über die Havelseen ‒ am Dienstag über den Plauer See, gestern über den Quenzsee. Erkundet wird, wo eine neue Fahrrinne für die Güterschifffahrt verlaufen könnte, ohne dass allzu viel ausgebaggert werden muss.

Schiffsführer Jürgen Buch steuert das Gefährt, das ohne Ausleger schon allein 34,80 Meter lang und 9,24 Meter breit bei 90 Zentimetern Tiefgang ist, wie ein Kinderspielzeug. Zentimetergenau steuert er mit zwei Joysticks das unhandlich wirkende Schiff an Fahrrinnen-Tonnen und Reusen vorbei, drei Schottel-Ruderpropeller-Motoren ermöglichen Wendigkeit auf engstem Raum. Manchmal ist dies auch dringend nötig. Das entgegenkommende Güterschiff "Nawatrans VII" bittet er per Funk, kurz langsamer zu fahren, damit seine noch knapp 200 Meter währende Peilfahrt beendet werden kann. Kein Problem. "Aber mit den Sportschiffen gibt es immer wieder Ärger. Uns sind sie auch schon mit den schwimmenden Häusern trotz Warnbaken und Blaulicht über die Ausleger gefahren", erzählt Buch. Das Blaulicht gibt ihm keine Sonderrechte, soll nur den anderen Verkehr warnen. Der Schiffsführer fährt lieber auf Seen als durch enge Kanäle. Auch wenn dort manche Überraschung lauert. Ein kaum wahrnehmbarer Ruck geht durchs Schiff. Aufgesessen. Routiniert steuert er zurück, das Schiff hat keinen Kiel, nur einen flachen Bauch. Diesmal schafft er es nur mit Motorkraft. "Im Notfall pumpen wir die Wasserballast-Tanks leer, dann hebt sich das Schiff auf nur 75 Zentimeter Tiefgang." Alles Routine. Kurze halblaute Kommandos wechseln zwischen Schreiber und Buch hin und her. Der Peiltechniker sitzt vor drei Monitoren, er sagt an, wann an welchem Punkt die nächste Messfahrt beginnt.

Auf den 33 Metern Breite gibt es 69 Echolote. Die schicken jeweils 20 Funk-Pings in der Sekunde in Richtung Grund. "Beim Fahrtempo von zwei Metern pro Sekunde bekommen wir auf der ganzen Breite alle zehn Zentimeter ein Messergebnis", erläutert Schreiber. Damit sich ausgehende und zurückkehrende Signale nicht überlagern, gibt es zudem unterschiedliche "Sende"-Frequenzen, 180, 200 und 220 Kilohertz. Das ist so genau, dass sich sogar die Ankerspuren von nachts auf dem See treibenden Schiffen nachvollziehen lassen. Vor zwei Jahren hat die "Domfelsen"-Crew auch den kunterbunten VW-Bus auf dem Grund des Silokanals geortet, dort wollte einer seinen Schrott billig entsorgen.

Die Pflanzen Wasserpest und Seerosen sind dem Techniker ein Gräuel. "Alles, was bis zwei Meter Wassertiefe angezeigt ist, wird erst einmal als Fehler klassifiziert." Abends muss er mühselig die verfälschten Ergebnisse herausrechnen, um ein objektiveres Messergebnis zu bekommen. Die Daten werden paketweise per E-Mail an die Zentrale in Magdeburg verschickt. Die Innendienstler prüfen noch einmal alle Messreihen auf Plausibilität.

Manchmal hilft auch Erfahrung. Zum Frühjahrshochwasser war die "Domfelsen" in der Werft. Die "Hildegard von Bingen" wurde aus Niedersachsen hergeordert. Sascha Schreiber sprang als ortskundiger "Lotse" ein. "Die Kollegen haben sich schon gewundert, dass sie in der Elbe Abweichungen von bis zu eineinhalb Metern hatten. Sie wussten aber nicht, dass es in der Elbe echte ,Riffe’ gibt."

Hindernisse gibt es auch auf der Havel ‒ beispielsweise bei der Renaturierung des Flusses im Westhavelland. Doch das interessiert die Peil-Crew nicht. Schließlich ist sie nur für den reibungslosen Güterschiffsverkehr zuständig. Und der kommt nicht dahin.

Aber bis Plaue. Das ist der eigentliche Heimathafen der "Domfelsen", die hier 1995 auf der Werft gebaut wurde.

Von André Wirsing

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