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Drei minderjährige Ehefrauen in Brandenburg

Ein neues Phänomen für die Jugendhilfe Drei minderjährige Ehefrauen in Brandenburg

Drei minderjährige Ehefrauen aus Syrien und Afghanistan leben in Brandenburg an der Havel. In beiden Ländern heiraten Mädchen aus verschiedenen Gründen oft früh. Dieses neue Phänomen der Flüchtlingskrise entpuppt sich jetzt als Herausforderung für das Jugendamt.

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Eine afghanische Großfamilie, die in Brandenburg Zuflucht gefunden hat. Die junge Frau mit dem Baby ist bereits volljährig. In Afghanistan kommt es aber nicht selten zu Ehen zwischen einem Mann und einer Minderjährigen.

Quelle: Marion von Imhoff

Brandenburg/H. Minderjährige Ehefrauen – mit der Flüchtlingskrise ist auch dieses neue Phänomen nach Brandenburg gekommen. Nach Angaben des Brandenburger Jugendamtes leben derzeit drei 15- bis 17-jährige Ehefrauen aus Syrien und Afghanistan in der Stadt. Das sagte Ina Lübke, Fachgebietsleiterin im Jugendamt, der MAZ. „Das Standesamt prüft derzeit, ob diese Ehen nach deutschem Recht gültig sind“, so Lübke.

Weil die Mädchen ohne Familienangehörige in Brandenburg eingetroffen seien, sei das Jugendamt deren gesetzlicher Vertreter geworden. Der Ehemann sei das nicht, betont Lübke.

Betreuer beobachten die Situation der jungen Ehefrauen genau

„Die Mädchen wirken nicht unglücklich“, sagt die Jugendamtsmitarbeiterin. Die Betreuer in den Flüchtlingsunterkünften hätten ein waches Auge auf das Wohlbefinden der Minderjährigen. „Wenn die Ehemänner ihnen keinen Schaden zufügen, bleibt das jeweilige Paar auch weiter zusammen untergebracht. Andernfalls würden wir sofort das Mädchen in Obhut nehmen.“ In Potsdam gebe es eine Wohngruppe für geflüchtete Mädchen, die ohne ihre Eltern in Deutschland gestrandet seien.

„Was uns mehr Kopfschmerzen bereitet ist, dass die Mädchen nicht so gut betreut werden wie andere Minderjährige ohne Familien“, sagt Lübke. Diese würden intensiv von Sozialarbeitern in speziellen Wohneinrichtungen begleitet. Nach Angaben des Jugendamtes handelt es sich nicht um Zwangsverheiratungen von Kindern mit Männern fortgeschrittenen Alters. In allen drei Fällen seien die Männer nur wenige Jahre älter als die Ehefrauen. Strafbar machten sich die Männer nach deutschem Recht nicht, so Lübke, einvernehmlicher Sex mit Mädchen über 14 Jahre sei straffrei.

DRK trennte minderjährige Verlobte sofort von ihrem Bräutigam

Auch in einer Flüchtlingsunterkunft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Brandenburg lebte bis Freitag ein solches Paar zusammen. Wolfgang Reitsch, langjähriger DRK-Kreisgeschäftsführer, spricht von einer neuen Entwicklung. Das Paar gab an, verheiratet zu sein. Mit Hilfe eines Dolmetschers räumten sie dann aber gegenüber Heimleiter Hartmut Donth ein, lediglich verlobt zu sein. Der junge Mann habe bereits für die Heirat der Familie seiner Braut ein Geldgeschenk gemacht. Das DRK reagierte sofort und trennte die beiden räumlich. Die 15-Jährige wohnt nun weiter in einem Zimmer mit ihren Eltern und Geschwistern. Ihr Bräutigam muss ein Zimmer weiter ziehen.

Reitsch sagte der MAZ, „es wird nicht nur in Brandenburg an der Havel, sondern bundesweit solche Fälle geben. Es muss juristisch geklärt werden, wie damit umzugehen ist. In diesem Fall handelt es sich um eine 15-Jährige. In Deutschland dürfen 16-Jährige mit Einwilligung der Eltern heiraten. Bis dahin ist es kein großer Schritt in diesem Fall. Aber was ist, wenn ein Mädchen mit zwölf Jahren schon verheiratet ist?“

Auch den Johannitern ist das Phänomen bekannt

Nach Angaben von Bonny Oppermann, Pressesprecherin des Johanniter-Regionalverbandes Brandenburg-Nordwest, habe es auch in der Unterkunft in der Sophienstraße eine minderjährige Ehefrau gegeben. Diese habe aber mittlerweile die Stadt verlassen.

Hintergründe früher Hochzeiten

Die Volljährigkeit tritt in Afghanistan und Syrien nach Angaben des Flüchtlingsrates wie in Deutschland mit 18 Jahren ein. Dass Mädchen noch davor verheiratet werden, hat verschiedene Ursachen.

Bonny Oppermann, Sprecherin des Johanniter-Regionalverbandes Brandenburg-Nordwest, sagt, dies geschehe in Afghanistan zum Schutz vor Entführungen durch die Taliban. „Ein Mann muss für jede seiner unverheirateten Töchter eine Fahne auf seinem Haus aufstellen. Sonst wird er bestraft. Die Taliban können jederzeit kommen und sich dann ein Mädchen holen und mit ihr machen, was sie wollen. Deswegen verheiraten Eltern ihre Töchter sehr früh schon und häufig an einen Mann aus einer befreundeten Familie.“

Hartmut Donth, Leiter einer DRK-Notunterkunft, spricht auch von einer Jahrhunderte währenden Tradition, Mädchen früh an einen Mann aus dem weiteren Verwandtenkreis zu verheiraten. Weit verbreitet sie dies insbesondere noch in ländlichen Regionen.

Von Marion von Imhoff

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