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Drei Orte zwei Tage ohne Gas

Krisenstab hat Arbeit beendet Drei Orte zwei Tage ohne Gas

Keine Heizung, kein warmes Wasser – kein Gas! Seit Dienstag waren Lehnin und die Nachbardörfer Rädel und Michelsdorf im Ausnahmezustand. Zwar war eine bei Kabelverlegearbeiten beschädigte Gasleitung längst repariert, doch konnte die Versorgung von 850 Kunden in den drei Ortsteilen von Kloster Lehnin erst am Donnerstagabend wieder aufgenommen werden.

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Leitungsbauer haben Kaltenhausen zugeparkt.

Quelle: Piotr Varanko

Lehnin. Keine Heizung, kein warmes Wasser – kein Gas! Von Dienstagabend bis Donnerstag um 18.30 Uhr waren Lehnin und die Nachbardörfer Rädel und Michelsdorf im Ausnahmezustand. Zwar war die bei Kabelverlegearbeiten in der Beelitzer Straße beschädigte Gasleitung schnell repariert, doch konnte die Versorgung von rund 850 Kunden in den drei Orten erst zwei Tage nach der Havarie wieder aufgenommen werden.

Bäckermeister Michael Fiedler (l) in seiner mit Öl beheizten Backstube

Bäckermeister Michael Fiedler (l.) in seiner mit Öl beheizten Backstube. Bei ihm durfte Stefan Kasten von der Bäckerei Kirstein Brot und Brötchen backen.

Quelle: Piotr Varanko

Alarmstimmung herrschte vor allem in den gewerblichen Betrieben. Zum Beispiel in der Bäckerei Kirstein in Rädel. An der Produktion in dem mittelständischen Unternehmen hängen 50 Arbeitsplätze. Weil die Öfen kalt blieben, hatte Bäckermeister Lutz Kirstein die Filiale in Borkheide geschlossen und einen Verkaufswagen aus dem Verkehr gezogen. Ab Freitag soll sich der Betrieb wieder normalisieren.

Sauerteig verdorben

Für eine Notversorgung durfte der Kirstein-Bäcker bei den Berufskollegen Heino Fischer in Götz und Michael Fiedler in Lehnin Brot und Brötchen produzieren. Bei Fiedler wird mit Öl geheizt. „Wir sind dankbar für die Hilfe, aber die übliche Menge ist so nicht mehr zu schaffen“, berichtete Lutz Kirstein. Was den Bäckermeister besonders ärgerte: Fast eine halbe Tonne Sauerteig, der in der Nacht zum Mittwoch verarbeitet werden sollte, ist unbrauchbar. Niemand hatte den Großverbraucher informiert. Erst, nachdem den Öfen gegen halb drei in der Nacht das Gas ausging, erfuhr der Bäckermeister über die Nothotline des Gasversorgers von dem Dilemma.

Gashahn schließen!

Die Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg (NBB) ist die Betreiberin der betroffenen Gasleitung, die von Busendorf kommend Lehnin, Rädel und Michelsdorf versorgt. Eigentümerin der Trasse ist die Energie Mark Brandenburg (EMB).

Die NBB bat alle Anwohner und Nachbarn, den Gashahn zu schließen und die Betreiberin darüber zu informieren. Dankbar war das Unternehmen auch über Informationen über die Abwesenheit von Nachbarn.

Erst wenn alle Hausanschlüsse geschlossen, beziehungsweise getrennt sind, kann der Betrieb eines Gasnetzes wieder aufgenommen werden. Der Krisenstab in der Feuerwache war rund um die Uhr besetzt. Hotline: 030/32 29 32 28 82.

Lehnins größter Arbeitgeber, das Diakonissen-Stift samt Kliniken, Kita, Altenhilfezentrum und Hospiz hatte dagegen Glück im Unglück. „Wir waren vom Erdgasausfall nicht betroffen. Das Gelände hängt an der Fernwärmeversorgung“, informierte Pressesprecher Alexander Schulz. Hunderten anderen privaten Erdgaskunden ging es dagegen so wie Christian Dreibrodt: „Uns fehlte warmes Wasser vor allem für die Kinder.“

Entwarnung um 18.30 Uhr

Die Betreiberin des Erdgasleitung, die Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg, stand vor einem Dilemma. „Erst wenn in allen Haushalten und Betrieben die Haupthähne der Gasanlagen geschlossen sind, kann der Betrieb wieder aufgenommen werden“, sagte Unternehmenssprecher André Studzinski der MAZ. Seit Dienstagabend versuchten NBB-Mitarbeiter fieberhaft mit allen Kunden in Lehnin, Rädel und Michelsdorf Kontakt aufzunehmen. Doch das war nicht so einfach. In zahlreichen Haushalten war lange niemand anzutreffen.

Der NBB-Krisenstab im Lehniner Feuerwehrhaus

Der NBB-Krisenstab im Lehniner Feuerwehrhaus.

Quelle: Piotr Varanko

In der Lehniner Feuerwache hatte die Netzgesellschaft zusammen mit ihren Dienstleistern einen Krisenstab eingerichtet. Auf Tischen waren Karten von allen Hausanschlüssen ausgebreitet. Penibel wurde jeder geschlossene Haupthahn registriert. Ein Ende der Vorsichtsmaßnahme war am Donnerstag lange nicht abzusehen und man fürchtete, dass das Gas erst am Freitag strömen würde.

Rund 50 Tiefbauer und Monteure standen bereit

Um die Wiederinbetriebnahme des Netzes zu beschleunigen, standen rund 50 Tiefbauer und Monteure in Lehnin bereit. Die Entstörungseinheiten und Fachfirmen hatten den Auftrag, alle Hausanschlüsse außerhalb von Gebäuden, in denen kein Bewohner aufzutreiben war, aufzuschneiden und zu schließen. Rund um das Feuerwehrgebäude in Kaltenhausen sah es deshalb aus wie in einem Heerlager. Werkstattwagen, Mini-Bagger und Laster warteten auf ihren Einsatz. 150 Gaskunden waren bis Donnerstagnachmittag noch nicht zu Hause angetroffen worden. Um 18.30 Uhr meldete sich Senior-Bäckerchef Walter Kirstein glücklich bei der MAZ: „Das Gas strömt wieder.“ Die Rädeler Bäcker können am Freitag um 2.30 Uhr wieder backen.

Zur Beschädigung der Mitteldruckgasverteilleitung war es am Dienstag in der Beelitzer Straße gekommen. Bei der Unterörterung der Fahrbahn für den Ausbau des Breitbandnetzes traf die Kabelbaufirma genau die Gasleitung. Das Netz für die drei Ortsteile wurde völlig leergesogen.

Aus Sicherheitsgründen müssen die Haupthähne aller Kunden vor einer Wiederinbetriebnahme geschlossen sein.

 

Von Frank Bürstenbinder

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