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Dreigroschenoper floppt im Theater

Aufführung im großen Haus Dreigroschenoper floppt im Theater

In Scharen suchte das Publikum in der Pause das Weite. Von 251 Besuchern, die Donnerstagabend die Premiere von „Die Dreigroschenoper“ im Brandenburger Theater (BT) erlebt haben, seien wohl ein Drittel nicht mehr auf ihre Plätze zurück gekehrt, so die Einschätzung von Frank Jesko-Idler vom Künstlerischen Betriebsbüro des BT. Was war geschehen?

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Aufführung der Dreigroschenoper im Brandenburger Theater in der Grabenstraße am Donnerstagabend.

Quelle: Jacqueline Steiner

Brandenburg/H. In Scharen suchte das Publikum in der Pause das Weite. Von 251 Besuchern, die am Donnerstagabend die Premiere von „Die Dreigroschenoper“ im Brandenburger Theater (BT) erlebt haben, seien wohl ein Drittel nicht mehr auf ihre Plätze zurückgekehrt, so die Einschätzung von Frank Jesko-Idler vom Künstlerischen Betriebsbüro des BT. Bei der Inszenierung von Regisseurin Sarah Kohrs handelte es sich um ein Gastspiel des Theaters der Altmark Stendal. Im Rahmen der Kooperation mit dem Brandenburger Theater spielten die Brandenburger Symphoniker, dirigiert von Jakob Brenner, dem musikalischen Leiter in Stendal.

Gastspiel aus Stendal floppt, die Gäste fliehen

Das Brandenburger Theaterpublikum ist anspruchsvoll. In der Stadt Brandenburg an der Havel mit ihrer fast 200-jährigen Theatergeschichte, in der ein Theaterregisseur wie Peter Zadek seine Vorpremieren zelebrierte oder ein Top-Künstler wie Max Raabe seine neuen Programme testete, muss sich niemand provinzielle Inszenierungen antun. Dank der Nähe zu Berlin gibt es für die Brandenburger genügend Möglichkeiten, Hochkultur zu erleben, nicht zuletzt die Inszenierungen der Dreigroschenoper am legendären Berliner Ensemble, wo sie einst ihre Uraufführung erlebte. „Und ich habe noch für diese Aufführung getrommelt, damit das Haus möglichst voll werde.“ Katja Lebelt, seit Anfang des Jahres künstlerische Leiterin des Brandenburger Theaters, ist entsetzt.

Die Musik war zu laut und nicht immer deckungsgleich mit dem Gesang, die Gesangstexte unverständlich. Vor allem die Frauenstimmen klangen überfordert und schrill. Diese technischen Mängel seien selbst verschuldet, so Lebelt. Sie habe für die Stendaler Inszenierung, die am Theater der Altmark bereits im vergangenen November Premiere hatte, eine Anpassungsprobe im Brandenburger Theater gefordert. Doch die Altmärker hätten dies rundweg abgelehnt. Und der Kooperationsvertrag sehe für das Brandenburger Theater in derartigen Fällen leider keine Möglichkeit vor, entsprechende Forderungen durchzusetzen. „Das Theater der Altmark hat gegenüber unserem Haus wenig Respekt bewiesen“, ärgert sich Lebelt.

Kein Pfiff, keine Raffinesse

Doch der Aufführung fehlte es auch sonst an Pfiff und Raffinesse. Die Regisseurin mag „Die Dreigroschenoper“ als heilige Kuh empfunden und sich um größtmögliche Werktreue bemüht haben. Doch weder ist es ihr gelungen, die gesellschaftspolitische Dimension des Brecht-Stückes auszuloten. Noch hat sie eine markante moderne Version geschaffen. Es fehlte der Aufführung an Stringenz und Authentizität. Zäh und vorhersehbar entfaltete sich in dreieinhalb Stunden Spielzeit die Geschichte von Macheath, alias Mecki Messer, und seinem Gegenspieler, dem Bettlerkönig Peachum. Der Versuch der Regisseurin, mit Slapstickeinlagen der Inszenierung Schwung zu verleihen, – wie beispielsweise beim Auszug der Ganoven aus dem Hochzeitsgemach von Polly und Macheath – , wirkte einfach nur albern.

Thomas Weber als Macheath überzeugte keinesfalls als eiskalter Ganove und Mörder. Man nahm ihm auch nicht den Frauenheld ab, der mit seiner sexuellen Obsession sein Verderben herauf beschwört. In dieser Inszenierung ist er einfach nur ein Großmaul und selbstverliebter Fatzke.

Unausgegoren wirkte die Charakterdarstellung der Polly Peachum. Linda Lienhard als Polly nimmt man die verliebte und frisch verheiratete Ehefrau von Macheath nicht ab. Doch auch mit ihrer Interpretation des Songs der Seeräuber-Jenny kann sie nicht überzeugen. Mehr Slapstick als Zickenkrieg ist die Eifersuchtsszene gemeinsam mit Annett Siegmund, die die Lucy spielte, die Tochter von Polizeichef Brown. Ihr nahm man die unbedarfte Kindfrau ab.

Unausgegoren, zu laut, Slapstick

Mehr Hagestolz als Bettlerkönig war Frank Siebers in der Rolle des Jonathan Peachum. Erst als er den Polizeichef Brown unter Druck setzt, blitzte vorübergehend der mächtige Herrscher über eine Armee von Bettlern auf.

Konturlos und beliebig agierte Angelika Hofstetter als seine Ehefrau Celia. Lächerlich in seiner Weinerlichkeit wirkte Volker Wackermann als korrupter Polizeichef Brown. Ihm kam die zweifelhafte Ehre zu, als reitender Bote der englischen Königin vom Himmel herabzufahren, um Macheaths Begnadigung zu verkünden. Überirdisch kitschig.

Von MAZonline

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