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Dorf-Bewohner terrorisiert Rentnerpaar

Ruhiger Lebensabend wird zum Alptraum Dorf-Bewohner terrorisiert Rentnerpaar

Angeschossene Fenster, täglich liegen Nägel in der Grundstückseinfahrt. Ein Rentner-Ehepaar aus Marzahne (Potsdam-Mittelmark) wird von einem Störenfried terrorisiert. Auch andere Dorfbewohner leiden unter den Attacken. Die Polizei ist offenbar machtlos.

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Charlotte und Adolf Ulbrich mit einem Teil der auf ihre Grundstückszufahrt geworfenen Nägel.

Quelle: Jacqueline Steiner

Marzahne. Einen ruhigen Lebensabend wollten Adolf (75) und Charlotte Ulbrich (72) in Marzahne verbringen. Doch was das Rentnerpaar in seiner vor 14 Jahren gekauften Doppelhaushälfte erlebt, ist ein einziger Alptraum: Einschusslöcher in den Fenstern, Nägel auf der Grundstückszufahrt, Öl an der Hauswand und massakrierte Heckenpflanzen.

„Wir sind mit den Nerven am Ende“, sagt der Hausherr mit unterdrückter Stimme. Seit Jahren fühlen sich die Ulbrichs von einem Bewohner des Dorfes terrorisiert, den die Marzahner nur bei seinem Spitznamen nennen. Warum es den Hass eines Zeitgenossen auf sich zieht, ist dem harmlosen Ehepaar schleierhaft. Der vor allem nachtaktive Mann treibt nicht nur vor dem Grundstück von Familie Ulbrich sein Unwesen. Auch andere Nachbarn im Bereich der Ortsdurchfahrt leiden unter den unberechenbaren Ausfällen ihres Mitbürgers. Betroffene bestätigen einhellig die vergiftete Atmosphäre in Marzahne, wollen aber anonym bleiben. Zu groß ist die Angst vor Racheakten.

Einschussloch an einem Wohnzimmerfenster bei Familie Ulbrich

Einschussloch an einem Wohnzimmerfenster bei Familie Ulbrich.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Nur die Ulbrichs trauen sich jetzt an die Öffentlichkeit. Sie würden Marzahne am liebsten verlassen. Doch wer will schon ein Grundstück kaufen, wo die Zufahrt täglich nach Nägeln und Schrauben abgesucht werden muss? Mehrere Kilo Reifentöter haben die beiden Rentner bereits vom Seitenstreifen der Landesstraße 98 abgesammelt. Wer die Menge nicht gesehen hat, mag das Geschehen kaum glauben. „Nicht alle Nägel landen vor unserer Haustür. Manchmal fliegt das Zeug auch auf die Straße“, berichtet Adolf Ulbrich, der sich von seinem Widersacher schon mal als „Scheiß-Polacke“ beschimpfen lassen muss. Platte Reifen gab es nicht nur an seinem Auto. Auch so mancher Traktorfahrer kam schon ins Fluchen.

Zum Einkaufen fahren die Ulbrichs nur mit einem mulmigen Gefühl. Bei ihrer Rückkehr wissen sie nie, was sie erwartet. Denn auch am Tage treibt der Durchgeknallte sein Unwesen. Zur Straße sind alle Fenster kaputt. Getroffen von Luftgewehrmunition. Es gab sogar ein Feuerwehreinsatz. Die Marzahner Kameraden mussten Bindemittel einsetzen, weil über die gesamte Hauslänge Öl auf dem Boden verkippt war. Ein anderes Mal wurde das Rücklicht eines Autos zerschossen, als Tochter Brigitte zu Besuch war.

Zur Rede gestellt

Nicht für alle Schandtaten gibt es Augenzeugen. Charlotte Ulbrich hat den nicht weit entfernt wohnenden Mitbürger in einem anderen Fall auf frischer Tat erwischt und zur Rede gestellt: „Nur eine wirre Antwort habe ich bekommen.“ Das Ordnungsamt fühlt sich nicht zuständig. „Wir können den Leute nur raten, ihre Rechte mit einer Privatanzeige zu wahren“, sagte Amtsdirektor Guido Müller der MAZ. Haben die Ulbrichs alles getan.

Die Zufahrt des Paares wird mit Nägeln überschüttet

Die Zufahrt des Paares wird mit Nägeln überschüttet.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Doch der Potsdamer Staatsanwaltschaft ist die Angelegenheit zu popelig. Die Verfahren wurden eingestellt. „Die Vorfälle tragen privaten Charakter. Durch sie ist der Rechtsfrieden über den engeren Lebenskreis der Beteiligten hinaus nicht gestört worden. Die Strafverfolgung ist deshalb nicht als ein gegenwärtiges Anliegen der Allgemeinheit zu betrachten“, heißt es unter anderem in einer schriftlichen Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Erst vor einem Jahr war ein Verfahren eingestellt worden. „Der Täter ist nicht ermittelt. Weitere Nachforschungen versprechen keinen Erfolg“, hieß es damals lapidar.

Störenfried streitet alles ab

In die Lage involviert sind auch Revier- und Kriminalpolizei. Und natürlich Ortsvorsteher Carsten Wuttke, selbst Beamter bei der Bundespolizei. Wuttke spricht von einer „latenten Gefahr“ und „verängstigten Bewohnern“. Persönlich war er mit den Ulbrichs bei der Revierpolizei: „Was hier passiert, kann mir nicht egal sein.“ Auch das Gespräch mit dem mutmaßlichen Störenfried hat der Ortsvorsteher gesucht. Doch dieser streitet alles ab.

Von Frank Bürstenbinder

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