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Drama auf dem Kanal: Schiff droht abzusaufen

Brandenburg/Havel Drama auf dem Kanal: Schiff droht abzusaufen

Seit mehr als drei Wochen liegt in Brandenburg/Havel ein Schleppschiff am Kai. Eigentlich sollte es längst abgelegt haben. Doch es liegt immer noch in Brandenburg und war vom Sinken bedroht. Zur Geschichte des Schiffs gehören ein einsamer Decksmann ohne Geld, freundliche Nachbarn. Die MAZ erzählt die tragische Geschichte.

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Seit drei Wochen am Silokanal-Kai und nun vom Sinken bedroht: Die „Sawai V“.
 

Quelle: Volkmar Maloszyk

Brandenburg/H.  Ein Drama hat sich am Mittwoch am Silokanal abgespielt: Seit nunmehr drei Wochen liegt dort ein niederländischer Schlepper am Kai. Kurz vor Weihnachten war der Kapitän und Eigner wegen des Todes seiner Mutter zurück an die niederländisch-belgische Küste gereist, mit dem Versprechen, nach vier oder fünf Tagen zurück zu kommen. Doch daran hielt er sich nicht.

Inspektion auf dem Schiff

Inspektion auf dem Schiff.

Quelle: V. Maloszyk

Geld für die SIM-Karte

Zurück blieb ein 34 Jahre alter Decksmann, den alle nur T-T rufen. Eine Heuer hatte er nicht erhalten, so stand er fast ohne Geld da, lediglich der Kühlschrank war leidlich gefüllt. Große Mitmenschlichkeit zeigten Hans Stapperfenne und einige Nachbar am Fritze-Bollmann-Weg: Der ehemalige Baptistenpfarrer und seine Ehefrau wohnen bei der „Gemeinde mit Ausblick“. Sie bekochten den jungen Mann, brachten ihm täglich Essen, baten ihn in die Wohnung, gaben ihm Geld, damit er die SIM-Karte aufladen konnte. „Er hat immer gehofft, dass der Kapitän zurückkommt, vor allem hat er Angst, dass er kein Geld bekommt“, erzählt Stapperfenne.

Irgendwann siegte bei T-T, der nur bruchstückhaft Deutsch und Englisch spricht, die Verzweiflung. Nachdem an Bord alles gereinigt und frisch gestrichen war, zog er sich zurück und wollte auch keine Hilfe mehr. Das bisschen Geld, das der Eigner zwischendurch schickte, reichte gerade für die Stromsäule, nachdem zwischenzeitlich schon die Fensterscheiben zugefroren waren. Ein öffentlich Bediensteter verschaffte dem jungen Mann stundenweise Arbeit, damit er ein bisschen Geld in die Finger bekam.

Einsatzkräfte bei der Besprechung

Einsatzkräfte bei der Besprechung.

Quelle: V. Maloszyk

Stapperfenne will am Donnerstag bei Verantwortlichen des Wasser- und Schifffahrtsamtes eine Bescheinigung für den Decksmann erbitten, wie lange das Schiffchen schon in der Stadt liegt und dass der Mitarbeiter immer an Bord war, damit er nötigenfalls seine Ansprüche zuhause privatrechtlich durchsetzen kann.

Zugefrorene Fensterscheiben

Am Mittwoch war für solche Formalien keine Zeit: Am Nachmittag rückten Feuerwehren sowie Wasser- und Schifffahrtsamt aus, weil das Schiff zu sinken drohte. Es hatte bereits eine geschwächte Stelle am Rumpf, Eis und Auftauen ließen die Haut reißen. „Es ist Wasser in den Maschinenraum eingedrungen und hat sich mit altem Öl vermischt. Wir müssen schleunigst einen Spezialentsorger anfordern, der sich darum kümmert“, sagt Heiner Schäfer vom Außenbezirk des WSA. Ob das Schiff noch zu retten sei, wisse er nicht.

 Die Feuerwehr musste wieder umkehren, ihre Aggregate waren zu schwach, nur Abpumpen hätte nichts geholfen, weil sonst das Wasser im Kanal verunreinigt worden wäre. Am späten Nachmittag war das Hilfeschiff noch unterwegs. Der Firmenchef war mit dem Auto vorgefahren. Nach kurzer gemeinsamer Inspektion mit der Wasserschutzpolizei im Innern des Schiffes schüttelte er mit dem Kopf und meinte, „es sieht nicht gut aus“.

Abpumpen hätte nicht geholfen

Aufgeben will T-T aber immer noch nicht. Stapperfenne und seine Gastgebergemeinde hatten angeboten, zu sammeln, um ihm eine Rückfahrkarte zu kaufen. Das lehnte dieser entrüstet ab: Er sei keine Ratte, die vom sinkenden Schiff flüchte. Jetzt will er ausharren – mindestens bis Sonntag. Dann will sein Chef endgültig wieder da sein. Aber das hatte er schon zu oft versprochen.

Von André Wirsing

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