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Dreijährige Mädchen büchsen aus Kita aus

Kripo ermittelt in Brandenburg an der Havel Dreijährige Mädchen büchsen aus Kita aus

Schon wieder ist es passiert: Zwei drei Jahre alte Mädchen sind unbemerkt aus ihrem Kindergarten in Hohenstücken ausgebüchst und mutterseelenallein zu einem Nettomarkt gelaufen. Eine Kassiererin alarmierte die Polizei – vielleicht auch aufgrund des sehr unüblichen Zahlungsmittels der Kleinen. Nun ermittelt die Kripo gegen die Erzieherinnen der Kita Menschenskinder.

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Aus der Kita „Menschenskinder“ in Brandenburg an der Havel liefen die Dreijährigen am Dienstag weg. Es gelang ihnen ohne große Mühe. Binnen Sekunden waren sie über den Zaun geklettert.

Quelle: Foto: Mai

Brandenburg an der Havel. Weil zwei Paar Hausschuhe zurückblieben als die Kindergartengruppe wieder in ihren Raum zurückkehrt ist, schlug am Dienstagvormittag eine Erzieherin der Kita „Menschenskinder“ in Brandenburg Alarm. Zwei drei Jahre alte Mädchen waren aus dem Garten nicht zurückkehrt, sondern unbemerkt über den Zaun geklettert und ausgebüchst. Die Polizei ermittelt nun gegen die Kita-Erzieherinnen wegen des Verdachtes auf Verletzung der Aufsichts- und Fürsorgepflicht.

Erst im November schlug der Fall des dreijährigen Taylor Joel in Brandenburg hohe Wellen, der aus der Kita „Klein und Groß“ weggelaufen war. Auch er hatte unbemerkt das Gelände seines Kindergartens in Hohenstücken verlassen und war mutterseelenallein fast einen Kilometer zum Rewe-Supermarkt gelaufen.

Wie die Polizei am Mittwoch bekannt gab, wurden die Mädchen einige hunderte Meter entfernt wohlbehalten wieder gefunden. Sie waren von der Warschauer Straße zum Nettomarkt an der Gördenallee gelaufen, um sich Süßigkeiten zu kaufen. Ihre Drops wollten sie nach Angaben der Marktleiterin Elke Richter erst gar nicht, dann laut Polizei mit einer lebendigen Schnecke bezahlen.

Nettomarkt an der Gördenallee

Nettomarkt an der Gördenallee.

Quelle: MAZ

Am Mittwoch gab die Marktleiterin der MAZ Auskunft über den Fall. Ihre Stellvertreterin Michaela Friedrich war es, die am Dienstag die Kleinen in Obhut genommen und die Polizei um 11.22 Uhr alarmiert hatte. Nach eigenen Angaben rief sie zudem den Kinder- und Jugendnotdienst an und telefonierte die umliegenden Kindergärten ab, ob zwei Mädchen gesucht würden. „Diese sagten mir aber, dass keiner zwei Mädchen vermisst“, berichtete Michaela Friedrich der MAZ.

Als Jasmin Wehr am Mittwochnachmittag ihren 15 Monate alten Sohn aus der Kita abholte, hatte sich die Nachricht noch nicht herumgesprochen. Die 34-jährige Beamtin zeigte sich schockiert: „Man ist erschrocken bis bestürzt, dass das passieren kann. Es beunruhigt mich, ob die Aufsichtspflicht wahrgenommen wird. Man bringt sein Liebstes in die Kita und hat immer ein Grundvertrauen“, sagte Jasmin Wehr.

Wie lange die Mädchen unbeaufsichtigt waren, ist laut Polizeisprecherin Daiana Sawatzki-Koppe noch unklar. Kita-Leiterin Ute Schrumpf, seit 33 Jahren Erzieherin, äußerte sich am Mittwochnachmittag ausführlich vor der MAZ zu dem Fall. „Wenn zwei Kinder weg sind, kriegt man einen Riesen-Schrecken. So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Sofort hätten fünf Erzieherinnen mit der Suche begonnen. Erst hätten sie das Gebäude, dann den 5000 Quadratmeter großen Garten und schließlich die Umgebung abgesucht. Eines der Mädchen wohnt ganz in der Nähe. Nach 20 Minuten hätte eine Erzieherin die Kinder im Nettomarkt gefunden, noch bevor die Polizei eingetroffen sei.

„Ich bin stolz auf meine Mitarbeiterinnen, weil sie kühlen Kopf bewahrt haben“, so Schrumpf. Sie schrieb am Mittwochnachmittag die Berichte über den Vorfall für das städtische und das Landesjugendamt und an den Träger der Kita, Independent Living. Zudem kündigte sie an, mit allen Eltern über das Geschehene zu sprechen. Die Eltern der betreffenden beiden Mädchen seien sofort von ihnen informiert worden, betont Ute Schrumpf, die seit Juni 2012 die Kita leitet. Dort gibt es 250 Plätze für Kinder zwischen 0 und zwölf Jahren. Allein rund 100 Kinder sind zwischen drei und sechs Jahre alt, also Kindergartenalter wie die beiden Ausflüglerinnen. Die luden sich im Nettomarkt jeweils ihre beiden Arme voll mit Brötchen, Würstchen und Bonbons. „Wir haben Hunger“, begründete eine das später gegenüber der Kassiererin Michaela Friedich.

Als die Erzieherin dann aus dem Nettomarkt mit den Kleinkindern wieder zurück zur Kita wollte, verhinderte das nach Angaben von Markleiterin Elke Richter das Personal. Erst habe die Erzieherin den Schaden begleichen müssen. „Die Mädchen hatten ja Tüten aufgerissen, so sechs bis sieben Euro sind da schon zusammengekommen“, so Richter. Auch die Marktleiterin, selbst Mutter und Großmutter, äußerte sich erschrocken: „Dass Kinder aus einer Kita weglaufen können, darf einfach nicht passieren.“

Die Polizisten brachten die kleinen Mädchen schließlich mit der Erzieherin zurück zur Kita. Dort ließen sich die Beamten von den Dreijährigen zeigen, wie diese es geschafft hatten, über die Absicherung des Gartens zu klettern. „Sie stellten ihre Füßchen in den Zaun und waren innerhalb von Sekunden wieder hinüber geklettert“, so eine Erzieherin. Ob der Zaun nun zusätzlich gesichert wird, ist nach Angaben von Kitaleiterin Ute Schrumpf noch offen.

 

Von Marion von Imhoff

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